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Wilde Unschuld(Savage Grace, 2007)
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08. Mai 2008 DVD: 11. September 2008
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Premiere: |
18. Mai 2007 (Cannes Film Festival, Frankreich) |
| FSK: |
ab 16
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Genre: |
Drama |
| Länge: |
98 min
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Land: |
USA, Spanien |
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Darsteller:
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Julianne Moore (Barbara Baekeland), Eddie Redmayne (Antony Baekeland), Stephen Dillane (Brooks Baekeland), Hugh Dancy (Sam Green), Abel Folk (Carlos Duran), Mapi Galan (Simone Lippe), Anne Reid (Nini Daly), Elena Anaya (Blanca), Barney Clark (Antony als Kind), Belen Rueda (Pilar Duran) |
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Regie:
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Tom Kalin |
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Drehbuch:
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Howard A. Rodman, Natalie Robins, Steven M.L. Aronson |
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 Inhalt
Barbara Daly, eine Frau, die sehr auf ihr Äußeres achtet und sich nach Beachtung sehnt, heiratet den wohlhabenden Brooks Baekeland, obwohl sie aus einfachen Familienverhältnissen stammt. Aus der Ehe geht ihr Sohn Tony hervor, in dem Brooks nur einen Versager sieht, wohingegen Barbara ihren Nachkömmling sehr liebt und an ihn glaubt. Die Probleme zwischen den Eheleuten wachsen und so geschieht es, dass Brooks seine Frau für eine jüngere verlässt. Niedergeschmettert von diesem Verlust beginnt Barbara einen Ersatz in ihrem homosexuellen Sohn zu sehen. Aus einem normalen Mutter-Sohn-Verhältnis wird bald mehr. |  |
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Durchschnittliche Redaktionswertung
Keine weitere Wertung
Kritik
von Dimitrios Athanassiou
"Wirst Du mich auch noch lieben, wenn ich alt bin und meine Titten hängen?" "Natürlich Mutti, ich werde dich immer lieben." Die schöne Barbara heiratet den gefühlskalten Industriemogul Brooks und lebt fortan ein Leben in mondäner Spießigkeit. Den Mangel an ehelicher Zuneigung kompensiert sie mit ihrer übersteigerten Liebe zu ihrem Sohn. Eine Geschichte voller Abgründe, bieder erzählt, was dazu führt, dass die unterschwellige Hysterie und exzessive Sinnsuche der Charaktere äußerst hart und brutal wirkt. Psychogram mit vielen unerwarteten Wendungen. Stark inszeniert und sehenswert.
Depression und Weltkrieg sind vorbei, die späten 40er Jahre eingeläutet und die Reichen und Schönen geben sich dem Society-Life hin. Nicht mehr als Fassade. Beispielhaft steht das Leben dreier Menschen im Mittelpunkt dieser Geschichte. Die attraktive und lebenslustige Barbara (Julianne Moore) aus einfachem Hause, heiratet den millionenschweren Brooks (Stephen Dillane) und gemeinsam haben sie einen Sohn, Antony (Eddie Redmayne). Nach außen hin eine Vorzeigefamilie, verliert sich diese Illusion sehr bald. Brooks ist unfähig Liebe zu geben. Für ihn existiert nur männlich geprägte Dominanz und Härte sowie Struktur und Ordnung. Frauen sind für ihn bestenfalls Erfüllungsgehilfen. Sowohl auf körperlicher, als auch gesellschaftlicher Ebene. Barbara sehnt sich nach mehr. Liebe, Wärme und Anerkennung bleiben ihr seitens des Gatten jedoch verwährt. Für Sie wird der Sohn zu ihrem Mittelpunkt. Der wird zunächst zur Projektionsfläche der Bedürfnisse beider Eltern. Die Mutter versucht als maßgebliche weibliche Instanz die Gefühle des Heranwachsenden zu kontrollieren und zu kanalisieren. Der Vater ihn zum Nachfolger und Stammhalter nach seinem Vorbild zu formen und ihm die Führungsrolle des Mannes in der Gesellschaft vorzuexerzieren. Antony ist verloren. Seine Individuation bleibt hierbei mehr und mehr auf der Strecke. Spielball in dem Wollen, den Wünschen und Erwartungen der Eltern, wendet er sich immer stärker der Mutter zu, sucht sich aber auch zusehends gleichgeschlechtliche Identifikationsfiguren. Personen von denen er die "männliche Zuneigung" erfährt, die er an anderer Stelle vermisst.
Vorlage für Wilde Unschuld ist das Tatsachenbuch "Savage Grace", das in den USA für Furore sorgte. Erzählt wird die beinahe unglaubliche Geschichte einer Upper-Class Familie, deren Schicksal viel von einer antiken griechischen Tragödie hat. Regisseur Tom Kalin inszeniert ein tragisches Familienepos, dessen zeitlicher Bogen sich über beinahe vier Jahrzehnte erstreckt. Schonungslos und entlarvend zersplittert die mondäne Welt des Geldadels. Die Akteure dieses Dramas sind gefangen in ihrem Selbst, dem Streben nach Individualität und Selbstdefinition oder dem Mangel daran. Bedürfnisstrukturen, die ihre Leben niemals befriedigen können.
Ventilgleich für diese Sinnsuche, insbesondere Barbaras, entwickelt sich eine ödipal-inzestuöse und sexuell multipolare Spannung von der die Charaktere mitgerissen werden. Diese Dimension der eigentlichen Handlung projiziert die Defizite der Figuren auf eine Ebene, die der biederen fast langweiligen Erzählstruktur diametral entgegensteht. Das erhöht den Erwartungshorizont enorm und sorgt leider dafür, dass die Spannungsauflösung zwischenzeitlich etwas fahrig und lasch wirkt. Glücklicherweise wird dieser Tempoverlust schnell durch die Unvorhersehbarkeit der Verstrickungen aufgefangen. Skurril erscheint dabei, dass die triebhaften Untiefen, die hier offenbart werden, eigentlich nicht zum Lachen einladen und dennoch, vielleicht unfreiwillig, eine lakonisch Perspektive hinein bringen. Diese verleiht dem Reigen eine satirisch-pointierte Seite. Schön ist ebenfalls wie die wechselnden Phasen der Innenschau der Charaktere mit dem Wechsel der äußeren Lebewelt einhergehen. Dieses ordnende Element befördert die Handlung, Schritt für Schritt, auf die nächst höhere Ebene, bis hin zu einem extrem verstörenden Finale. Wilde Unschuld ist keine mundgerechte Jedermannskost. Wer sich dieser Story stellt, erlebt ein psychologisch ebenso vielschichtiges wie tiefgründiges Seelendrama, das es in sich hat.  Weitere interessante Filme
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