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Der Weiße mit dem Schwarzbrot

(Der Weiße mit dem Schwarzbrot, 2007)

Dt.Start: 12. Juni 2008 Premiere: 13. Januar 2007 (Festival, Deutschland)
FSK: ab 12 Genre: Dokumentation
Länge: 73 min Land: Deutschland
Darsteller: Christof Wackernagel
Regie: Jonas Grosch
Drehbuch: Jonas Grosch


Inhalt

Christof Wackernagel hat in seinem Leben schon vieles erlebt. Als Schauspieler, als Schriftsteller und als Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF). Letzteres brachte ihn wegen Mordversuchs für mehrere Jahre in den Knast. Heute lebt Wackernagel im westafrikanischen Mali, schreibt Bücher, verfolgt seine Projekte und gibt Straßenkonzerte mit seinem Mitbewohner, dem Musiker Madou Coulibaly.
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Kritik

Der Weiße mit dem Schwarzbrot hat eine Wertung von 95%
Deutsches Schwarzbrot ist es, was Christof Wackernagel im afrikanischen Mali am meisten fehlt. Kurzerhand gründet das ehemalige RAF-Mitglied eine Vollkornbäckerei, die jedoch grandios scheitert. Von diesem Projekt, Wackernagels bewegter Vergangenheit und dessen Alltag in Bamako erzählt der Regisseur Jonas Grosch in seinem Dokumentarfilm Der Weiße mit dem Schwarzbrot. Entstanden ist ein gelungenes und leichtlebiges Portrait über einen temperamentvollen Menschen, der mit seiner überbordenden Energie oftmals über das Ziel hinaus schießt.

Bild aus Der Weiße mit dem Schwarzbrot Christof Wackernagel prustet in die Kamera: "Ich kann nicht, nehmt ihr etwa schon auf?" Immer wieder versucht er Ernst zu bleiben und von seiner kürzlich gescheiterten Friedenskarawane durch Afrika zu berichten. Immer wieder explodiert er vor Lachen. Seine Energie und seine Lebensfreude sind förmlich greifbar. Dann: Klappe. Auf einmal ist Wackernagel ernst. Er erzählt engagiert von seinem Projekt. Der Schauspieler hat umgeschaltet und beherrscht auch die Rolle eines Friedensbotschafters ausgezeichnet. Christof Wackernagl ist Der Weiße mit dem Schwarzbrot. Genervt und überfordert von seiner RAF-Vergangenheit, die ihm in Deutschland stets anhaftet, lebt er als Musiker, Schriftsteller und Schauspieler in Bamako, Mali. Wackernagel ist Tatmensch durch und durch: als ihm das heimische Schwarzbrot auf dem schwarzen Kontinent fehlt, gründet er kurzerhand eine Bäckerei. Dass das Projekt nach kurzer Zeit an einem explodierten Ofen scheitert, passt in seine Biografie. Auf großes, vielleicht zu großes Engagement folgt der Absturz. Seiner Mitgliedschaft in der RAF folgt 1977 wenige Monate nach seinem Eintritt die Verhaftung und eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Mit seinem Film wirft der Regisseur Jonas Grosch, dessen Onkel Wackernagel ist, einen bisher unbekannten Blick auf die RAF- Geschichte jenseits von grauen Gefängnismauern. Indem er den Menschen Christof Wackernagel porträtiert, beginnt man etwas von der Motivation eines RAF-Mitgliedes zu erahnen. Grosch zeigt einen Mann, der auch heute noch vor Wut über soziale Ungerechtigkeit schier zu explodieren vermag, der sich engagiert und dabei zuweilen weit über das Ziel hinaus schießt und das erst sehr viel später erkennt.

Die engagierte, übersprudelnde Persönlichkeit und die Art, wie Wackernagel erzählt, reizen zum Lachen - mit ihm und über ihn. Und dabei kommt keinesfalls nur die sonnendurchflutete Gegenwart in Mali zur Sprache. Er berichtet auch von seiner Festnahme und wie das RAF-Mitglied Gert Schneider neben ihm eine Handgranate entschärfte und gegen die Polizisten schleuderte. "Na, und da sind die richtig sauer geworden." sagt Wackernagel und muss selbst da lachen, wo es doch eigentlich nichts zu lachen gibt. Er erzählt auch, wie sein Weltbild, das er sich um die RAF herum aufgebaut hatte, einstürzte wie ein Kartenhaus, als Herman van Hoogen, der Polizist der ihn in Holland festgenommen hatte, für seine Entlassung plädierte. Der Einsturz des Weltbildes war die "schlimmste Strafe" in seinem Leben, die ihn in schwerste Depressionen stürzte.

Der Weiße mit dem Schwarzbrot ist trotz des ernsten Hintergrundes ein leichtlebiger Film. Jonas Grosch begleitet Wackernagel in seinem Alltag in Bamako, in dem sich dieser in allerlei Projekten engagiert. Durch Interviews mit Wackernagel und mehreren Freunden und Geschäftspartnern rückt Grosch so nah wie möglich an die Persönlichkeit des Protagonisten heran ohne dabei zu eindringlich zu werden. Der Film schlägt eine Brücke zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit, wobei es dem Regisseur gelingt, durch die Berichte seiner Interviewpartner die siebziger Jahre in Deutschland wieder aufleben zu lassen ohne dabei Afrika zu verlassen. Entstanden ist ein unterhaltsamer und dennoch nachdenklich machender Film über einen Menschen mit einer bewegten Vergangenheit.

von Corinna Mehlert


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