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Mit dem Finale kommt Kenny Ortegas musikalisch-romantische Teen-Komödie High School Musical 3: Senior Year in die Kinos. Im Abschlussjahr stehen für Troy und Kumpel Chad drei Highlights an: die Basketball-Meisterschaft mit den Wild Cats, das Frühjahrsmusical und der Abschluss-Ball. Während die meisten schon Pläne für danach haben, kommen Troy Zweifel, denn er kann sich zwischen Sport und Bühne nicht entscheiden. Außerdem schlägt ihm die bevorstehende räumliche Trennung zu seiner Liebe Gabriella gehörig auf den Magen. Die hat auch noch eine schlechte Nachricht für ihn. Angriffslustig ist nur Zicke Sharpay, die ihren großen Triumph schon förmlich riechen kann. Marcel Reich-Ranicki würde seinen Preis zurückgeben, wenn er das sähe, aber das Zielpublikum ist trotzdem hin und weg!
"Deutschland sucht den Superstar" und Konsorten können aufatmen! Im Kampf gegen bösartige TV-Kritiker und Fernsehpreisverweigerer (Literatur-Ikone Marcel Reich-Ranicki) erhält die seichte Unterhaltung im Kino jetzt tadellose Unterstützung von High School Musical 3: Senior Year. Kenny Ortega konnte fürs Finale des Musicals auf alle Stars zurückgreifen und darf diesmal, dank Disneys Gnaden, das Zielpublikum sogar im Kino zum Schmelzen bringen. Damit ist auch bewiesen, dass es ein Leben nach Hannah Montana (Hannah Montana/Miley Cyrus: Best of Both Worlds Concert Tour) und Lizzie McGuire (Popstar auf Umwegen) gibt. Nach den Irrungen und Wirrungen der beiden ersten Teile (2006, 2007) ist es nun an der Zeit für einen neuen Lebensabschnitt. Die Kumpels Troy (Zac Efron) und Chad (Corbin Bleu) sowie ihre Klassenkameraden gehen ins letzte Schuljahr und in die letzte Basketball-Saison für die Wild Cats. Auf ihrem geistigen Stundenplan stehen nur noch Meisterschaft, Frühjahrsmusical und Abschlussball. Das alles können sie locker angehen, denn ihre Pläne für die College-Zeit sind längst gemacht, auch wenn Troy die bevorstehende Fernbeziehung zur angebeteten Gabriella (Vanessa Hudgens) schon sehr auf den Magen schlägt.
So bemerkt er fast nicht, dass ihn genau diese feste Planung stört. Durch die Hauptrolle im Musical, das diesmal im Zeichen der Schulabgänger stehen soll, spürt Troy, dass seine Leidenschaft fürs Basketball Konkurrenz von der Schauspielerei erhalten hat. Er müsste eine Uni finden, an der er beides machen könnte. Doch was würde Chad dazu sagen? Auch Gabriella ist nachdenklich. Wie kann sie Troy erklären, dass sie wegen eines Begabten-Seminars in Stanford bereits früher von der East High weggehen muss. Sowohl die Musical-Aufführung als auch der Abschlussball müssen ohne sie stattfinden. Das freut natürlich die blonde Zicke Sharpay Evans (Ashley Tisdale), die sich deshalb Hoffnungen auf ihren "verdienten Triumph" und einen ausgeschriebenen Studienplatz an einer renommierten New Yorker Musikschule macht. Ihr Bruder Ryan (Lucas Grabeel) soll als Choreograf dafür sorgen, dass bei ihrer letzten Highschool-Intrige alles in ihrem Sinne läuft.
Die lange Reihe der Vorbilder für High School Musical 3: Senior Year hat sich auch beim finalen Kinoauftritt nicht geändert. Vor allem bei Grease dürfen sich die Macher für Eingebungen bedanken. Andererseits zielt Danny Ortegas Konstruktion mit unglaublicher Präzision auf eine verträumte Zielgruppe zwischen 8 und 16, weshalb Tiefgang und Satire gegen Märchenhaftigkeit und konservative Mädchenromantik ausgetauscht wurden. Das Resultat ist eine überaus unaufdringliche Komödienhandlung, deren Figuren ganz den üblichen Stereotypen des Disney-Channels folgen: keusch, nett, fleißig, bescheiden und gehorsam, sowie zickig, arrogant, selbstverliebt, egoistisch und unbelehrbar. Die Märchen-Highschool wird umrahmt von tollen Sets frei von sozialen Problemen, über die die lockere, sing- und tanzfähige Musik wie Sirup ausgegossen wird. Daran ist nun nichts neu, aber es trifft den Nerv des jugendlichen Zielpublikums. Bei aller Seichtheit hat Kenny Ortega eben ein sehenswertes und abwechslungsreiches Musical geschaffen, das immer wieder für schmachtfähige Überraschungen sorgt. So schön kann wahre Liebe sein. Das Leinwandgeschehen bringt eben nicht nur Hüften und Füße zum Schwingen sondern auch Herzen. Bei all der Perfektion stößt der reichlich konservative Moralkodex der Disney-Verantwortlichen fast gar nicht mehr bitter auf. Regisseur Ortega macht sich sogar einen Jux daraus, das Publikum damit zu foppen, dass sich das angehimmelte Traumpaar eben nicht (!) küsst. Treffen sich nach großartigem Liebesopfer endlich ihre Lippen, öffnet die Erleichterung so manchen Tränenkanal vor Rührung.
Mag Herr Reich-Ranicki sich noch so sehr mokieren, es bedarf eben keines Tiefgangs, um romantische Mädchen zu rühren. So darf man durchaus behaupten, dass sich High School Musical 3: Senior Year als Mamma Mia! für die halbwüchsigen Töchter aufschwingt. Und weil es niemals enden darf, gibt's auch bald Camp Rock - alles vom selben Kanal! Disney macht's möglich. Fast möchte man vergessen, dass es nur ein Geschäft ist. |