Eine Welt, in der der Begriff Entertaintment eine völlig neue Dimension angenommen hat: Antiken Wagenlenkern gleich, wie einst im alten Rom im Circus Maximus, lenken die Insassen eines privaten Hochsicherheitsgefängnisses ihre gepanzerten, hochmotorisierten und gut bewaffneten PS-Boliden über einen Rundkurs, bis nur noch einer übrig ist. Wer fünfmal gewinnt, erlangt die Freiheit - für die anderen bleibt nur der Tod. Ein furioses Spektakel, in dem jede Menge Blech produziert wird, angefangen bei dem Drehbuch. Trotzdem: Adrenalin Pur. Das putzt das Oberstübchen frei.
Die Wirtschaft geht den Bach runter, Massenentlassungen drohen, der Staat privatisiert was das Zeug hält. Nein, das ist nicht die aktuelle Schlagzeile aus einem der Finanz- und Wirtschaftsblätter, das ist die nahe Zukunft. Jensen Ames (Jason Statham) ist seinen Job los: Die Fabrik, in der er für ein Kummergehalt geschuftet hat, ist gerade dicht gemacht worden. Aber noch gibt es Hoffnung. Und vor allem seine Frau gibt ihm Kraft und Rückhalt. Eben diese wird ihm geraubt: Ein Maskierter schleicht sich in die Wohnung, betäubt Ames und tötet dessen Frau. Als er wieder erwacht, ist die Polizei schon da und er liegt in einer Blutlache, neben dem leblosen Körper seiner Frau, mit der Mordwaffe in der Hand.
Wegen dieses Mordes wird er in die private Haftanstalt Terminal Island verfrachtet. Die skrupellose Direktorin Warden Hennessey (Joan Allen) hat schon auf ihn gewartet: Sie kennt Ames Akte und Vergangenheit. Als ehemaliger Profirennfahrer ist er genau der, den sie braucht: Im Gefängnis werden tödliche Autorennen veranstaltet und als multimediales Pay-Entertaintment in den Äther gesendet. Der Topstar der Gladiatorenkämpfe, der die Massen vor die Flimmerkiste lockt, ist ein Fahrer namens Frankenstein. Dumm nur, dass er kürzlich "ausgeschieden" ist. Ames soll nun dessen Rolle übernehmen. Und als Belohnung winkt ihm nach fünf Siegen die Freiheit. Das Überleben an sich, dürfte aber schon zu einem Problem werden.
Zuerst das Gute: Es gibt erstens Action, zweitens Action und drittens (wer hätte es gedacht) wieder Action. Dann kommt lange nichts, dann noch mal Action (bevor die intellektuelle Talfahrt beginnt). Es folgen einige "raffinierte" Plotpointen, die sich ein Fünfjähriger mit seinem Fischertechnik-Baukasten zusammengebastelt haben könnte und Dialoge, die Marcel Reich-Ranicki in Zukunft veranlassen würden, das deutsche Fernsehen in endlosen Lobhudeleien hoch leben zu lassen. Aber störts? Ehrlich - nein. Die Story, der Plot, die Dramaturgie und vor allem die Dialoge: irrelevant!
Hier geht es nur um eins: mächtig auf die Pauke zu hauen. Und das gelingt Paul W. S. Anderson, der bei Death Race für Drehbuch (so zwei bis drei Seiten) und Regie verantwortlich war und dem man solche Genre-Streifen wie Event Horizon - Am Rande des Universums, Alien vs. Predator und die Resident Evil Trilogie verdankt, auf jeden Fall. Gutes altmodisches Krach-Bumm-Bang-Spektakel ohne CGI-Schnörkel und jede Menge Filmblut. Death Race ist definitiv nichts für Zartbesaitete. Hochgerüstete und gepanzerte PS-Schleudern treten in einem Ultima-Death-Match gegeneinander an und da kommt es gelegentlich vor, dass der eine oder andere Insasse zu Mus verarbeitet wird. Die Luft ist stets bleihaltig und so manch ein vierrädriges Gefährt löst sich in einer Benzin-Feuerwolke auf.
Dieser Endzeit-Knast-Mix zeigt deutliche Anleihen bei Klassikern wie Running Man, Mad Max und auch an The Fast and the Furious (auch wenn dieses nicht besonders inspiriertes Filmchen gerade an die Mel Gibson Endzeit-Filme nicht ansatzweise heranreicht). Statham, der schon einige Adrenalinburner der The Transporter und Crank Serie vorzuweisen hat, schien wie gemacht für diesen Film. Allerdings reiht er sich damit darstellerisch in die unterste Kategorie ein, in der sich auch Kollegen, die in der Cinemathek der Geistlosen - so a la Far Cry - einen Ehrenplatz einnehmen würden, tummeln. Ganz der Unehre darf man Death Race aber nicht preisgeben: Auch wenn die Dialoge und der Plot aus der Feder eines Debilen zu stammen scheinen (gehen wir davon aus, dass Anderson einen ganz schlechten Tag beim Drehbuchschreiben hatte), besitzt das ganze doch einen gewissen amüsanten Flair. Auf jeden Fall werden die Synapsen von jeglichem intellektuellen Ballast frei gepustet. Wer das mag, gibt sich den Streifen, die anderen sollten lieber einen Bogen drum machen.