Wie bekommt man ein Interview mit dem Dalai Lama? Und was fragt man einen der weisesten Menschen auf diesem Planeten? Auf dem Weg ins nordindische Darressalam, wo das Oberhaupt der Tibeter residiert, macht sich ein Filmemacher Gedanken über die Welt, das Leben und alles andere. Dokumentarfilmer Rick Ray erzählt in seiner brandaktuellen Doku 10 Fragen an den Dalai Lama von einem einfachen Interview, das auch eine Hommage an einen der beeindruckendsten Menschen der Welt ist.
Die Geschichte von Rick Rays Dokumentation 10 Fragen an den Dalai Lama ist deckungsgleich mit der Entstehung des Films selbst. Der Filmemacher, der zuvor im Nahen, Mittleren und Fernen Osten gedreht hat, nimmt den wenig lukrativen Auftrag eines Porträts über Indien an, weil der Deal die seltene Gelegenheit eines Interviews mit dem höchsten geistlichen Führer des Buddhismus und der Tibeter beinhaltet. Als Rick Ray endlich vor Ort in Nordindien eintrifft, ist allerdings überhaupt kein Termin vereinbart. Dass es schließlich doch klappt, ist eine der vielen kleinen Geschichten, die Ray seinen Zuschauern erzählt, bevor er nervös und glücklich seine Fragen an den 70 -jährigen Mönch und Weltpolitiker richtet.
Während der Dalai Lama gutgelaunt die schwergewichtigen Fragen mit einfachen Weisheiten beantwortet, verschmelzen die persönliche und die Filmgeschichte endgültig zu einem Porträt der Sehnsucht der Menschen nach Antworten. Brandaktuell sind die 10 Fragen an den Dalai Lama, weil die Chinesen selbst das Thema Tibet durch ihre massive Einschüchterungspolitik ausgerechnet im Jahr "ihrer" Olympischen Spiele auf die Tagesordnung der Weltpolitik gesetzt haben. Dass das Auftreten des Dalai Lama und seine Aussagen dabei in keiner Weise deckungsgleich sind mit dem Zerrbild chinesischer Propaganda, ist ebenso selbstverständlich wie die Überraschungen, die seine Antworten mitunter auslösen.
Weil Ray sein erfolgreiches Interview auch mit einer Lama-Biographie abrundet, empfiehlt sich das Werk sowohl für Fortgeschrittene wie für neue Fans des tibetischen Oberhauptes. Manch Betrachter kann nicht umhin, als sich zu wünschen, dass auch Regierungschefs sich dieses kleine Werk ansehen, um vielleicht auf neue Gedanken zu kommen. Auch wenn Ray hier einen überaus humorvollen, älteren Herrn und echten Menschen(-freund) porträtiert, ist Erleuchtung nahezu garantiert.