Effektreiche, aber zusammenhanglose Neuverfilmung eines Science Fiction-Klassikers. Der Grundkonflikt wird nicht solide genug aufgebaut, stattdessen konzentriert sich die Verfilmung auf oberflächliche Effekte und Bedrohungen, die moralische Aussage ist kaum erkennbar. Die Schauspieler haben zu wenig Zeit für die Entwicklung ihrer Figuren, und die Geschichte hinkt streckenweise.
Ein außerirdisches Raumschiff landet im Central Park und selbst die mächtigste Nation der Erde kann dabei nur tatenlos zusehen. Heraus tritt ein einzelner Besucher, und der wird von einem nervösen Sicherheitsbeamten gleich mal niedergeschossen. Mit diesem Missverständnis beginnt Der Tag, an dem die Erde stillstand, und es sollte nicht das letzte gewesen sein. Der Besucher in Menschengestalt stellt sich als Klaatu vor und fordert, sein Anliegen vor den Vereinten Nationen vorbringen zu dürfen. Da die US-Regierung kein Interesse hat, ihren "Fang" mit anderen Staatsoberhäuptern zu teilen, bleibt Klaatu als Ansprechpartner niemand als die Verteidigungsministerin Regina Jackson, der aufgrund der Befehle des in Sicherheit gebrachten Präsidenten auch noch die Hände gebunden sind.
Während die politischen Mühlen viel heiße Luft produzieren, muss Klaatu erkennen, dass die Menschen ihn offenbar generell keine gesteigerte Gesprächsbereitschaft an den Tag legen. Mit Hilfe der sympathischen Wissenschaftlerin Dr. Helen Benson kann der Außerirdische fliehen. Entgegen aller positiven Überzeugungen von Dr. Benson beginnt er jedoch bald sein zerstörerisches Werk: Die Erde ist in Gefahr!
Ein Science Fiction-Film, der ausschließlich im Hier und Jetzt angesiedelt ist, nicht mit Raumschlachten, fremden Welten und skurrilen Lebewesen aufwarten kann, muss sich umso stärker auf eine funktionierende, glasklare Geschichte stützen können. Leider ist dies hier nicht der Fall. Ein außerirdischer Besucher, der praktisch alles über die Menschen weiß, verhält sich sicherlich anders als Klaatu, der von Keanu Reeves verkörpert wird. In Klaatus Augen spiegelt sich nicht die Weisheit der Äonen und Lichtjahre, vielmehr wirkt der Besucher aus dem All wie ein überforderter Bruchpilot auf der Suche nach einem Telefon. E.T. - Der Außerirdische hatte in seinen wenigen Sätzen mehr zu sagen als Klaatu es im ganzen Film tut.
Grundsätzlich verfolgt der Film ein ehrenwertes Ziel, und die Aussage "behandelt Euren Planeten besser" ist ja bereits aus den Trailern und natürlich der ursprünglichen Verfilmung bekannt gewesen. Doch die Umsetzung dieser Mission auf der Leinwand scheitert: Keanu Reeves' mystisch-weise Zurückhaltung wirkt eher wie hölzernes Schultheater, Jennifer Connellys Darstellung der Weltraumbiologin ist leider genauso wenig überzeugend wie ihre Figur als Stiefmutter, und John Cleese als der weise alte Mann, und als einziger helle genug für Gespräche mit Klaatu, tut was er kann, doch bekommt leider viel zu wenig Screen Time. Seine Dialogsätze sollten eigentlich die Höhepunkte längerer Diskussionen darstellen, nicht die ersten Sätze eines kurzen Smalltalks. Auch sollte erwähnt sein, dass das höchste Glück von Wissenschaftlern sicherlich nicht darin besteht, innig an zwei Enden einer Formel zu schreiben.
Die Effekte sind solide, doch leider kommen sie zu kurz, um den Film wirklich als Science Fiction zu definieren. Dass sie aus dem Weta Workshop in Neuseeland kommen, merkt man daran, dass die Raumschiffe der kleinen Flotte Klaatus aussehen wie der Palantir aus dem Herrn der Ringe. Auch Klaatus Allmacht über jegliche Technologie der Menschen spielt eher gegen ihn: Mit großer Macht geht große Verantwortung einher, ist ja nicht erst seit Spider-Man bekannt, doch diese Weisheit scheint bei den Außerirdischen verloren zu sein.
Der große Konflikt, vor dem Klaatu steht, nachdem er die Menschen dann doch näher kennengelernt hat, wird leider nicht deutlich genug herausgestellt, dabei macht doch genau die Frage, was den Mensch liebenswert macht, die Idee des Films aus.
Negativ stoßen außerdem auch das penetrante Product Placement unter anderem für Windows, Citizen und McDonald's auf. Richtige Science Fiction-Filme mit dem Thema "Besuch aus dem All" sehen anders aus. Als Popcornkino zum passiven Genuss sicher nicht der schlechteste Film, doch für Cineasten, Kenner des Originals und SciFi-Fans eher enttäuschend.