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Wiedersehen mit Brideshead(Brideshead Revisited, 2008)
| Dt.Start: |
20. November 2008
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Premiere: |
01. August 2008 (USA) |
| FSK: |
ab 6
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Genre: |
Drama |
| Länge: |
133 min
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Land: |
UK |
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Darsteller:
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Matthew Goode (Charles Ryder), Ben Whishaw (Sebastian Flyte), Hayley Atwell (Julia Flyte), Emma Thompson (Lady Marchmain), Michael Gambon (Lord Marchmain), Ed Stoppard (Bridey Flyte), Felicity Jones (Lady Cordelia Flyte), Greta Scacchi (Cara), Joseph Beattie (Anthony Blanche), Anna Madley (Celia), Patrick Malahide (Mr. Ryder), Jonathan Cake (Rex Mottram) |
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Regie:
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Julian Jarrold |
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Drehbuch:
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Jeremy Brock, Andrew Davies |
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 Inhalt
Im Jahre 1922 wird Charles in die privilegierte Familie Marchmain eingeführt, die auf Schloss Brideshead lebt. Er freundet sich mit Sebastian an und wird in das Schloss eingeladen, wo er für einige Zeit bleiben kann. Doch er gerät immer tiefer in das Familienleben, das von der strengen Mutter bestimmt wird. Diese scheint ihn zu akzeptieren und für einen guten Mann zu halten, macht aber deutlich, dass er wegen seiner Überzeugungen nie zu ihrer Welt gehören kann. Doch als er sich in ihre Tochter, Julia, verliebt, deren Schicksal bereits von der Mutter vorbestimmt ist, droht er alles zu verlieren. |  |
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Durchschnittliche Redaktionswertung
Keine weitere Wertung
Kritik
von Dimitrios Athanassiou
Eine Welt der Aristokratie: dekadent, klischeebehaftet und eigentümlich. Gleichzeitig soviel Schönheit und scheinbar endlose Möglichkeiten, dass es den aus dem Bürgertum stammenden Charles derart verzückt, dass er nirgendwo anders mehr sein möchte und bereit ist, alles zu tun, um zu dieser Welt dazuzugehören. Ein sattes schwülstiges Melodram, das nicht nur die Aristokratie und den Katholizismus aufs Korn nimmt, sondern ebenso auf jeden zielt, der allzu sehr so sein will, wie die Reichen und Schönen. Wer gutes Sitzfleisch hat und lange handlungsarme Passagen überstehen kann, um sich an der außergewöhnlichen szenisch-visuellen Umsetzung zu erfreuen und einige interessante Zuspitzungen zu erleben, könnte diesem Zelluloidschauspiel einiges abgewinnen.
Viele Jahre lang fristete Charles (Matthew Goode) ein tristes bürgerliches Leben. Jetzt geht es an die Universität. Viel lieber möchte er aber Künstler werden - Maler. Als er seinem Vater (Patrick Malahide) mitteilt, dass er in ein Apartment an der Uni zieht, quittiert dieser das mit der Süffisanz einer mumifizierten Zitrone. Das Verhältnis zwischen Charles und seinem Vater ist nicht unterkühlt, vielmehr ist es so fruchtbar und lebendig, wie eine lebensfeindliche Einöde nach 10.000-jähriger Dürreperiode. Man beschränkt sich im Miteinander auf das Wesentliche, und am ehesten gibt das Nichtgesagte Aufschluss über die Dinge, die zwischen den beiden schief gelaufen sind.
An der Uni ist vieles anders, das bekommt Charles schnell zu spüren: Kaum angekommen, entleert ihm einer der Kommilitonen, im Vollsuff, sein verflüssigtes Inneres durch das Fenster seines frisch bezogenen Domizils. Was ein Glück und Zufall, dass es sich dabei um Sebastian (Ben Whishaw), wohlhabenden Sprössling einer adeligen Familie handelt. Ein, zu einem lasziv-exzessiven Lebensstil neigender, Dandy. Charles scheint genau das, wonach er gesucht hat: intelligent, kultiviert, nie verlegen, schlagfertig ohne Boshaftigkeit, neugierig und kontaktfreudig. Nichts an ihm erinnert an seine "niedere Herkunft". Auf Sebastian übt er eine verführerische Anziehungskraft aus. Auch Charles erwidert diese Zuneigung - auf mentaler Ebene. Der adelige Geck zieht aber langfristig eine intimere Vereinigung in Betracht. Dieses Motiv der Erfüllungssuche eines privilegierten Zöglings, der seine homosexuelle Veranlagung nicht so ausleben kann, wie er will, dominiert über weite Strecken das Geschehen. Die Spannung, welche aus der Fragestellung entsteht, ob Charles sogar bereit ist, sich, obwohl er selber nicht diese sexuelle Ausrichtung hat, auf solch eine Liebelei einzulassen, um an Sebastians Lebensstil teilzuhaben, trifft aber nicht wirklich ins Mark - zu zahm ist das ganze gezeichnet.
