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Was kommt raus, wenn Vampirmythen mit Schulromanzen und Dailysoap-Plots verquirlt werden? Eine "Story" von zwielichtiger Qualität, der jeglicher Biss fehlt! Ob die Macher diese Doppeldeutigkeit im Sinn hatten, als sie dieser Gruselschmonzette den Titel Twilight - Biss zum Morgengrauen verpassten? Wohl eher nicht. Dieses Machwerk ist leider ernst gemeint - wenn auch unfreiwillig komisch - und dürfte wohl nur bei der juvenilen Östrogenfraktion Anklang finden. Teenie-Jungs, die von ihren Freundinnen zu diesem Streifen ins Kino gezerrt werden, seien gewarnt.
Macht euch bereit für Schlaf und Schlummer! Hier hätte nicht einmal Leonidas und seine 300 lange standgehalten (und wären prompt in Morpheus Arme gesunken). Gleich grausamen Horden stürmen 122 Minuten Langeweile auf einen zu und es bleiben nur zwei Auswege: Die Beine in die Hand nehmen und rennen oder die Äuglein zu schließen und pennen. Aber mal im Ernst, zwischen multiplen Gähnattacken lässt sich das dünne Geschichtchen wie folgt zusammenfassen:
Die nach Teenieraster etwas sonderliche Bella (Kristen Stewart), was nicht viel mehr bedeutet, als dass sie sich nicht für Moden und Trends sowie Akzeptanz bei ihresgleichen schert, zieht zu ihrem Vater, der Polizist in einer Kleinstadt ist. Die Eltern sind geschieden und die Mutter just neu verheiratet. Für Bella bedeutet das Abschied von Washington nehmen und ab in das Hinterwäldlerkaff Forks. Kaum angekommen begegnet ihr der "übersinnlich gut aussehende", mysteriöse oder schlichtweg metrosexuelle (der eigenen Einordnung sei hier freie Wahl gelassen) Edward (Robert Pattinson).
Bella findet ihn auf Anhieb sehr interessant, er reagiert aber zunächst extrem spröde und abweisend. Edward scheint ohnehin zu niemandem in der Schule Kontakt zu haben und ist stets mit einer bleichen Truppe unterwegs (brrr... in die imaginäre Decke gekuschelt und einmal auf die andere Seite im Kinosessel gewendet, damit keine Extremitäten einschlaffen und weiter gehts...). Über kurz oder lang freunden sich die beiden an und Edward rettet Bella sogar das Leben, als er mit bloßen Händen ein außer Kontrolle geratenes Auto stoppt. Wenn das mal keine Fragen aufwirft!
Darf es verraten werden? Überraschung: Es kommt zu Liebesgeplänkeln und Edward stellt Bella sogar seiner Familie vor. Natürlich alles Vampire. Um Bella muss sich aber zunächst noch nicht gesorgt werden, sie steht nicht auf dem Speiseplan der Familie. Das sind nämlich die Guten und die ernähren sich nicht von Menschen (brav!). Böse gibt es natürlich auch: Diese sind derzeit in dieser Gegend unterwegs und Menschenblut mundet ihnen sehr. Es wird kommen, wie es nicht anders kommen kann: Einer von denen bekommt Appetit auf Bella und Edward darf beweisen, wie stark seine Liebe zu ihr ist.
Gibt es amüsante Highlights für den über 13-jährigen Kinogänger? Für eine Art deja-vu sorgt der Auftritt eines Blutsaugers, der Tom Cruise aus Interview mit einem Vampir zum Verwechseln ähnlich sieht, der Hauptbösewicht erinnert an eine blonde Version von Lorenzo Lamas aus der TV-Serie Renegade und den Protagonisten glaubt man bei Polanskis Tanz der Vampire als bissigen Knabenliebhaber schon mal gesehen zu haben. Für den Vampirfan oder den Cineasten, der eine gute Story erwartet, wird hier aber wenig geboten. Ein langatmiger Plot, ein blutleeres Geschichtchen ohne Biss und eine visuelle Umsetzung, die Szene für Szene betrachtet zwar ansehnlich wirkt, aber im wilden Stilmix nur den Zweck der Stimmungsmache erfüllt, sorgen für Ratlosigkeit und Langeweile.
Mangelndes Tempo ist eine der größten Sünden des Films. Es dauert einfach zu lange bis die Story Fahrt aufnimmt und sporadisch eingestreute technische Spielereien tragen nicht wirklich zur Ermunterung bei. Motive aus dem Teenager-Leben wie Scheidung der Eltern, schwieriges Verhältnis zum Vater und allgemeine Unangepasstheit sorgen lediglich für inhaltliche Stütze, damit diese dramaturgische Streichholzkonstruktion nicht sofort in sich zusammenkracht. Und ob irgendein Heranwachsender über zwölf sich bei Twilight gruseln wird, ist sehr fraglich. Da ist jede TV-Episode Supernatural spannender - wenn auch vielleicht lange nicht so romantisch.
Und das dürfte wohl auch das ausschlaggebende Argument sein. Die Romane aus der Feder von Stephenie Meyer des Twilight-Zyklus schlugen in den USA wie eine Granate ein. Über fünf Millionen Exemplare verkauft, 32 Wochen auf der New York Times Bestsellerlist und inzwischen in 20 Sprachen übersetzt. Eine verbotene Liebesbeziehung aus der Zwischenwelt von Lebenden und Untoten im Romeo und Julia Gewand, die den Nerv ihrer Zielgruppe ähnlich wie einstmals Harry Potter und der Stein der Weisen trifft. Dennoch: Für alle, die den Geist der klassischen Vampirstory hochhalten, als Vampire noch das Tageslicht fürchteten und kein Spiegelbild hatten, ist das hier nichts. |