Beim Begriff "Outsourcing" bekommen Advokaten einer deutschen Sprache ohne Anglizismen und Gewerkschaftsvertreter gleichermaßen Ohrenschmerzen. Der erste abendfüllende Spielfilm des in Seattle lebenden Regisseurs John Jeffcoat beschäftigt sich mit den Folgen des "Outsourcing". Trotz kleinerer Mängel ist Jeffcoat eine liebreizende Geschichte über einen Mann gelungen, der seinen Arbeitsplatz an Indien verliert, aber gleichermaßen die Liebe und sich selbst findet.
Die hübsche Asha (Ayesha Dharker) ist entsetzt, genauso wie ihre indischen Freunde und Kollegen, und schaut diesen seltsamen Amerikaner vor ihr mit ihren großen, leuchtenden Augen an. Eine Mischung aus Unverständnis und Mitleid zeichnet sich in ihnen ab, als sie Todd den Rat gibt, sich vielleicht einmal so ein klein wenig mit der indischen Kultur auseinander zu setzen. Wer in Indien Heißhunger nach einem saftigen Cheeseburger verspürt und sich wundert, auf keiner Speisekarte Rindfleisch zu finden oder wer seinen indischen Mitarbeitern von den Vorzügen eines Brandzeichens vorschwärmt, für den kann es nur zwei Schlussfolgerungen geben: entweder er ist ein Ignorant und weiß nichts über den heiligen Status der Kuh in dem mehr als eine Milliarde Menschen zählenden Land - oder er will davon schlichtweg nichts wissen. In der Tat ist für Todd, gespielt von Josh Hamilton, der zuletzt in Die Bourne Identität zu sehen war, Indien nur eine unliebsame Zwischenstation. Als der von Job und Leben angeödete Call-Center-Manager erfährt, dass seine Abteilung nach Indien ausgelagert werden soll und er die feierliche Aufgabe bekommt, vor Ort seinen Nachfolger einzuarbeiten, ist er alles andere als begeistert. Es bedarf schon einer gehörigen Portion mehr oder weniger sanften Drucks durch seinen zynischen Chef Dave (Matt Smith), bis Josh die Herausforderung akzeptiert. Erschlagen von den Eindrücken Mumbais (dem früheren Bombay) und verloren in den Wirren der Kleinstadt Gharapuri, weigert sich Todd zunächst, sich auf die neuen Lebensumstände einzustellen. Erst als er seine innere Blockade aufgibt und sich von seinem lebensfrohen Nachfolger Puro (Asif Basra) und der pfiffigen Asha an die Hand nehmen lässt, ist Todd offen für die bunten Eindrücke des riesigen südasiatischen Staates.
Diese Wandlung vom grummelnden Stinkstiefel zum weltoffenen Geschäftsmann ist das einzige Manko dieser romantischen Komödie. Irgendwie hölzern, irgendwie unecht wirkt die plötzliche Metamorphose des Protagonisten, dessen radikale 180-Grad-Drehung einen unangenehmen Nachgeschmack bereithält. Doch darüber lässt sich hinwegsehen, erzählt der Regisseur John Jeffcoat doch gemeinsam mit seinem Drehbuchautor George Wing (50 erste Dates) eine alles in allem herrlich sympathische Geschichte, die mit dem Aufeinanderprallen der Kulturen spielt und es dabei charmant vermeidet, in Kitsch zu verfallen. Jeffcoats Zuneigung zu Indien - der junge Regisseur studierte eine Zeit lang in Nepal und drehte den Dokumentarfilm Bollywood and me - wird in den warmen Bildern, die er transportiert, stets deutlich. Zudem trifft Jeffcoat den Zahn der Zeit in einem Jahr, in dem der finnische Handyhersteller Nokia angekündigt hat, seine Produktion aus Kosteneinspargründen von Deutschland nach Rumänien zu verlegen und damit einen Sturm der Entrüstung auslöste. Jeffcoats Blick auf den so genannten Karawanen-Kapitalismus fällt dabei erfreulicherweise nicht allzu moralisierend aus.
Es hat eine ganze Weile gedauert, bis der Regisseur sein Werk bei den richtigen Produzenten untergebracht hatte. Erst rund zwei Jahre nach der Fertigstellung hat es Outsourced - Auf Umwegen zum Glück in die deutschen Kinos geschafft. Der Film hat es sich verdient.