Als Sebastian beschließt Charles auf die Familienresidenz Brideshead einzuladen, seiner Mutter (Emma Thomson) und seiner Schwester Julia (Hayley Atwell) vorzustellen, scheint Charles endlich am Ziel seiner Wünsche. Schönheit und Prunk rauben ihm den Atem. Das Herz möchte ihm, vor lauter Sehnsucht in der ozeanischen Weite Bridesheads zerspringen. Aber wie im Ozean ist das nur die glatte, scheinbar friedliche, Oberfläche. Die Mutter regiert mit katholisch strengem Diktat, und die verführerischen Horizonte sind nicht mehr als trügerischer Schein, zwanghafte Muster, in denen diese adelige Menagerie gefangen ist. Der Atheist Charles und die überstilisierte, wie aus weißem Marmor gemeißelte, madonnenhafte Mutter, werden, trotz gegenseitigen Respekts, zu Kombattanten in einem unterkühlten Duell. Und als neue Figur in diesem Schachspiel des Lebens gesellt sich Sebastians Schwester hinzu. Aus der trauten Zweisamkeit wird eine Menage á Trois, bei der sich die sexuelle Spannung einstweilen nur in den Phantasien entlädt. Das ändert sich, als die drei gemeinsam nach Venedig reisen, um Sebastians Vater (Michael Gambon) zu besuchen, der sich mit dem Rest des Clans entzweit hat und dort in wilder Ehe mit seiner Gespielin Cara (Greta Scacchi) lebt.
Ein Film, wie ein wundervoller satter, nach einem wilden Früchtekorb duftender, Rotwein. Wenn man ihn nur runter bekommen könnte. Schwer und bleiern in der Erzählstruktur und der Humor derart trocken, dass es einem das Gesicht verzieht. Ganz im Gegensatz zu den Bildern: von einer beeindruckenden Leichtigkeit, viel versprechend, sinnlich, verführerisch. So viel offene Weite, dass es im Herzen süßlich verlangend schmerzt und der Geist auf endlose Reisen gehen möchte. Alles verschwendet: gefangen ist der Zuschauer in einem verhängnisvollen Gespinst aus trügerischen Bilder, die den Kontrast zu einer Handlung bilden, welche die Enge und Perspektivlosigkeit einer privilegierten Elite widerspiegelt, die eigentlich alles hat und alles sein könnte, wenn sie nur wollte. Stattdessen reglementiert sie sich mit dem Glauben als obersten Zensor noch stärker, so dass es diejenigen, die aufbegehren versuchen, völlig zerstören kann.
Die Hauptfigur Charles ist der Katalysator, der vieles auslöst, sich selber aber kaum verändert: Alles was ihn antreibt, scheint zielorientierter Opportunismus. Charles funktioniert immer perfekt, macht und sagt immer das richtige. Es scheint kaum möglich, an ihm Anstoß zu nehmen, sich an ihm zu reiben. Er ist glatt und makellos und wandelt derart sicher in den Kreisen, in die er nicht hineingeboren wurde, dass es den Atem verschlägt - wenn diese Figur nur im Geringsten interessant wäre. Er möchte unbedingt dazugehören. Seinem Trachten fehlt aber jegliche innere Überzeugung. Er scheint völlig leer zu sein. So sind die wenigen besonderen Augenblick im Film, diese als er ein einziges mal sprachlos scheint, als er auf den Kopf zu gefragt wird, was er eigentlich will und sein Schlusstenor, der da lautet: Wenn man mich fragen würde, wer ich eigentlich bin, was Charles Ryder ausmacht, ich wüsste keine Antwort. Nach dem Film wird man nicht schlauer sein. Wenn man sich mit einer zahmen Katholizismusabrechung und einem sensationell schönen visuellen Stil, zufrieden geben kann, wird die Zeit aber nicht verschwendet sein.  Weitere interessante Filme
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