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Räuber Kneissl

(Räuber Kneissl, 2008)

Dt.Start: 21. August 2008
DVD: 25. Februar 2009
Premiere: 23. Juni 2008 (Festival, Deutschland)
FSK: ab 12 Genre: Abenteuer
Länge: 115 min Land: Deutschland
Darsteller: Maximilian Brückner (Mathias Kneißl), Maria Furtwängler (Therese Kneißl), Thomas Schmauser (Dorfgendarm Förtsch), Brigitte Hobmeier (Mathilde Danner), Christian Lerch (Anton Wörndl), Michael Fitz (Vater Kneißl), Andreas Giebel (Pfarrer Endl), Florian Brückner (Alois Kneißl), Stefanie von Poser (Katharina Kneißl), Isabella Brückner (Cilli Kneißl), Sigi Zimmerschied (Flecklbauer), Jürgen Tonkel (Brandmaier)
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Drehbuch: Karin Michalke, Christian Lerch


Inhalt

Ende des 19. Jahrhunderts kämpfen die Kneißls ums Überleben. Mit Diebstählen und Wilderei schlagen sie sich durch. Die Obrigkeit lauert schon: Bei einem Verhaftungsversuch wird der Vater getötet. Auch Sohn Mathias landet, nach einer Schiesserei, hinter Gittern. Sechs Jahre später, nach seiner Entlassung, will mit seiner großen Liebe Mathilda in Amerika ein neues Leben zu beginnen. Zum großen Glück fehlt noch das Geld, aber für einen Zuchthäusler ist es nahezu unmöglich eine ehrliche Arbeit zu bekommen. Mathias beschließt mit Raubzügen seinem Glück nachzuhelfen. Nicht ohne Konsequenzen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Räuber Kneissl hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 75%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Räuber Kneissl hat eine Wertung von 75%
Robin Hood auf Bayerisch? Nicht ganz - im Gegensatz zum Robin Hood Mythos war Räuber Kneißl Realität. Aber es gab Gemeinsamkeiten: Not und Ungerechtigkeit trieben beide zu einer Laufbahn als "Vogelfreie". Und beide genossen bei den einfachen Leuten, wegen ihres gewitzten Widerstandes gegen die Obrigkeit, eine gehörige Portion Sympathie - und wurden zur Legende erklärt. Mathias Kneißls kriminelle Karriere währte nicht lange. Wilderer, Räuber, Mörder war er. Als meistgesuchter Verbrecher seiner Zeit ging er in die Geschichte ein. Rebell war er und das Rebellische ist eine bayerische Tugend. Mit großer Feinfühligkeit, atmosphärisch dicht und ohne Überzeichnung wurde diese Geschichte nun mit markantem "Ethno-Charme" verfilmt.

Bild aus Räuber Kneissl Ich kann kein Unrecht leiden. Ich kann mich nicht beugen, lieber gehe ich selber zu Grunde. Diese Äußerung Mathias Kneißls, bei seinem letzten Auftritt vor Gericht, charakterisiert den bayerischen "Staatsfeind Nummer Eins", der 1902 im Alter von 27 Jahren durch die Guillotine hingerichtet wurde. Es waren harte Zeiten für die sechsköpfige Familie Kneißl und schon in jungen Jahren ging Mathias Kneißl (Maximilian Brückner) mit seinem Vater auf Raubzüge und erlernte das Wildererhandwerk. Als der Hunger die Existenz der Familie bedroht, schrecken die Kneißls nicht einmal mehr vor einem Kirchenraub zurück. Mit Folgen: Ein Trupp Gendarmen steht eines Tages vor dem Haus und will den Vater (Michael Fitz) verhaften. Der versucht zu fliehen, kommt aber nicht weit, und wird vor den Augen der Mutter Theresia (Maria Furtwängler) und Sohn Mathias von den Gendarmen erschlagen.

