Ende der 1930er Jahre erreichen Japans expansive Tendenzen, im Zuge ihrer imperialistischen Politik, ihren Höhepunkt. Seit dem Krieg in der Mandschurei (1931 - 1933) versucht Japan immer mehr chinesisches Territorium zu okkupieren. 1937 ist das Kaiserreich weit ins Landesinnere vorgestoßen und belagert die damalige Hauptstadt Nanking. Einige wenige westliche Berichterstatter sind noch im Lande und riskieren ihr Leben. Einer davon der Brite George Hogg, für den das Schicksal noch eine Überraschung bereithält. Interessante Grundgeschichte, aber lustlos und dramaturgisch kraftlos umgesetzt.
Der junge britische Reporter George Hogg (Jonathan Rhys Meyers) wird in Nanking Zeuge einer Massenhinrichtung chinesischer Zivilisten durch die japanischen Besatzer. Er hält die Gräueltat mit seinem Fotoapparat fest, wird aber kurz darauf verhaftet. Als die Japaner den Film in seiner Kamera entwickeln, ist sein Schicksal besiegelt: Inmitten der brennenden Ruinen soll er traditionell enthauptet werden. Dieser besonderen Ehre entgeht er nur knapp: Ein Trupp Widerstandskämpfer, der durch die Reste der Stadt streift und mit Guerillataktiken gegen die japanischen Truppen vorgeht, rettet ihn im allerletzten Augenblick. Chef des Trupps ist Jack Chen (Chow Yun Fat), der mit einem unverwüstlichen Sinn für Humor ausgestattet scheint. Chen möchte Hogg aus dem Land schaffen, damit dieser der Welt über die Verbrechen der japanischen Invasoren berichtet, doch der Weg aus dem Land ist verbaut: Beim Versuch Hogg zum britischen Konsulat zu schaffen, müssen sie mit ansehen, wie Briten auf offener Straße erschossen werden. Und auch Hogg und Chen werden beinahe Opfer japanischer Kugeln. Verletzt landen sie im Yangtse, und diesmal rettet Hogg, Chen das Leben.
Dieser muss einsehen, dass er Hogg nicht mehr aus China rausbekommt, bei den Partisanen bleiben kann er aber nicht. Nachdem ihn die amerikanische Krankenschwester Lee Pearson (Radha Mitchell) soweit gesund gepflegt hat, dass er Reisen kann, schickt ihn Chen nach Huang Shi, einem entlegenen Ort, an dem er sich auskurieren soll. Womit Hogg aber nicht rechnet, ist, dass er dort ein rattenverseuchtes heruntergekommenes Schulgebäude mit 60 verlausten Waisenkindern vorfindet, um das sich nur eine alte Frau kümmert. Trotz eines Empfehlungsschreibens von Chen, stößt er dort auf wenig Gegenliebe und fast hätten ihn die Waisenkinder in der ersten Nacht zu Tode geprügelt, wenn ihn nicht eine alte Bekannte, Krankenschwester Pearson, gerettet hätte. Obwohl Hogg lieber als Berichterstatter an die Front will, beschließt er aus seiner Situation das Beste zu machen und beginnt den maroden Bau wieder auf Vordermann zu bringen. Allmählich verwandelt sich das Waisenhaus in einen lebenswerten Ort, aber schon nahen japanische Truppen, und die Nationalisten im Lande zwangsrekrutieren überallher Kinder für den Kampf gegen die Japaner. Hogg beschließt die Kinder nach Westen über die Seidenstraße in Sicherheit zu schaffen. Eine 1.000 Kilometer lange und äußerst gefährliche Reise.
Die größeren Geschichten um die Wohltäter in den Zeiten der Kriegswirren scheinen erzählt. Vor über zehn Jahren inszenierte Steven Spielberg Schindlers Liste und erst vor Kurzem wurde mit John Rabe die Geschichte des gleichnamigen deutschen Ingenieurs erzählt, der während des Japanisch-Chinesischen Krieges von 1937, 250.000 Menschen das Leben rettete. Genau zur selben Zeit spielt auch Die Kinder der Seidenstraße und ebenso wie die beiden erstgenannten, handelt es sich auch hier um die Verfilmung einer wahren Begebenheit. Und selbstverständlich können auch kleine Geschichten durchaus fesseln und bezaubern - Hauptsache sie sind gut erzählt.
