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Der Spielfilm des koreanischen Regisseurs Ji-woon Kim ist ein stringentes, spannendes, actionreiches und teils auch tiefgründiges Rachedrama. A Bittersweet Life verdient mindestens das Prädikat "Sehr gut" und zeigt nur wenige Schwächen, die das Filmvergnügen - wenn überhaupt - nur mäßig trüben. Begleitet wird das Werk von einem gelungenen Soundtrack von Jang Yeong-gyu und Dal Palan.
"Rache" ist ein häufig vorkommendes Leitmotiv in Spielfilmen, besonders in den letzten Jahren. Man erinnere sich beispielsweise an die Rachetrilogie des bekannten koreanischen Regisseurs Chan-wook Park, dessen Werke, wie zum Beispiel sein wohl bisher bester Film Oldboy, mit Lob überhäuft wurden. A Bittersweet Life ist nun ein weiterer Film, der sich zumindest großteilig mit dieser Thematik auseinandersetzt. Im Rückblick bekam das Actiondrama von Regisseur Ji-woon Kim überwiegend positive Kritik und konnte sogar einige Filmpreise gewinnen.
Kim Sun-woo (Lee Byung-hun) ist gefühlskalt, loyal und in höchstem Maße professionell, egal ob er das Restaurant seines Gangsterbosses Mr. Kang (Yeong-cheol Kim) führt, ob er unliebsame Gäste rauswirft oder sonstige Störenfriede beseitigt. Als Kang verreist, gibt er Sun-woo den Auftrag seine junge Geliebte Hee-soo (Shin Min-a) zu beschatten, da er den Verdacht habe, dass sie ihn betrüge. Im Falle, dass Kang Recht habe, solle Sun-woo ihm sofort Bericht erstatten oder die Angelegenheit selber klären. Als Kim Sun-woo herausfindet, dass Hee-soo einen Geliebten hat, will er Kang anrufen. Im letzten Moment entscheidet er sich jedoch für die zweite Variante: Es selber zu regeln; aber nicht so, wie von Kang erwartet. Er gibt den beiden den Auftrag, sich nie wieder zu sehen, denn nur in diesem Falle würde er schweigen und Kang nicht in das Geheimnis einweihen. Doch Sun-woo hat die Rechnung ohne Kang gemacht, da dieser auch ohne ihn von der Untreue seiner Freundin erfährt. Kang lässt Sun-woo fast zu Tode foltern, bis dieser durch viel Glück in letzter Sekunde entkommen kann und von nun an nach Rache sinnt.
A Bittersweet Life ist zweifelsohne ein ausgesprochen starker Film, welcher den Zuschauer gekonnt fesseln und faszinieren kann. Doch um ein zumindest kleines Meisterwerk zu sein, fehlt Kims Actiondrama ein origineller Plot, denn sein Werk bietet inhaltlich im Großen und Ganzen nichts Neues und ist über weite Strecken vorhersehbar.
Äußerst positiv hervorzuheben sind hingegen zum einen die starken Darstellerleistungen aller Haupt- und Nebenakteure und die schlichtweg hervorragende Optik, die durch eine ungeheuer gute Kameraführung unterstützt wird. Hiermit erzielt A Bittersweet Life mit Abstand die meisten Pluspunkte. Die Aussage, das Actiondrama sei zwar optisch, aber inhaltlich nicht anspruchsvoll, muss zumindest teilweise revidiert werden. Zwar sind die bereits angesprochenen Defizite im Inhaltlichen nicht zu leugnen, an einigen Stellen wird der simple Handlungsstrang jedoch durch eine fast schon poetische Tiefsinnigkeit gebrochen. Hier lassen sich einige Beispiele aufzählen:
Sun-woo bleibt trotz vieler Schussverletzungen am Leben und stirbt erst dann, als er einen süßen Moment in seinem bitteren Dasein erlebt, nämlich als er ein letztes Mal die Stimme seiner Liebsten hört. Oder die letzte Szene, als er gegen sein Spiegelbild boxt, welche zum Beispiel so interpretiert werden kann, dass Sun-woo selbst der größte Gegner bei seinem Traum war, Gefühle zulassen zu können.
Was Ji-woon Kim mit A Bittersweet Life geschaffen hat, ist insgesamt überzeugend, um nicht zu sagen, fast schon hervorragend. Sein Spielfilm bietet sowohl technisch als auch schauspielerisch sehr hohe Qualität, die die inhaltlichen Schwächen zwar nicht unvergessen macht, sie aber dennoch etwas in den Hintergrund rücken lässt.
Wie schließt man diese Rezension ab? Wohl am besten mit einem bittersüßen Moment: In einer Nacht im August wachte der junge Schüler weinend auf. Dem Meister erschien das eigenartig und er fragte ihn: "Hattest Du einen Albtraum?" "Nein", sagte der Schüler. "Hattest Du einen traurigen Traum?" "Nein, Meister, ich hatte einen wunderschönen Traum." "Aber warum weinst Du dann?" Der junge Schüler wischte sich die Tränen weg und antwortete: "Weil der Traum, den ich hatte, niemals wahr wird." |