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Im kriegsentscheidenden 1944 haben die Nazis insgeheim den heiligen Gral entdeckt, der unbesiegbar macht. Nun muss das gute Stück per U-Boot von Südfrankreich über die schwierigste Route durch die Meerenge von Gibraltar nach Berlin. Dummerweise kreuzen die Geheimpläne die Reisepläne von Schmalspur-Casanova Atze Schröder. Gemeinsam mit seinem jüdischen Kumpel und der kessen Schauspielerin Maria entführt Atze die U-900 samt Gral, um in Richtung Amerika in See zu stechen. Sven Unterwaldt jr. verschafft Comedy-Ikone Schröder (Alles Atze) mit der satirischen Persiflage U-900 den ersten großen Solo-Auftritt im Kino. Allen Befürchtungen zum Trotz ist der Klamauk sogar unterhaltsam.
Für Kult-Comedian Atze Schröder teilt sich die Welt ganz simpel in zwei Hälften ein: in Atze Schröder-Fans und solche, die noch nicht wissen, dass sie Atze Schröder-Fans sind. Das Urgestein der SAT.1-Unterhaltung verlegt in diesem Herbst seinen ständigen Spaßplatz temporär von der "Freitag 22 Uhr"-Schiene direkt auf die Kino-Leinwände dieser Republik. Spätestens seit seinem Kurzauftritt in Sven Unterwaldts 7 Zwerge-Persiflage war über einen eigenen Kinofilm spekuliert worden. Und tatsächlich zeichnet Unterwaldt jr. auch für U-900 verantwortlich, obwohl es zuletzt mit der Unterstützung von Comedy-Kollege Tom Gerhardt bei Siegfried nicht ganz so gut geklappt hat. So mancher zog in Anbetracht des drohenden urdeutschen Klamauk-Gewitters schon mal vorsorglich den Kopf ein und einige suchten kurz darauf verzweifelt die Luftschutzkeller auf, als die Handlung der großen Leinwand-Show bekannt wurde. Nur wahre Atze-Fans grinsten gelassen erst breit, dann immer breiter. Jetzt endlich können sie sich die Socke in der engen Hose zur Seite schieben, um ans Eintrittsgeld in der Tasche zu kommen:
Essen, 1944: Während die Alliierten ungeniert das Reich bombardieren und diesen Weltkrieg bereits für sich entschieden haben, geht Lieferant Atze Schröder nur noch vordergründig seinen Geschäften nach. Auf dem Schwarzmarkt kauft er billig ein, verkauft es teuer an die Nazi-Bonzen und beglückt auch noch die Frau von General Strasser (Jürgen Schornagel) mit seinen selbstlosen Liebesdiensten. Gemeinsam mit seinem jüdischen Kumpel Samuel (Oliver K. Wnuk), dem er in seinem Keller Unterschlupf gewährt, bastelt er an einer Erfindung für die anstehenden Friedenszeiten, wenn endlich die Amerikaner da sind: eine automatische Kartoffel-Frittiermaschine.
