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Tomb Raider

(Tomb Raider, 2001)

Dt.Start: 28. Juni 2001 Premiere: 11. Juni 2001 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Action, Abenteuer, Mystery
Länge: 105 min Land: Deutschland, Japan, UK, USA
Darsteller: Angelina Jolie (Lara Croft), Iain Glen (Manfred Powell), Jon Voight (Richard Croft), Daniel Craig (Alex Cross), Noah Taylor (Bryce), Leslie Phillips (Wilson), Chris Barrie (Hillary), Julian Rhind-Tutt (Mr. Pimms), Richard Johnson (Gentleman), Robert Phillips (Team Leader), Rachel Appleton (Junge Lara), Stephanie Burns (Kleines Mädchen), Ozzie Yue (Mönch), Carl Chase (Hohepriester)
Regie: Simon West
Drehbuch: Mike Werb, Michael Colleary


Inhalt

Lady Lara Croft macht sich drauf und dran, das legendäre allsehende Auge zu finden und zu zerstören, bevor es dem bösen Geheimbund der Illuminaten in die Hände fällt, der mit diesem antiken Schmuckstück die Weltherrschaft an sich reißen möchte. Damit führt Lara die Arbeit ihres Vaters Richard weiter, der bei seinen Bemühungen, die Illuminaten aufzuhalten vor vielen Jahren den Tod fand.
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Kritik

Tomb Raider hat eine Wertung von 14%

"Na, was hast Du denn erwartet, ist doch schließlich eine Videospielverfilmung." Ein Satz der gestern abend nach der Tomb Raider Vorführung aus zahlreichen Mündern zu hören war und der wie ein Mantra im Raum schwebte. Was konnte man von diesem Film denn schon erwarten? Nun, es ging sicherlich kein Mensch davon aus, ein cineastisches Meisterwerk präsentiert zu bekommen, aber ein solider Unterhaltungsfilm hätte es ruhig werden dürfen. Die Voraussetzungen waren doch nicht schlecht: $80 Millionen Budget in einer Zeit in der bereits billige Komödien mit CGI-Effekten auftrumpfen und dazu noch eine kürzlich erst Oscar-prämierte und durchaus schnuckelige Hauptdarstellerin. Ein Blinder hätte daraus noch einen halbwegs passablen Popcornfilm gebastelt. Regisseur Simon West hat das jedoch nicht hinbekommen und liefert nun nach Con Air und Wehrlos - Die Tochter des Generals seinen mit Abstand schlechtesten Film ab.

Das Augenmerk liegt bei diesem Film ganz klar auf der Hauptfigur Lara Croft, der Computerheldin mit den überdimenionalen Brüsten, die vielen 12-Jährigen schon schlaflose Nächte bereitete. Angelina hatte die Aufgabe dieser Pixel-Ansammlung eine Seele einzuhauchen und aus Lara Croft eine Person aus Fleisch und Blut zu machen. Das ist ihr einfach nicht geglückt. Sicherlich strahlt sie in der ein oder anderen Szene eine gewisse Erotik aus, aber wir erfahren als Zuschauer nie was sich unter den Hotpants und dem engen Top in ihrem Innersten wirklich verbirgt. Wer ist sie? Was fühlt sie? Was treibt diese Frau an? Warum hat sie so ein enges Verhältnis zu ihrem Vater? Die Figur Lara Croft bleibt während des ganzen Films so unheimlich eindimensional und uninteressant, daß man gar nicht die Lust verspührt, sich gemeinsam mit ihr in ein Abenteuer zu stürzen. In einer Zeit in der uns Mädels wie Buffy oder die drei Engelchen vom Charlie immer wieder zeigen, was das Wort Girlpower bedeutet, wirkten Lara Crofts Bemühungen eine unabhängige, toughe und lebensfrohe Heroine zu sein außerdem ein wenig hilflos. So bleibt einem nichts weiter als das Begaffen von Jolies Kurven, was ein recht langweiliger Zeitvertreib ist, da man Angelina's Anatomie in zahlreichen anderen Filmen schon besser studieren konnte.

Als nächstes könnte man sich auf die Story einschießen, nur muß man diese dazu erst einmal finden. Nach reifer Überlegung kam ich nämlich zu dem Schluß, daß es zu Tomb Raider wohl gar kein Drehbuch gab. Lara Croft muß zwei Teile eines Dreiecks finden und zerstören bevor es die bösen Illuminaten-Jungs tun. Ende der Geschichte. Keine Überaschungen, keine Wendungen, keine Charakterentwicklungen, keine Subplots, kein überhaupt nichts. Klingt nach einer recht banalen Story, was die Protagonisten jedoch nicht davon abhielt die Erklärungen der offensichtlichen Zusammenhänge im Verlaufe des Films ein halbes Dutzend mal zu wiederholen, bis es auch der letzte Schwachmatiker verstanden hat. Ein weiteres Indiz für das völlige Fehlen eines Scripts sind die Dialoge, denn sowas einfallsloses bringt doch kein Autor der Welt zu Papier ohne sich dabei nicht selbst blöd vorzukommen.

Das größte Problem des Films ist aber weder die dümmliche Story noch der mißglückte Versuch aus Lara Croft eine lebende, denkende und fühlende Person zu machen, sondern Simon Wests totale Unfähigkeit einen Film zu inszenieren. Wären wenigstens noch die Actionsequenzen ein Leckerli fürs Auge gewesen, hätte man als Zuschauer zumindest noch irgendwas von diesem Film gehabt. Doch nicht einmal das hat Simon West hinbekommen. Tomb Raider dürfte sich bald als Negativbeispiel an Filmhochschulen in aller Welt wiederfinden und zwar in den Kursen Regie, Editing, Cinematography und Special Effects. Obwohl der Film alle Ingridenzien hatte ein überdurchschnittlicher Unterhaltungsfilm zu werden, spielt diese Videospielverfilmung letztenendes leider in der gleichen Liga wie ihre Kollegen Mortal Combat und Super Mario Bros. Somit komme wie wieder zu meinem Einleitungssatz: "Na, was hast Du denn erwartet, ist doch schließlich eine Videospielverfilmung." Ich habe ehrlich gesagt so gut wie gar nichts erwartet und trotzdem bin ich von dieser dreisten Hollywood-Kosten-Nutz-Rechnung zutiefst entäuscht.

von Thomas Brendel


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