Als Ältester geht Mathias, um die Familie durchzubringen, fortan allein mit seinem jüngeren Bruder Alois (Florian Brückner) auf Beutezüge. Rings umher auf den Höfen ist kein Huhn vor ihnen sicher. Lange geht das nicht gut. Als die Obrigkeit wieder vor dem Haus steht, dreht Mathias durch. Er eröffnet das Feuer und verletzt zwei Gendarmen. Einem schießt er ein Ohr ab, der andere erleidet einen Bauchschuss. Sechs Jahre Zuchthaus bringt das den Brüdern ein. Mathias alleine überlebt die Haft. Als er wieder auf freiem Fuß ist, will er zurück zu seiner Familie. Die wohnt jetzt gemeinsam mit Tante Martha (Adele Neuhauser) und ihrer Tochter Mathilde (Brigitte Hobmeier) in München. Das Wiedersehen wird gleich zünftig begossen. Mathilde, die Mathias als freches Madl kannte, ist inzwischen zu einem feschen Weibstück herangewachsen. Und sie will ihn. Gemeinsam ziehen sie in sein Heimatdorf. Mit ehrlicher Arbeit will er soviel verdienen, dass er für beide die Überfahrt von Hamburg nach New York bezahlen kann. Dort wollen sie ein neues Leben beginnen. Als Zuchthäusler hat er es aber schwer ehrliche Arbeit zu finden. Schreiner Christof (Tilo Prückner) gibt ihm dennoch eine Chance. Und zunächst bereut er das nicht. Arbeiten kann der Kneißl schließlich für zwei! Doch die Dinge ändern sich: Der ohrlose Gendarm Förtsch (Thomas Schmauser) hat Mathias immer noch auf den Kieker und sinnt auf Rache. Mathias braucht sich nur einmal daneben zu benehmen und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Eine wahre Geschichte, die außerhalb Bayerns wahrscheinlich nicht allzu vielen bekannt sein dürfte. Mit typisch robusten, ländlichen Charme belebt Regisseur Marcus H. Rosenmüller das Geschehnis und zeichnet feinfühlig, ohne die Figuren zu überzeichnen oder das Handeln Mathias Kneißls zu verklären, ein authentisches Bild der Region, der Zeit und der Menschen. Erwartungsgemäß kommt die Story nicht ohne die notwendige dialektische Färbung aus. Gelegentlich gehen die Besonderheiten der Mundart über ein "Meister-Eder-Bayerisch" hinaus, und dem unversierten dürfte dann die eine oder andere Nuance entgehen. Ist aber nicht weiter tragisch. Die überwiegende Zeit wird Hochdeutsch mit leichter bayerischer Klangfärbung gesprochen.

Vor allem den sehr überzeugend agierenden Darstellern, allen voran Maximilian Brückner in der Rolle des Mathias Kneißl, Brigitte Hobmeier als dessen Freundin Mathilde und Maria Furtwängler als seine Mutter ist es zu verdanken, dass die Handlung im Verlauf immer mehr an Tempo gewinnt und gegen Ende mitreißende Drama- und Thrillerqualitäten entwickelt, wie man es von deutschen Produktionen schon lange nicht mehr gewohnt ist. Alles passt gut ineinander: Charakterzeichnung, Sprache, die wahrscheinlich in den Ohren eines echten Bayern nach einer Lightversion klingt, und szenische Umsetzung. Und auch die kleineren Rollen sind gut und glaubhaft besetzt. Das ganze entwickelt einen ganz eigentümlichen Charme und erinnert ein wenig an Spätwestern. Zwangsläufig sympathisiert man mit dem Outlaw, den das Schicksal und ein paar boshafte "Sheriffs" in eine kriminelle Laufbahn nötigten. Nah an den geschichtlichen Ereignissen, wird nur an wenigen Punkten, der Dramaturgie zugunsten, von den Tatsachen abgewichen. Ein etwas intensiverer Blick auf die Hintergründe, die Mathias Kneißl zum Sympathieträger des kleinen Mannes machten und zum bayerischen Robin verklärten, hätten den Film auf die Polposition der deutschen Ethnodramen befördern können. Auf jeden Fall sehenswert.



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