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Alles andere als ein Problembär, das ist Knut. Nachdem der junge Eisbär, der 2006 in Berlin zur Welt gekommen ist, von seiner Mutter verstoßen und von Tierpflegerhand aufgezogen wurde, eroberte er zunächst die Medien, sowie die Herzen der Menschen und feiert nun sein Kino-Debüt in einem Dokumentarfilm. Kindern und Gemütsmenschen, die auf süße, naiv berieselnde Bilder stehen, hat der Film einiges zu bieten. Alle anderen seien gewarnt. Hohes Einschlafpotenzial!
Die Knut-Story, eine Geschichte wie aus einem Kinderbuch. Zu Beginn etwas traurig, der arme kleine verlassene Bär, den seine Mutter nicht haben wollte, dann wendet sich alles zum Guten. Knut findet eine Ersatzmutti in Ziehvater Thomas Dörflein und avanciert schnell zum Medienstar und Herzensbrecher. Nachdem nun Millionen ihre Kindchenschema-Gelüste an diesem lebendig gewordenen Steiff-Tier befriedigt haben, kommt Knut jetzt standesgemäß cineastisch groß raus.
"Lass dir eine Geschichte vom Wind erzählen". Diesem autoriellen Kniff sind die Macher von Knut und seine Freunde verfallen, um süßlich den Verstand weichzuspülen. Der Sprecher mimt den Wind, der rastlos um den Planeten zieht und erzählt dem Zuschauer von Knuts Freunden. Lyrisch und melodiös von sphärischen Klängen untermalt, kann dies denkende Menschen schnell in Morpheus Arme treiben. Wer wach zu bleiben vermag, erfährt von Eisbärin Maidu, die in der Arktis versucht gleich drei Jungen auf einmal durchzubringen und von den weißrussischen Braunbären Masha und Pasha, die als Waisen ganz allein auf sich gestellt überleben müssen. Sechs Monate lang kann man das Heranwachsen der Rasselbande miterleben. Insgesamt lässt sich die Story, trotz 94 Minuten, ohnehin auf wenige interessante Eindrücke komprimieren. Die Perspektive wechselt oft zwischen Knut und seinen wildlebenden Kumpanen, teilweise kommt dabei, Knut betreffend, neues, bisher unveröffentlichtes Material zum Einsatz. Viel mehr als Knut beim Fressen, Knut beim Spielen und Knut als Medienstar gibt das aber auch nicht her. Die Sequenzen mit Knut wirken, wie schon aus dem TV bekannt, laienhaft, da freihändig mit simpler Digitaltechnik gefilmt. Die Naturaufnahmen präsentieren sich gestochen scharf in High Definition. Diese sind es auch, welche die Doku tragen. Anderthalb Stunden Knut pur wäre trotz allem Kuschelbonus nur für wahre Knut-Maniacs oder Fetischisten zu ertragen gewesen.
Das Leben von Knuts Freunden hat gelegentlich amüsante Höhepunkte, manchmal aber auch eine tragische Seite, wobei penibel darauf geachtet wurde, negative Aspekte fast vollständig auszublenden. Die vermutlich überwiegend sehr junge Zielgruppe soll bestenfalls mit Samthandschuh mit der Härte des Daseinkampfs in freier Wildbahn konfrontiert werden. Gelegentlich wird sanft mahnend der Finger erhoben und auf das verantwortungslose Handeln des Menschen verwiesen, der durch die Klimabeeinflussung große Schuld an dem Schmelzen der Polkappen trägt und damit den Lebensraum der Eisbären gefährdet. Würde man diese Thematik bei den nächsten Klimagipfeln in diesem Ton behandeln, können die Eisbären und die Menschheit gleich einpacken. Grenzwertig ist auch die Vermenschlichung der Wildtiere. Allerdings ist das keine neue Sache, schon Altmeister Walt Disney hat dies in Filmen wie Die Lustige Welt der Tiere exzessiv betrieben. Positiv ist, dass Knut und seine Freunde unterschwellig und in schönen Bildern Wissen über das Leben der bärigen Gesellen an ein junges Publikum vermitteln wollen. Allerdings kommt die Doku derart weichgespült rüber, dass vermutlich nichts weiter als diese schönen Bilder hängen bleiben. Wer seinen Kindern den Spaß gönnt, nur zu. Die anderen können auch auf dem Sofa bei einer CD mit Ozean-Rauschen ein Nickerchen machen. |