Im asiatisch-europäischen Niemandsland droht die Glückszeremonie für zwei Liebende zu platzen, weil die faulen Männer den Brunnen nicht repariert haben. Nun treten die Frauen in den Sex-Streik! Veit Helmer liefert in seiner neuen Fantasy-Komödie nur pseudo-poetische
Nichtigkeiten, die durch die holpernde Ausführung meist nur ungewollt komisch wirken.
Mit Tuvalu und Das Tor zum Himmel trug der Berliner Filmemacher Veit Helmer bereits zur Welle eines deutschen poetischen Brachialkinos mit Multikulti-Einschlag bei. Mit seiner dritten Regiearbeit bleibt er seinem Faible für die Länder des Balkans und ehemaligen Sowjetrepubliken ebenso treu wie seiner auf märchenhafte Fantasiewelten fußenden Erzählweise.
In einer abgeschiedenen Bergregion im Niemandsland zwischen Europa und Asien liegt ein Dorf, in dem Zeit und Leben still gestanden sind. Wer kann, verlässt die Gegend. Zurück bleiben bloß die Frauen und ein paar grauslige Patriarchen, die außer großen Sprüchen nichts drauf haben. Nun, es gibt noch das junge Liebespaar Aya (Kristyna Mlérova) und Temelko (Maximilian Mauff), auf denen viele Hoffnungen ruhen, weshalb man ihrem Gedeihen besondere Aufmerksamkeit widmet. So hat die Großmutter bestimmt, dass ihre erste Liebesnacht unter einer bestimmten, Glücksverheißenden Sternenkonstellation stattfinden soll, vor der ein gemeinsames rituelles Bad zu nehmen ist. Allerdings versiegt der Brunnen kurz vorm Termin, weil die nichtsnutzigen Männer zu faul waren, den Zufluss im Berg Instand zu halten. Also treten die Frauen in Streik, werfen die Männer aus den Häusern und verweigern den Sex. Zu Temelkos Unglück schließt sich Aya an...
Gordan Mihic schrieb das Drehbuch auf der Basis einer türkischen Gegebenheit, die allerdings ohne fantastische Auswüchse ausgekommen ist. Helmer indes kommt nicht ohne derartige Zutaten aus. Auch einen Erzähler verkneift er sich nicht, während die Figuren entweder wild-unverständlich durcheinander reden oder sich bedeutungsschwanger in Pantomime üben. Helmer inszeniert bemüht und umständlich. Mit schweren Holperern und technischen Unzulänglichkeiten, die Budgetbedingt so manchen Effekt mit unfreiwilliger Komik versehen, treibt er seine Handlung voran und versucht sich in gewichtigen, möglichst fantasievollen Bildern, die der kruden Geschichte so etwas wie Poesie abringen sollen. Gleichzeitig wähnt sich Helmer im Komischen und tötet seinen seriösen Anspruch mit höchst banalen, vorhersehbaren Gags. Stilistisch bedient er sich dabei bei den Burlesken des Stummfilms, was allenfalls nett gemeint aber ohne Verve und Inspiration ist. Natürlich ist das Vorbild Kusturica ebenso erkennbar wie der schräge Humor, der überhaupt starke Züge des vorderasiatischen Raumes trägt. Vom frühen Kusturica bis zu den türkischen und indischen Komödien reichen die Assoziationen. Nur reichen skurrile Typen, überschäumende Emotionen und schräge Szenenbilder allein nicht aus, um eine überzeugende Unterhaltung zu bieten.
In seiner holprigen Ausführung ähnelt Absurdistan eher den Billigfilmen aus diesen Regionen, die in den 80er Jahre wegen ihrer Banalität meist zu Recht unbeachtet blieben. Der Kern des Werkes, seine Geschichte, erscheint durchaus interessant genug, wenn auch nicht gerade neu (schon Lysistrata tat bei Ralf König ähnliches). Doch das Gesamtprodukt ist ungenau, langatmig und fahrig geworden. Man fragt sich schon, was ein lokaler Regisseur wie der Türke Yylmaz Erdoan (Vizontele) oder Dusan Milic (Gucha) daraus gemacht hätten. Von Poesie, wie vielfach kolportiert, ist hier nichts zu erkennen. Der Film folgt den Spuren seiner Vorgänger, die zu Beginn des Jahrzehnts allenfalls den Charme von Hausfrauenpoesie verströmten und längst in den Archiven der Kinogeschichte verschwunden sind.