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Stiefbrüder

(Step Brothers, 2008)

Durchschnittliche Redaktionswertung

70%



Inhalt

Wenn zwei erwachsene Menschen, die jeweils bereits Kinder haben, heiraten, entsteht die typische Patchwork-Familie. Fortan müssen die Kinder miteinander auskommen und im schlimmsten Fall sogar ein Zimmer teilen. Dass das auch zu Problemen führen kann, wenn diese "Kinder" bereits erwachsen sind, demonstrieren Brennan und Dale ausführlich, nachdem ihre Eltern Nancy und Robert geheiratet haben. Doch das ist nicht ihr einziges Problem. Die Eltern haben es satt, für sie bezahlen zu müssen und stellen ihnen deshalb ein Ultimatum. Sie müssen so lange ein Zimmer teilen, bis sie endlich einen Job finden und ausziehen.

Kritik

von Harald Witz

Wertung Kritik

70%

Als Nancy Huff und Robert Doback im fortgeschrittenen Alter noch einmal heiraten, ahnen sie nichts von der Katastrophe, in die sie damit zielsicher hineinrutschen: Beide bringen nämlich je einen 40-jährigen Sohn, der partout nicht erwachsen werden will, mit in die Ehe. Nancys Brennan (Will Ferrell) und Bobs Dale (John C. Reilly) sind sich erst spinnefeind, doch nach einem Vorfall die besten "Stiefbrüder", die man sich in seinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen mag! Regisseur Adam McKay und Produzent Judd Apatow überwachen die zweite Zusammenarbeit von Will Ferrell und John C. Reilly (Ricky Bobby - König der Rennfahrer), die sich vornehmlich aus absurden Improvisationen zweier 13-jähriger in den Körpern von gestandenen Erwachsenen nährt.

Bild aus Stiefbrüder Während Adam Sandler (Leg dich nicht mit Zohan an) und Ben Stiller (Tropic Thunder) ihre satirischen Komödienambitionen auf eine herbere und nicht-kindertaugliche Ebene gehoben haben, entscheidet sich das dritte Komödien-Schwergewicht Will Ferrell nach der schrägen Slapstick-Satire Die Eisprinzen lieber für eine noch absurdere Schräglage als je zuvor innerhalb der Grenzen einer Unterhaltung ab 12 Jahren. Seit der Zusammenarbeit mit Charakter-Darsteller John C. Reilly in Ricky Bobby - König der Rennfahrer setzte Ferrell alle Hebel in Bewegung, um ein weiteres gemeinsames Projekt aus dem Boden zu stampfen. Wer die Dinner-Sequenz mit dem improvisierten "Baby Jesus"-Dialog noch im Gedächtnis hat, weiß um die erstklassige Chemie zwischen den beiden und hat eine entfernte Ahnung davon, was ihn in Stiefbrüder erwarten könnte. Reilly selbst bestätigte in dem absurden Fake-Biopic Walk Hard: Die Dewey Cox Story sein außerordentliches komödiantisches Talent, weshalb man gespannt sein durfte, was die beiden aus der Coming of Age-Geschichte der etwas anderen Art machen würden.

Als sich Nancy Huff (Mary Steenburgen) und Robert Doback (Richard Jenkins) im fortgeschrittenen Alter das Ja-Wort geben, bringen beide eigene Kinder mit in die Ehe. Nancys erster Sohn Derek (Adam Scott) ist ein erfolgreicher und aalglatter Manager. Sein Bruder hingegen ist der 40-jährige Brennan (Ferrell), der mit dem Gemüt eines pubertierenden Teenagers zuhause bei Mama wohnt, noch nie gearbeitet hat und von einer Karriere als Sänger träumt, obwohl er sich nicht traut, vor anderen zu singen. Brennan leidet unter den Hänseleien seines Bruders, sobald dieser mit Ehefrau Alice (Kathryn Hahn) auf Besuch kommt. Bob steuert ebenfalls einen schwierigen Sohn zur Ehe bei. Sein Dale (John C. Reilly) macht mit 40 ebenfalls noch keine Anstalten, Hotel Papa zu verlassen. Dabei hat er sehr genaue Vorstellungen von dem, was er will: Schlagzeug, Karate, Feuerwerk, Steinschleudern und im Hustler blättern. Und weil sich Dale und Brennan so ähnlich sind, sind sie sich zunächst auch spinnefeind, zumal sie fortan ein Zimmer teilen müssen. Ihr alberner Kleinkrieg, der an den Nerven der frisch Verheirateten zerrt, endet erst eines Abends, als Derek beim Dinner-Besuch mal wieder über Brennan herzieht. Dales Gerechtigkeitssinn streckt Derek die Faust ins Gesicht. Brennan ist von der Hilfe seines Stiefbruders tief gerührt und schließt ewige Freundschaft mit ihm. Auch die unterdrückte und frustrierte Alice ist beeindruckt. So sehr, dass sie am liebsten sofort Sex mit Dale haben möchte! Doch das muss warten, denn Brennan und Dale sind voll mit dem Ausleben ihrer Freundschaft beschäftigt - bis den Eltern der Kragen platzt. Sie stellen ihnen ein Ultimatum, ihr Leben in den Griff zu kriegen, erwachsen zu werden, einen Job zu finden und vor allem auszuziehen! Das finden die beiden natürlich todlangweilig und hoffen lieber auf die Erlaubnis, die beiden Einzelbetten zu einem Etagenbett zusammenbauen zu dürfen...

