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Manche Geschichten sollte man dort belassen, wo sie sich befinden. In der Rumpelkiste der Vergangenheit oder im Regal der Film-Klassiker. Versucht man dennoch, mit einem abermaligen Aufguss eine Story, die genauso und wunderbar zu ihrer Zeit und vorherrschender Jugendkultur funktioniert hat, neu zu adaptieren, entsteht meist ein Machwerk ohne vernünftigen Unterbau. The Fighters, eine Underdog-Story mit Karate Kid-Reminiszenzen, liefert höchst eindruckvoll den Beweis dafür. Mehr als Kopfschütteln und Unverständnis für dieses streichhölzerne Geschichtchen ist nicht drin.
Willkommen in der Welt gelangweilter reicher Sprösslinge. Abends wird sich mangels besserer Eingebung gegenseitig bei illegalen Kämpfen die Hucke voll gehauen, und um dieser seelenlosen Menagerie ein wenig "Jugendkultur" zu verpassen, fügt man ein bisschen Eminem-Flair hinzu und verpasst dem Machwerk ein paar scherenschnittartig geklaute Motive aus Fight Club. Fehlt jetzt noch ein wenig "Inhalt", bedient man sich eines schlecht angepassten Jugendlichen, der mit seinen Gefühlslagen nicht gut zurecht kommt und um die Kindergartendramaturgie anzukurbeln, versetzt man den Rebell in ein neues Umfeld und lässt ihn sogleich mit dem Chefvermöbler vom Dienst anecken und um das selbe Girl buhlen. Fehlt noch ein wenig familiärer Hick-Hack und ein "weiser", in den Kampfkünsten bewanderter Mentor, der dem Knaben zu tieferen Einsichten und effizienteren Kicks verhilft. Fertig, ab ins Kino oder besser nicht!
Auftragen, Polieren... Auftragen, Polieren... So machen Daniel-San! Das waren noch Zeiten. Spätestens nach 15 Minuten hat The Fighters genug Ruhm gehabt und man möchte aufstehen, um die Filmrolle zu wechseln. Geht aber nicht, und so muss man noch geschlagene 95 Minuten im Kinosessel ausharren. Jake (Sean Faris) ist Football-Star an seiner Schule und hat es außer auf dem Spielfeld schon zu einiger Popularität auf You Tube gebracht. An einem Übermaß an nicht kanalisierten Energien leidend, fährt er gerne aus der Haut und benutzt den einen oder anderen Provokateur als Übungs-Dummy. Diese spontanen Raufereien werden von allgegenwärtigen Handys aufgenommen und ruck-zuck ins world-wide-web geladen. Sein Ruhm eilt Jake voraus.
Als sein jüngerer Bruder Charlie (Wyatt Smith) ein Sportstipendium erhält, zieht die Familie nach Orlando Florida. Dort soll auch Jake einen Neuanfang probieren und lernen, seine Wutanfälle in den Griff zu bekommen. Kaum angekommen, verguckt er sich in die überaus attraktive Baja (Amber Heard). Leider ist die bereits an das lokale Schul-Alphamännchen und professionellen Free Fighter Ryan (Cam Gigandet) vergeben. Glücklicherweise bleibt Underdog Jake in der Welt der Überprivilegierten nicht ganz allein auf sich gestellt. Er findet einen Freund im Außenseiter Max (Evan Peters), der ihn mit dem Freefight-Trainer Jean Roqua (Djimon Hounsou) bekannt macht. Nachdem er ausreichend "motiviert" wurde, nimmt Jake das Training in Roquas Combat Club auf und übt sich, nebst Schlägen, Tritten und Würfen, in Selbstkontrolle und Disziplin. Es hätte eine beschauliche Wendung nehmen können, gäbe es nicht noch offene Rechungen zu begleichen. Und selbst wenn er inzwischen bereit ist, Konflikte nicht mit der Faust zu lösen, muss das Erlernte zu etwas gut sein, sei es, um den Unverbesserlichen die Grenzen aufzuweisen.
Man nehme den Kultklassiker aus den 80ern Karate Kid, beraube ihn seines "Spirits" und ersetze philosophische Botschaften a la Nur ein nicht gekämpfter Kampf ist ein gewonnener Kampf. durch zeitgemäß klare Ansagen des Coaches Wenn Du außerhalb des Clubs kämpfst, brauchst Du nicht mehr wiederkommen und man ist bei The Fighters angekommen. Es ist ein Phänomen der letzten Jahre und vielleicht sind Filme wie Fight Club nicht völlig unschuldig daran, dass sich vor allem in Übersee ein höchst fragwürdiger Kampfsport-Trend breit gemacht hat: Scharenweise strömen unversierte Möchtegernkämpfer in so genannte Combat Clubs oder kloppen sich gleich illegal in stillgelegten Fabrikgeländen das letzte Bisschen Hirn raus. Anschließend grassieren diese Gewaltvideos wie eine Epidemie im Internet.
The Fighters greift diese Motive auf, stellt sie aber, wenn überhaupt, nur am Rande in Frage. Nach dem Film bleibt ein großes Fragezeichen, ob den Sinns und der Intention, da die innerliche Wandlung des Protagonisten ohne echtes geistiges Fundament auskommen muss. Und auch das ansehnliche Agieren eines Djimon Hounsou als Kampfkunst-Mentor, der neben Russell Crowe in Gladiator zu sehen war und dem seine Leistung in Blood Diamond eine Oscar-Nominierung einbrachte, rettet dieses sinnarme Gekloppe nicht, da es die Macher nicht für nötig ansahen, seinem Charakter mehr als einen seidenpapierdünnen Background zu gönnen. Der Charme eines Mr. Miyagi bleibt verweht, wie Kirschblüten zum Ende des Frühlings. |