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Rambo bekommt Nachwuchs. Sylvester Stalone ahnt nichts davon und so macht sich der elfjährige Will Proudfoot von Hollywood unbemerkt daran, die cineastische Nachfolge seines "Vaters" anzutreten. Ihm zur Seite steht Schulrabauke, Videopirat und Jungfilmemacher Lee Carter. Gemeinsam machen sie sich auf, ihr fantastisches Filmprojekt Der Sohn von Rambow umzusetzen. Problematisch allerdings, dass Will einer extrem konservativen christlichen Splittergruppe angehört, die weltlichem Schnickschnack wie TV und Kino komplett abgeschworen hat. Die beiden Jungen liefern Film in Film eine überzeugende Leistung ab. Schade nur, dass das Gesamtkonzept nicht so recht wusste, wo es hinsteuert.
Will (Bill Milner) lebt in einer englischen Kleinstadt ein Leben weit weg von allen weltlichen Versuchungen. Schon dass er auf eine "normale" Schule geht, löst in seiner Plymouth Brethren Gemeinde, fundamentale Christen, die extrem zurückgezogen nach sehr strengen moralischen Regeln leben, Unmut aus. Zuviel schlechtem Einfluss ist er da, nach Auffassung der Ältesten, ausgesetzt. Will ist eigentlich ein äußerst kreatives Kind, mit einer regen Phantasie, die er leider nicht ausleben kann. So begnügt er sich damit, jeden Schnipsel Papier mit phantastischen Szenarien auszumalen, beinahe wie in einem Drehbuchentwurf. Als er dem Schulanarcho Lee (Will Poulter) begegnet verändert sich sein Leben. Er findet einen Gefährten, der einen Lebensstil pflegt, der verschiedener von seinem nicht sein könnte.
In unterschiedlichen Welten, scheint sie doch einiges zu verbinden. Beide sind in der Schule Außenseiter, haben keinerlei Anschluss und Anerkennung bei den Mitschülern und beide haben keine intakte Familie. Wills Vater ist vor einigen Jahren gestorben, die Erziehung liegt nun ganz in der Hand seiner Mutter Mary (Jessica Stevenson) und bei seinen "Mitbrüdern" in der Gemeinde. Lees Eltern sind getrennt, die Mutter hat einen Neuen, den Besitzer eines Altenheims und verbringt die meiste Zeit mit ihm gemeinsam auf dem Kontinent. Lee lebt alleine mit seinem tyrannischen älteren Bruder, den er wie ein Leibeigener bedienen darf. Die beiden Jungs tun sich zusammen und Will wird Zeuge bei der Vervielfältigung einer Filmraubkopie. Sein erstes Kinoerlebnis entführt ihn in die Welt des knallharten Einzellkämpfers John Rambo, der es alleine mit einer ganzen Armee aufnehmen kann. Jetzt will er sein wie dieser - unbezwingbar. Lee und Will beschließen gemeinsam einen Film zu drehen, Der Sohn von Rambow. Die Dreharbeiten werden zum Abenteuer und zur Zerreisprobe ihrer Freundschaft. Wills Eintauchen in diese andere Welt bringt ihn und seine Familie ebenfalls in Schwierigkeiten. Wegen seines ungebührlichen Verhaltens droht der Familie der Gemeindeausschluss.
Die Geschichte, die Garth Jennings, der 2005 die britischste aller Science-Fiction Storys, Per Anhalter durch die Galaxis ins Kino brachte, hier auftischt, ist sehr autobiografisch gehalten. Andernfalls ließe sich nicht ein Bild der 80er Jahre derart überzeugend zeichnen und viele kleine, liebevolle Seitenhiebe einbauen. Man muss schon selber zu der Zeit jung gewesen sein und Rambo der schimmernde Held in der eigenen kindlichen Phantasie, nichts wissend über das Greul eines Vietnamkrieges, um den beiden Jungdarstellern ihre Rollen auf den Leib schreiben zu können. Hätte man sich einzig und allein auf diesen Handlungsaspekt konzentriert, wäre die Zielgruppe sowohl bei einem jungen Publikum, das komödiantisch und phantasievoll unterhalten werden will, zu finden gewesen, als auch bei denen, die Mitte der 80er selber Kinder waren und sich gerne mal an diese Zeit, mit leichtem Persiflageton, erinnern möchten.
Der Regisseur wollte mehr. Neben der Entwicklung einer echten "Männerfreundschaft" zwischen den beiden Kids, gibt es tiefer liegend dramaturgische Ebenen. Das alles verleiht der Geschichte deutlich an Substanz, lässt aber fragen, wohin diese steuert. Ist es Kritik an einer Glaubensgemeinschaft, die derart isoliert und weltabgekehrt lebt, dass die Kinder nicht die Chance bekommen sich zu entwickeln, ihre Phantasie zu entfalten, Kinder zu sein? Ist es der Spiegel der vorgehalten werden soll, dass viele unangepasste Außenseiter und Rabauken das nur sind, weil niemand da ist, der sie lieb hat? All das wird angeschnitten, teilweise intelligent beleuchtet, bleibt dennoch hinter der Haupthandlung zurück und reiht sich nicht immer ganz rund in den Plot ein.
Diese verschiedenen Motive, so interessant sie sein mögen, nehmen viel Tempo raus und den düsteren Gefühlverwicklungen der Charaktere, die viele interessante Facetten enthalten, hätte man besser einen eigenen Film spendiert. Als Komödie punktet Der Sohn von Rambow ebenfalls nicht voll. Zu zurückhaltend ging man vor, wollte sich vielleicht nicht an die Spaßfilmchen aus Übersee anlehnen. Eindeutig steht die Familientauglichkeit im Vordergrund, die verhindert, dass so richtig auf den satirisch-britischen Putz gehauen wird. Für Familien mit Kindern zwischen zehn und vierzehn Jahren dennoch guten Gewissens zu empfehlen, idealerweise ein Streifen für den Vater und Sohn Tag. |