Damit befindet man sich auch gleich an der Quelle des Dilemmas: Trotz einer herausragenden Besetzung in der zweiten Reihe - mit Chow Yun Fat und Michelle Yeoh treten nicht nur zwei der Protagonisten aus Ang Lee's Tiger & Dragon auf, sondern auch zwei der Top-Stars des asiatischen Kinos - gelingt es dem Film nicht wirklich zu packen. Dabei ist die erste Viertelstunde noch verheißungsvoll. Besonders das Chaos des Krieges und der japanische Terror ringsum erzeugen durchaus Atmosphäre - und Chow Yun Fat ist auch ohne "Arschtritteinlagen" einfach großartig; und muss sich leidlich zusammenreißen, seinen jungen Kollegen nicht an die Wand zu spielen.
Der markante Einstieg in die Zeit des militärischen und politische Ringens in China, vor Ausbruch des II. Weltkrieges, die hierzulande wahrscheinlich nur Geschichtsexperten geläufig ist, verliert sich aber schnell. Und die Story des Reporters, der plötzlich zum Fürsorger der 60 Waisen wird, wirkt leider längst nicht so interessant. Zu eintönig plätschert die Handlung dahin und zu ungeschickt wurden Bilder und Motive aneinandergereiht: Es wirkt wie eine Geschichte, die Interesse verdiente, aber lieblos erzählt wird. Die irritierenden Auf- und Abgänge der Hauptfiguren und der dünne substanzielle Unterbau verstärken noch dieses Gefühl. Wenig erfährt man über den Journalisten, der in Oxford graduierte und dessen Vater den Kriegsdienst im I. Weltkrieg versagte (sicherlich zu der Zeit eine mehr als außergewöhnliche Handlung). Vielleicht findet sich hier der Ansatz einer Erklärung für sein bereitwilliges Aufopfern für die Waisen, doch es ist zu fahrlässig eingestreut. Noch schlimmer ist es bei der amerikanischen Krankenschwester Pearson, von der man nur erfährt, dass sie als Offiziersgattin nach China kam und dann blieb. Schlussendlich Chow Yun Fat und Michelle Yeoh, bei denen man einfach das Gefühl nicht loswird, dass sie ausschließlich eingebaut wurden, um diese "chinesische Geschichte" auch mit zwei prominenten Gesichtern des Landes zu besetzen. Insbesondere bei Yeoh scheint das überdeutlich der Fall, da ihre Figur jederzeit austauschbar wirkt.
Jeder Held verdient Respekt und dass seine Geschichte erzählt wird. Wie viele Leben er dabei rettete, ist völlig nebensächlich. Nicht umsonst heißt es bei Schindlers Liste: Wer ein Leben rettet, der rettet die ganze Welt. Und es muss nicht immer Hollywood-like sein und in unrealistischem Pathos ersäuft werden, doch etwas mehr Liebe bei der Skizzierung der Figuren und bei der Ausarbeitung des Plots schaden auch nicht. Die Kinder der Seidenstraße schafft es stark einzusteigen und dann über weite Strecken inhaltsarm und dramaturgisch phlegmatisch voranzuschreiten, erst auf den letzen Metern wieder Fahrt aufzunehmend. Das erschwert das Durchhalten sehr und sorgt fast dafür, dass sich der Film für die große Leinwand disqualifiziert. Wirklich schade, da es um eine aufopfernde Tat geht, die in diesen Zeiten nicht selbstverständlich war. Davon legen im Abspann auch die Kinder, inzwischen alles alte Männer, Zeugnis ab. Doch kaum aus dem Kino, wird man das schon wieder vergessen haben - dank einer lieblosen Inszenierung.