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Tigerland

(Tigerland, 2000)

Dt.Start: 24. Mai 2001
DVD: 21. November 2001
Premiere: 13. September 2000 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: ab 16 Genre: Drama
Länge: 101 min Land: USA
Darsteller: Colin Farrell (Roland Bozz), Matthew Davis (Paxton), Clifton Collins Jr. (Miter), Tom Guiry (Cantwell), Shea Whigham (Wilson), Russell Richardson (Johnson), Nick Searcy (Captain Saunders), Afemo Omilami (Sergeant Landers), James MacDonald (Sergeant Thomas), Keith Ewell (Sergeant Oaks), Matt Gerald (Sergeant Eveland), Stephen Fulton (Sergeant Drake), Tyler Cravens (Sergeant MP), Michael Edmiston (Fahrer), Arian Waring Ash (Sheri)
Regie: Joel Schumacher
Drehbuch: Ross Klavan, Michael McGruther


Inhalt

1971: Während in Vietnam der Krieg tobt wird eine Gruppe junger Rekruten in Louisiana im sog. "Advanced Infantry Training" auf diese Hölle vorbereitet. Einer der Männer, der eigensinnige Roland Bozz, verabscheut die Idee des Krieges und während er sich gegen den militärischen Drill auflehnt, lernt er, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Tigerland hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 72%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Daniel Bund
Tigerland hat eine Wertung von 72%

Nachdem Joel Schumacher keine Lust mehr hatte seine Regiedienste unter der Knechtschaft des allmächtigen Dollars zu erbringen und er während einer Promotionstour in Skandinavien mit den Ideen der "Dogma 95"-Bewegung in Berührung kam, wagte er sich mit Tigerland auf das für ihn unbekannte Terrain der minimalistischen Inszenierung. Wackelige Handkamera, bewusst unpräzise Ausleuchtung, zurückhaltender Score: So präsentiert sich Tigerland um dem Zuschauer ein Gefühl der Authentizität zu vermitteln - Mittendrin, statt nur dabei. Zentrum der Handlung ist Roland Bozz, der typische Rebell: Nicht bereit sich in die Befehlshierarchie der Army einzugliedern, hält er an seinen moralischen Grundsätzen fest und sieht in seinen zukünftigen Gegnern nicht nur die potenzielle Bedrohung, sondern auch die Menschen dahinter, deren Leben er nicht beenden möchte.

Bozz hat aber nicht nur keine Lust auf den Krieg, sondern auch außergewöhnliche Führungsqualitäten. Die Hilfsbereitschaft gegenüber den Kameraden lässt sein Ansehen bei ihnen schnell wachsen, so dass sie ihn selbst dann noch als Anführer respektieren, als ihnen von offizieller Seite jemand anderes zugeteilt worden ist. Der Charakter Bozz ist recht interessant, da aus dem Konflikt zwischen dem was er will und dem was er kann ein glaubhafter innerer Kampf um Flucht und Verantwortung entsteht. Er ist die personifizierte Ablehnung des Vietnamkrieges, die sich in den USA schnell verbreitete, als das brutale Vorgehen einiger amerikanischer Truppen im Kriegsgebiet bekannt wurde. Gespielt wird Bozz von dem 24jährigen Iren Colin Farrell, bisher ein weitgehend unbeschriebenes Blatt, der seine Aufgabe souverän bewältigt und dem Zuschauer die Figur sehr nahe bringen kann. Auch die meisten anderen Schauspieler machen ihre Sache trotz Unerfahrenheit gut, darunter Matthew Davis (Urban Legends 2) als Bozz' bester Freund Jim Paxton und Clifton Collins Jr. (Traffic - Macht des Kartels) als Zugführer Miter, der unter der Last seiner aufgezwungenen Verantwortung beinahe zusammenbricht.

Leider sind die bösen Buben mal wieder zu stereotyp geraten, und vor allem Shea Wighams Rolle als Bozz' verbissener Erzfeind Wilson beruht zu sehr auf dem Konzept unbedingt einen psychopathischen Antagonisten als Kontrast zum heldenhaften Hauptcharakter haben zu wollen. Auch einige Szenen wirken seltsam klischeehaft, weil sie in ähnlicher Form in fast jedem Anti-Kriegsfilm verwendet werden. Obwohl Tigerland offensichtlich von Filmen wie Full Metal Jacket inspiriert wurde - böse Zungen würden behaupten es wurde einfach geklaut - kann er jedoch größtenteils als eigenständiges Werk überzeugen und bietet eine gelungene Variation des Militärdramas.

Der Film ist eine nicht außergewöhnlich tiefgreifende aber durchaus unterhaltsame psychologische Studie und zeigt nicht den eigentlichen Krieg, sondern die Motive der Männer an ihm teilzunehmen und deckt dabei ein breites Spektrum ab. Für Joel Schumacher ist Tigerland eindeutig eine Weiterentwicklung, da er hiermit bewiesen hat, dass er auch mit einfachen Mitteln und ohne Multi-Millionen Dollar Budget einen ordentlichen Film drehen kann. Tigerland ist vielleicht nicht so realistisch und anspruchsvoll wie er zu sein vorgibt, aber trotz diverser Schwächen immer noch gut genug um dem Zuschauer das Gefühl zu vermitteln Zeit und Geld hier sinnvoll investiert zu haben.



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