Sport kann mitunter "Mord" sein. Man braucht Helden und pfiffige Reporter, um dem Spiel wieder Leben einzuhauchen. In den 20er Jahren, als sich die amerikanische Football-Profiliga aus der Gosse rekrutierte, galt das öffentliche Interesse dem College-Football. Der einzige Weg dem Profisport zu Ansehen zu verhelfen, führt über Identifikationsfiguren und ein positives Image in der Presse. Charmebolzen George Clooney gibt mit dieser liebenswerten Hommage an die Goldene Ära des Kinos sein drittes Regiestelldichein.
Wenn man als Football-Profi auf Kuhäckern trainiert und Spiele abgebrochen werden, wenn der einzige Ball verloren geht, dann befindet man sich in den 20er Jahren, genauer 1925, als sich in dieser Sportart überwiegend abgehalfterte Kriegsveteranen, Straßenschläger und Minenarbeiter tummelten. Dodge Conolly (George Cloney) ist Kapitän des Profi-Teams der Bulldogs, Mitte 40 und seine besten Tage sind (fast) vorbei. Leider kann dieser nichts anderes als Football spielen. Als dann auch noch der Hauptsponsor abspringt, sieht es wirklich düster aus. Um die Liga zu retten, muss der Profisport saloonfähig werden und Zuschauer in die Stadien strömen.
Von solchen Problemen ist der College-Football weit entfernt. Die Zuschauerränge sind stets gefüllt und an Sponsoren gibt es keinen Mangel. Hier spielen ausschließlich "Saubermänner" mit Vorbildcharakter, die sich hervorragend als Werbeträger eignen. Allen voran Carter Rutherford (John Krasinski). Der ist nicht nur Top-Spieler sondern obendrein auch Kriegsheld, hat er doch im Großen Krieg alleine eine Kompanie deutscher Soldaten "hops genommen". Es regen sich allerdings Zweifel an dem Wahrheitsgehalt dieser Frontgeschichte. Während es Conolly gelingt den jungen Rutherford in die Profiliga zu holen, wird die attraktive und karrierebeflissene Zeitungsreporterin Lexie Littleton (Renée Zellweger) angesetzt die "Wahrheit" über den Kriegshelden herauszufinden. Als die drei aufeinander treffen, entsteht ein ebenso keckes wie charmantes joueur d' amour, das die Schattenseiten des Sportbusiness nicht ausklammert und an den Qualitäten eines Softdramas vorbeischrammt.
Wer sich in der Welt des Kinos der 20er bis 50er Jahre auskennt, wird sich vor Deja-Vus nicht retten können: Viele der Szenen erinnern an bekannte Flirtduelle und Geschlechtergerangel a la Cary Grant und Doris Day und überhaupt hat man unwillkürlich das Gefühl in eine längst vergangene Epoche einzutauchen. Einer Zeit als Gentlemen noch wirklich das waren und Mann und Frau minnegleich in verbaler Geheimerotik lange umeinander scharwenzeln konnten, ohne dass etwas passiert. Diese Motive, so schnuckelig sie sein mögen, bringen aber einen für eine "Sportkomödie" irritierenden und bremsenden Effekt mit sich.
Nachdem Clooney, Oscar gekrönt für Syriana, Gefahr lief aufs Politdrama-Fach festgelegt zu werden, kommt er diesmal mit einer eher flockigen Komödie daher, die trotz des altbackenen Charmes einer längst vergangen Ära erstaunlich viel Bezüge zum aktuellen Medien- und Sportgeschehen und den Intrigen hinter den Kulissen hat. Was 1925 ging, geht heute genauso und schneller. Bei all den guten Ansätzen und trotz elegantem Retrocharme, samt lausbubenhafter Ironieeinlagen und Harold Lloyd Slapstickelementen, kommt gelegentlich das Gefühl auf, sich zwischen zwei Filmen zu bewegen. Möglicherweise hätte ein richtungsweisenderes agieren der weiblichen Hauptakteurin dem Plot zu mehr Geradlinigkeit verholfen. Renée Zellweger, bekannt als wohlgeformte Schokoladenliebhaberin aus Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück, kommt in Ein Verlockendes Spiel zwar mit optimierter 20er Jahre Figur daher und mimt ihre Rolle routiniert, hätte aber mit ein paar Ecken und Kanten zusätzlich dem Charakter zu mehr Profil verhelfen können. So bleibt sie irgendwo zwischen sich nach liebe sehnender Frau und Karriereluder stecken. Clooney schwächelt nicht - leider. Denn eigentlich gibt er hier den Loser, der im Schatten eines jugendlichen Idols steht. Leider wirft Clooney selber einen derart großen Schatten, dass man ihm die Nummer der Zweitklassigkeit nicht ernsthaft abnimmt. Alles in Allem, gute Unterhaltung mit Witz und Charme, die man sich getrost gönnen kann ohne mehr zu erwarten.