Lange hat es gedauert, endlich ist es wahr geworden. Das Gipfeltreffen auf dem Olymp des Kampfkunst-Kinos. Jackie Chan und Jet Li ziehen gemeinsam in einem klassisch inspirierten Fantasy-Film in den Kampf. Vorlage dieser Geschichte, die auch ein wenig die Underdog-Thematik aus amerikanischen Karatestreifen der 1980er Jahre aufgreift, ist das alte chinesische Märchen um den Monkey King, den Affenkönig, der das ewige Leben anstrebte und gegen die Unsterblichen Jadekrieger aufbegehrte. Feines Fantasy- und Kung-Fu-Spektakel, das kurzweilige Unterhaltung für die ganze Familie garantiert.
Was wäre das für eine Schlacht, wenn Muhammad Ali zu seinen besten Tagen gegen Mike Tyson auf seinem Höhepunkt antreten würde? Natürlich ist so ein Gipfeltreffen nur hypothetisch. Ali ist inzwischen ein alter Mann und seit vielen Jahren schwer an Parkinson erkrankt und Mike Tyson meist gerade in Therapie oder Zuchthaus befindlich. Seit Langem aber sehnen die Fans des asiatischen Kampfkunst-Kinos einem anderen Zusammentreffen entgegen: Jackie Chan der "Kung-Fu-Clown" gemeinsam mit Jet Li vor der Kamera - was für ein Spektakel.
Der inzwischen 55-jährige Chan zeichnete sich immer durch eher komödiantisch angelegte Rollen aus. Jet Li hingegen präsentierte sich meist - ganz gleich ob gut oder böse - als die ultimative "Vernichtungsmaschine". Und auch für The Forbidden Kingdom wird nicht nennenswert von diesem Muster abgewichen. Der Vorspann entführt sogleich ins mythologische China: Der Affenkönig wirbelt auf Berggipfeln jenseits der Wolkendecke seinen magischen Kampfstab und vermöbelt die Armee der Unsterblichen: Die Jadekrieger. Keiner kann es mit ihm aufnehmen und das nagt sehr am Ego des Generals der Unsterblichen. Mit einer List verwandelt er den Affenkönig in Stein. Dabei wird sein Kampfstab weit über Länder und Meere fortgeschleudert.
Er landet im Amerika der Jetzt-zeit. Und schlummert in einer Pfandleihe in Chinatown vor sich hin. Besitzer des Ladens ist ein uralter Chinese Namens Old Hop. Der 17-jährige Jason (Michael Angarano) ist Dauergast in der Pfandleihe. Dort kauft er sich ein Kung-Fu-Video nach dem anderen. Er kann einfach die Finger nicht davon lassen. Leider aber spielen sich seine Abenteuer nur im TV oder in seiner Phantasie ab. In der Realität ist er der Prügelknabe einer örtlichen Jugend-Straßengang. Eines Tages zwingt ihn Lupo, der Boss der Gang, gemeinsam mit ihnen in die Pfandleihe einzubrechen. Prompt werden sie von Old Hop überrascht. Lupo zögert nicht und schießt den alten Mann kaltblütig nieder. Schwer verletzt vertraut Old Hop Jason den Kampfstab des Affenkönigs an. Er soll ihn dem rechtmäßigen Besitzer zurückbringen - doch wie? Auf der Flucht vor der Gang stürzt Jason von einem Dach. Als er erwacht, befindet er sich im alten China.
Der Affenkönig ist eine der populärsten mythologischen Figuren Asiens. In Indien ist er als Hanuman bekannt und bis heute werden dort seine "Nachfahren", die Makaken, als heilig verehrt. Er ist ein ambivalentes Wesen, mit vielerlei Kräften, die er sowohl Weise als auch egoistisch einsetzt. Klug, liebenswürdig, zuweilen zu erstaunlicher Weisheit fähig und oft respektlos, dass er sogar die Unsterblichkeit anstrebt: So ist der Affenkönig. Die bekannteste literarische Quelle über ihn ist der klassische chinesische Roman Die Reise nach Westen aus dem 7. Jahrhundert; eines der wichtigsten historischen Zeugnisse des Lebens in jener Zeit.
Dieses klassische Märchen stand Pate für die erste gemeinsame Produktion der beiden Martial-Arts-Legenden Jackie Chan und Jet Li. Herausgekommen ist eine gelungene, auf Familienfreundlichkeit getrimmte, Geschichte, die alle notwendigen Zutaten des asiatischen Kinos enthält: Teehaus-Kloppereien, Schüler-Meister-Verhältnisse, Kampf der Sterblichen gegen die Unsterblichen, böse Hexen und tragisch endende Liebesgeschichten. The Forbidden Kingdom ist Abenteuerreise, Eastern und Märchen zugleich. Und ebenso, Passage für Passage, Hommage an das asiatische Kino. Besonders Chan kehrt zu seinen Wurzeln zurück und spielt, wie in seiner ersten Zeit, wieder einen Kämpfer des Drunken-Boxing-Stils. Jet Li ist als wortkarger Mönch mit von der Partie. Und, soviel sei verraten, bevor die beiden gemeinsam in die Schlacht ziehen, werden sie noch einige spektakuläre Nettigkeiten austauschen.
Es hat tatsächlich lange gedauert, bis die beiden Kampfkunst-Größen gemeinsam ein Filmprojekt angingen. Vielleicht war es sogar fraglich, ob es überhaupt zustande kommen würde. Jackie Chan ist sicherlich über seinen Höhepunkt als Actiondarsteller hinaus und zu bedenken ist auch, dass er nicht nur nicht mehr der Jüngste ist; Chan hat sich während seiner mehr als vier Jahrzehnte andauernden Laufbahn beinahe jeden Knochen im Leib schon einmal gebrochen. Sein linkes Bein beispielsweise kann er zum Abspringen nicht mehr nutzen, da er sich das Sprunggelenk so oft gebrochen hat, dass es inzwischen zu instabil ist. Sollte man also dem Film in einigen Szenen ansehen, dass er möglicherweise gedoubelt wurde, sollte man mit Unkenrufen sehr vorsichtig sein. Viele westliche Actiondarsteller haben in ihrem Leben kaum einen Stunt selber gemacht.
The Forbidden Kingdom ist ein wunderschönes Kung-Fu-Märchen, das allen Liebhabern des Genres ein Lächeln aufs Gesicht zaubern wird. Der schwierige Spagat zwischen familienfreundlichem Fantasy-Kino und martialischem Eastern wurde gut gelöst. Gelegentlich mag der Schnitt etwas holpern, doch in der Gesamtbetrachtung fällt das nicht sonderlich ins Gewicht. Manche der Motive mögen ein wenig an Die unendliche Geschichte und an Karate Kid erinnern. Die "Anleihen" bei Ersteren können aber nur ungewollter Natur sein und Karate Kid hat das Lehrer-Schuler-Verhältnis ebenso kopiert, wie sich Georg Lucas davon für seine Jedi-und-Sith-Storys hat inspirieren lassen. Mit The Forbidden Kingdom ist Chan und Li ein feiner Streifen gelungen, es bleibt nur zu hoffen, dass die beiden noch mal was nachlegen.