Derweil geht es hektisch bis euphorisch in der Villa des Generals zu, denn der Heilige Gral, der seinem Besitzer den Endsieg verspricht, wurde geborgen und soll nun zum Führer nach Berlin gebracht werden. Strasser und sein Adjutant Block (Christian Kahrmann) haben dafür einen wahnwitzig verwegenen Plan ausgeheckt. Statt über die direktere Landroute soll das Gefäß über den Seeweg ins Reich gebracht werden. Für dieses Unterfangen hat Strasser den legendären U-Boot-Kommandanten Rönberg angeheuert, denn er kennt als einziger den Trick, um in Gibraltar durch die Sperre der alliierten Schiffe zu kommen. Atze, unfreiwilliger und darüber hinaus ertappter Zeuge der Planungen beschließt ebenfalls die sofortige Abreise. Mit einer Skizze des gefährlichen Manövers im Gepäck und Kumpel Samuel im Schlepptau, kapert er das Gefährt von Schauspielerin Maria (Yvonne Catterfeld) und fährt zum Militärhafen nach Toulon. Als Rönberg verkleidet übernimmt er das Kommando von Oberleutnant von Stetten (Götz Otto) auf der U-900 und sticht in See. Allerdings hat er weder eine Ahnung von Seefahrt noch davon, dass man für die Gibraltar-Durchfahrt nicht nur das Wissen um eine unterseeische Spalte haben sollte (siehe Skizze), sondern vor allem die exakten Koordinaten. Die ermöglichen nämlich eine heile Fahrt durch den Fels in den Atlantik. Zunächst ist aber Atze erst mal in seinem Element. Mit Witz und Scharfsinn aber ohne Peilung improvisiert er sich durch den Alltag. So gewinnt er zwar die Herzen der Besatzung, nährt aber auch den Argwohn von Oberleutnant von Stetten.
Nach einem gewöhnungsbedürftigen Beginn - die Humorsensoren müssen erst auf die spezielle Atze-Frequenz für Großmäulige und Großherzige eingestellt werden - gewöhnt sich das Auge des Betrachters an das schräge Kulissen-Nazideutschland, das aus verwursteten Uniformen diverser Militärklamotten besteht. Zunächst fahren Unterwaldts Autoren Michael Gantenberg und Oliver Ziegenbalg die schweren Geschütze des deutschen Klamauks auf. Gehörnte Ehemänner, planlose Selbstüberschätzer, Grimassen, Doofheit, Doofheit, Doofheit und Doofheit. Doch irgendwo auf der Fahrt zwischen Essen und dem Fluchtpunkt Toulon nach der Einführung sämtlicher Figuren macht es Klick und das zusammengeklaute Szenario greift ineinander (selbst Indiana Jones lässt grüssen) und die Handlung nimmt Fahrt auf.
Der Hauptteil des Films, als die Geschehnisse auf dem U-Boot, inszeniert Unterwaldt dann als leichte Burleske mit Slapstickgeschmack. Und das nicht nur, weil auf engstem Raum Atze zur Hochform auffährt, sondern weil er sich ins Ensemblespiel einpasst und das Gesamtkonzept eben auf den speziellen schief grinsenden "Hab' ich et nich' gesacht?"-Humor eingestellt ist. Hier ist alles "fit im Schritt" und selbst Schneckerl-Löckchen-Perückenhasser kommen nicht umhin, die Abwesenheit von Langeweile und Unmut festzustellen. Man muss ja nicht gleich zum Jünger des "Hl. Atze" werden, um sich bei dieser harmlosen Gagparade zu amüsieren.
Freilich kann sich U-900 niemals mit der Mutter aller Kriegskomödien messen: Im Vergleich zu Blake Edwards Unternehmen Petticoat (1959 mit Cary Grant, Tony Curtis) wird hier eher mit dem Breitschwert des Witzes hantiert, während beim US-Klassiker das edle Florett geschwungen wird. Aber das stand ja beim Spin-Off einer Comedy-Unterhaltung, die üblicherweise zwischen Hausmeister Krause, Die Camper und Mensch Markus thront, auch nicht anders zu erwarten. Allerdings gewinnt die deutsche Komödie zum Beispiel den Vergleich mit Blake Edwards' Erben, nämlich David S. Wards Mission: Rohr frei! (1996). Unterwaldt jr. hat nämlich keine Mühe, U-900 sicher in den New Yorker Hafen einfahren zu lassen. Am Ende siegt bei den Kinogängern die Überraschung über einer leichten, fast runden Persiflage auf Petersens Kriegsfilmklassiker und die Hommage an die Militär-Klamotten der Sechziger- und Siebziger Jahre. Das dürfte selbst diejenigen ins Kino locken, die bislang noch nicht wussten, dass sie Atze Schröder-Fans sind. |