Will Ferrell und Adam McKay entwickelten in Improvisationen den Stoff einer Nesthocker-Komödie und überließen den Feinschliff von Figuren und Szenen einer gemeinsamen Erarbeitung mit den Schauspielern. Herausgekommen ist die groteske Version einer Coming of Age-Geschichte, die sich in punkto Absurdität zu ähnlichen Stoffen wie dem französischen Tanguy oder Tom Deys Romantikkomödie Zum Ausziehen Verführt verhält wie Godzilla zu einer Tierdoku über Eidechsen. Angereichert durch manch einfältigen Ekelhumor wie Hundekot-Lecken reihen die Macher Gag an Gag rund um die groteske Vorstellung, dass sich zwei leiblich gut situierte Komödianten mittleren Alters wie Kinder aufführen. So rammeln sie abends zum Kuscheln in kunterbunten Schlafanzügen durchs elterliche Bett, sind stur beleidigt, wenn ihre irren Ideen abgelehnt werden, und sind ebenso schnell wieder gutmütig, wenn sie wie Babys getröstet werden. Die Einfälle sind stellenweise großartig, aber auf Dauer zünden nicht alle Gags dieser extrem skurrilen Parade. Das liegt am Abnutzungseffekt der Konstellation an sich, auch wenn vieles durch kolossale Wendungen aufgefangen werden kann. So gibt es typische Kiddie-Episoden wie Dales Erniedrigungen am Spielplatz durch echte Kids, aber auch Verballhornungen wie die Reihe verschiedener Vorstellungsgespräche, zu denen Brennan und Dale in Tuxedos auftauchen.

Aus der Sicht eines Schauspiel-Theoretikers ist Stiefbrüder eine Augenweide. Selten sieht man so viele gewachsene und fein abgestimmte Improvisationen. Noch seltener kann man der erstklassigen Arbeit von Schauspielern an ihren Figuren beiwohnen. Die Chemie zwischen Ferrell und Reilly ist grandios und funktioniert, als ob die beiden bereits seit vielen Jahren zusammenarbeiten würden. Natürlich ist ihre Wirkung auch deshalb so groß, weil sie in den stoisch ernsthaften Charakterdarstellern Mary Steenburgen und Richard Jenkins wunderbare Gegenparts besitzen. Deren seriöser Vortrag der geduldigen elterlichen Vernunft und Verzweiflung bildet die perfekte Folie für die grotesken Einfälle der Komiker. Doch für andere wird es schwierig, angesichts dieses engen Feldes aus intensiven Spielabhängigkeiten ebenfalls zu glänzen. Adam Scott muss sich als Derek mit der Rolle des Spielverderbers zufrieden geben. Kathryn Hahn darf zumindest hysterisch und scharf sein (ihr Toilettengang nach dem Sex deutet einiges Potenzial an). Aber schon Andrea Savage als Brennans angebetete Therapeutin kann nur mit der gebetsmühlenartigen Wiederholung ihres absoluten Distanz-Credos punkten. Die kleinen Auftritte von Nebendarstellern wie der von Adam Herschman finden kaum Anschluss an die Kernaktivitäten und bleiben kaum mehr als Cameos. Trotzdem sind gerade diese Nebenfiguren alle wichtig. Sie bilden die Widerhaken, an denen sich das absurde Konstrukt an einer amerikanischen Mittelklasse-Realität festhält. Die Groteske funktioniert immer dann besonders gut, wenn die Diskrepanz zwischen "Normalität" und dem Ferrell/Reilly-Universum besonders groß ist. Je länger aber diese Diskrepanz in einer Sequenz andauert, desto stärker nutzt sich der belustigende Effekt ab (siehe die Szene mit dem Furz beim Vorstellungsgespräch). Diesmal haben die Macher nicht immer die richtige Balance gefunden und es verlangt einigen Großmut vom unbedarften Publikum, die absolut skurrile Absurdität der Stiefbrüder zu akzeptieren. Den zahlreichen Fans des lockigen Entertainers kann dies egal sein. Ihnen kann Ferrell sowieso nie schräg genug sein. Schade ist nur, dass Stiefbrüder direkt zwischen den beiden unglaublich dominanten Komödien von Stiller und Sandler anläuft. Deren aufwändige Attraktivität und satirische Innovation wirkt augenscheinlicher. Als Coming of Age-Satire, die für ihre Wirkung die langweilige Normalität als Gegenpol benötigt, kann Die Stiefbrüder nicht mit exorbitanten Schauwerten klotzen. Andererseits sollte man die "Tiefenwirkung" einer Ferrell-Komödie an der Kinokasse nicht unterschätzen. Über Die Eisprinzen wurde auch zunächst gelächelt.

Keine weitere Wertung


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