|
Kann man sich in einen Film auf den ersten Blick verlieben? Absolut ja! Auch wenn das irgendwie seltsam klingt, schon nach einer Minute Amélie ist man total gefesselt von den liebenswerten Eigentümlichkeiten, der fabelhaften Kulisse und den abgedrehten Charakteren, die ganz Frankreich wochenlang in Entzücken versetzten. Wer sich Die fabelhafte Welt der Amélie nicht im Kino ansehen will, weil es ein französischer Film ist, der ist wirklich selbst schuld. Zugegeben, man läßt sich gerne von dem Kunstfilmimage abschrecken, aber selten hält ein Film genau das, was er verspricht. "Lassen auch Sie sich verzaubern..." ist das Motto, unter dem Jean-Pierre Jeunet, bekannt von Delicatessen und Alien - Die Wiedergeburt, das Publikum zwei wunderschöne Stunden in der fabelhaften Welt der Amélie erleben läßt.
Bei traumhaften Bildern, fröhlicher Musik und einer bezaubernden Hauptdarstellerin fällt es leicht, sich dem Film voll und ganz zu widmen. Amélie (Audrey Tautou) war schon immer ein sonderbares Mädchen, dass mit seinem Fotoapparat Unfälle verursachen und Goldfische vor dem Selbstmord retten konnte. Als sie im Badezimmer ein kleines Schatzkästchen findet erwacht ihr Wunsch, ihre Mitmenschen glücklich zu machen. Die sind mindestens ebenso liebenswert wie unsere Heldin selbst. Natürlich weiß keiner von Amélies kleinen Manipulationen. Dafür ist man selbst eingeweiht und wird bestens unterhalten. Wen das ein bißchen an Chocolat erinnert, wird sich freuen zu hören, dass Amélie viel viel schöner, viel viel spaßiger und viel viel besser ist. Vergleicht man Juliette Binoche mit Audrey Tautou fällt sicherlich eine gewisse Ähnlichkeit auf. Doch spätestens nach zehn Minuten ist man hin und weg von dem Spiel der niedlichen Audrey, die ihrer Namensvetterin und Hollywood-Legende Audrey Hepburn alle Ehre macht.
Eigentlich kann man dieses Kinoereignis nicht in Worte fassen. Wer den Film gesehen und sich in ihn verliebt hat, der wird wissen, was ich meine. Die fabelhafte Welt der Amélie muß man live und höchstpersönlich erleben. Ich kann nur raten, sich das Erlebnis nicht entgehen zu lassen. Denn es gibt nicht viele Filme, ohne die das Leben ein bißchen leerer ist. Außerdem werden wichtige Fragen geklärt, wie zum Beispiel "Gibt es Geister in Fotoautomaten?", "Wieso bin ich dumm, wenn ich auf den Finger schaue?", "Wie tarne ich am besten meine Schnapsflaschen?" und "Was mache ich nur, wenn mein Gartenzwerg die Koffer packt?". Amélie ist also nicht nur ein modernes, charmantes Märchen, sondern auch ein Ratgeber für alle Lebenslagen! Wem sich das immer noch etwas zu schnulzig anhört, dem sei gesagt: jedes Mal, wenn das Gefühl aufkommt, die Handlung könnte bald in eine unerträglich kitschige Ebene abdriften, passiert etwas ganz Unerwartetes. Und das ist das Schönste daran. Man wartet die ganze Zeit auf einen Moment, der einfach nicht kommen will!
Einziges Manko: nach 120 Minuten Spaß und Unterhaltung pur ist das Kinovergnügen vorbei. Beschwingt und verzaubert tritt man den Heimweg an und schon hat man das Gefühl, Amélie zu vermissen. Der Drang auf einen nächsten Besuch in dieser unglaublich schönen Welt wächst von Minute zu Minute. Doch bis dahin sollte jeder einmal in sich hören. Denn vielleicht entdecken dann ganz viele Menschen das kleine Stückchen Amélie in sich. |