Das dritte filmische Aufeinandertreffen von Al Pacino und Robert De Niro kann sich leider nicht mit den ersten beiden messen. Kurzer Prozess - Righteous Kill kommt nie über einen allzu beliebigen Mix aus Drama, Thriller und Buddy Movie hinaus, auch wenn die beiden Hauptdarsteller in ihren Rollen als zwei undurchsichtige Cops sichtlich Spaß hatten.
Ein Hauch von Filmgeschichte umweht Kurzer Prozess - Righteous Kill. Nach Der Pate 2 aus dem Jahre 1974, in dem Al Pacino und Robert De Niro zwar beide mitspielten, aber keine einzige gemeinsame Szene hatten und Heat aus dem Jahre 1995, in dem sich beide auf verschiedenen Seiten des Gesetzes in zwei Szenen gegenüber standen, folgt nun ihre dritte Zusammenarbeit, in der sie als zwielichtige Polizisten und Partner etliche Szenen Seite an Seite bestreiten. Doch garantiert eine hochkarätige Besetzungsliste, in der neben De Niro und Pacino noch John Leguizamo (Land of the Dead) und Schauspiel-Urgestein Brian Dennehy (Rambo) auftauchen, einen guten Film? Nein!
Regisseur Jon Avnet, der mit Pacino schon bei 88 Minutes zusammenarbeitete, vermochte es nicht, mit seiner eher behäbigen Inszenierung, die gekennzeichnet ist durch viele Dialogen und - trotz eines stattlichen Budgets von 60 Mio. Dollar - sehr wenige Actionszenen, so etwas wie Tempo aufzubauen. Nach der wirklich dynamisch vorgetragenen Vorspann-Sequenz flacht der Film enorm ab. Hier und da ein Mord, meist mit subjektiver Kamera gefilmt, und ein paar zynische Sprüche, wenn sich beispielsweise zwei Detectives im Angesicht einer Leiche in dessen Wohnung über den Plasmafernseher des Opfers unterhalten, sind die Hauptbestandteile dieses launigen, aber wenig spannenden Thrillers. Die Story um einen unbekannten Killer, der an freigesprochenen Verbrechern oder sonstigen Übeltätern Selbstjustiz übt, ist auch nicht neu oder originell. Nur dass er eben hier neben den Leichen immer kleine Gedichte hinterlässt.
Das Drehbuch von Russell Gewirtz, der schon das Skript zu Inside Man verfasste, schlägt zudem äußerst vorhersehbare Haken. So verwundert es schließlich nicht, dass die Spur des Serienkillers letztlich in die eigenen Reihen der Polizei führt. Wenn dann sowohl Al Pacino als auch der aufbrausende Robert De Niro, dessen Promiskuität aufgrund des Alters seiner Figur bisweilen unglaubwürdig wirkt, als zwei zwielichtige Gestalten gezeichnet werden, schränkt sich auch der potenzielle Kreis der Täter stark ein. Doch das wäre nicht das Problem, wenn Kurzer Prozess - Righteous Kill noch von etwas Anderem als der guten Chemie zwischen De Niro und Pacino, einiger blutiger Morde sowie seiner dahinplätschernden Story leben würde, was aber nicht der Fall ist.
Während der düstere Look des Films durchaus noch gefällig und dem grimmigen Grundton durchaus zuträglich ist, irritiert dann der zwischen Mystery, Thriller und Horrorfilm schwankende Score von Edward Shearmur endgültig. Seine Filmmusik wirkt, als hätte man die am meisten Spannung suggerierenden und beklemmendsten Themen der letzten 30 Jahre in einen Topf geworfen und dann willkürlich daraus immer wieder eins gezogen. Aber abwechslungsreich bedeutet nicht gleich gut.
Klasse bekommt der Film jedoch im Finale, welches für die zahlreichen Unzulänglichkeiten zuvor etwas entschädigt, indem es mit einer unerwarteten Auflösung aufwartet, welche die bis dahin gelegten Fährten um die Identität und das Motiv des Killers im Film sinnvoll zusammenführt. Dann nimmt dieser unentschlossene Mix aus Buddy Movie, Charakterdrama und Killer-Thriller endlich etwas Fahrt auf und referiert gar in seinem Klimax auf Heat, wobei man genau diese Szene aufgrund ihrer filmgeschichtlichen Bedeutung, die Kurzer Prozess - Righteous Kill leider überhaupt nicht zukommt, hätte etwas pathetischer inszenieren können. Am Ende bleibt ein gediegenes, nur teilweise unterhaltsames Alterswerk De Niros und Pacinos, in welchem beide noch einmal zeigen, was sie schauspielerisch drauf haben. Mehr jedoch nicht.