Im Sommer 1964 flüchtet die 14-jährige Lily mit ihrer schwarzen Haushälterin vor ihrem Vater und den Rassisten zur letzten Adresse, an der ihre tote Mutter glücklich war. Dort wird sie von drei Schwestern aufgenommen, die mit einer feinen Honig-Produktion ihr Einkommen bestreiten. Gina Prince-Bythewood verfilmt Sue Monk Kidds Bestseller Die Bienenhüterin als ambitioniertes Melodram, das bittersüß von Selbstfindung, Schuld, Sühne und Vergebung erzählt. Dakota Fanning, Queen Latifah, Alicia Keys, Sophie Okonedo und Paul Bettany verschönern die soziale Utopie.
Im Juli 1964 gelingt der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der Durchbruch mit der juristischen Gleichstellung von schwarzen mit weißen Amerikanern. Gleichzeitig träumt auf einer heruntergekommenen Pfirsich-Farm die 14-jährige Lily Owen (Dakota Fanning) von ihrer Mutter. Ein Albtraum, denn es scheint, dass sie selbige als kleines Mädchen erschossen hat. Nun hat sie nichts außer dem schwachen Schutz der jungen Haushälterin Rosaleen (Jennifer Hudson). Die hofft nun als Schwarze ihrerseits auf ein besseres Leben und möchte sich deshalb in die Wählerliste eintragen.
Zuhause herrscht der brachiale Vater T. Ray (Paul Bettany). Der verrohte Redneck ist damit beschäftigt, die Farm über die Runden zu bringen, und lässt seine Tochter die Bitterkeit seines Lebens in jeder Sekunde spüren. So hat er zum Beispiel alle Spuren der Mutter sorgfältig getilgt. Nicht sorgfältig genug, denn ein Etikett mit der Adresse einer Schwarzen Madonna sowie einige Kleinigkeiten konnte Lily vor ihm verstecken.
Als Rosaleen von einigen Rassisten verprügelt wird und auch T. Ray wieder mal Hand an Lily legt, beschließen die beiden zu fliehen. Lily will mehr über ihre Mutter erfahren, über die T. Ray nur verlauten ließ, dass sie Lily nicht mochte. So tauchen sie eines Tages auf der Farm der drei Schwestern August (Queen Latifah), June (Alicia Keys) und May (Sophie Okonedo) im benachbarten Tiburon auf, jenem Ort, wo Lilys Mutter angeblich einmal glücklich war.
Die großherzige August nimmt die beiden auf und überlässt ihnen den Schuppen an der Rückwand zum Bienenhaus. Während Rosaleen im Haushalt hilft, lernt Lily von August das Handwerk der Honigproduktion und forscht heimlich nach Anhaltspunkten, die auf das Leben ihrer Mutter hinweisen. Derweil ist die resolute June nicht wirklich von der Aufnahme der beiden Streuner begeistert. Anderseits ist sie eigentlich mit allem unzufrieden und zeigt selbst gegen ihren Freund (Nate Parker) ständig die Krallen. Ihr krasses Gegenteil ist die traumatisierte und emotional labile May, die seit dem Tod ihrer Zwillingsschwester bei jedem Leid in Tränen ausbricht und Zettel in eine stetig wachsende Steinmauer steckt.
Unter dem Schutz der Schwarzen Madonna-Holzfigur im Wohnzimmer findet Lily nicht nur Ruhe sondern erstmals auch Geborgenheit, Vertrauen und mütterliche Liebe. Unter diesem familiären Schutz kann sich das Mädchen erstmals entfalten. Nicht nur, dass sie hinter die vielen Geheimnisse ihres zerrütteten Familienlebens kommt. Sie entwickelt auch Gefühle für den strebsamen Zach (Tristan Wilds), der den drei Schwestern immer wieder zur Hand geht. Allerdings sucht irgendwo noch immer T. Ray nach seiner Tochter...
Bürgerrechtsbewegung, Rassismus, Religion und Feminismus bilden den motivischen Hintergrund von Gina Prince-Bythewoods Leinwandvision nach Sue Monk Kidds autobiografisch gefärbtem Besteller von 2003. Das überaus ambitionierte Werk steht ganz im Zeichen der Versöhnung, was dazu führt, dass sein Melodram in sentimentaler Märchenhaftigkeit ausufert.
Die Filmemacherin kann der fast unübersichtlichen Anzahl an Motiven aus dem so breit angelegten Roman nicht Herr werden und reduziert sie im weiteren Verlauf der ordentlichen Erzählung auf einige wenige. So rückt die alles überragende und zentrale Schwarze Madonna nur kurz ins Blickfeld, um schließlich irgendwie zum Wohnzimmer-Accessoire zu verkümmern. Auch Mays Steinmauer wird aufgebaut, kommt aber nur wenig über eine gartenbauliche Funktion hinaus. Das liegt natürlich an der großartigen Vorlage, die sich nicht auf 110 Minuten gemütlicher Kinounterhaltung reduzieren lässt.
Grundsätzlich wollen weder die Regisseurin noch das Produzenten-Ensemble um Will Smith und Ehefrau Jada Pinkett-Smith in die politischen Vollen gehen: Vergangenheitsbewältigung - Was ist das? Für die soziale Wirklichkeit stehen drei prügelnde Rednecks und zwei getrennte Eingänge für "White" und "Coloured" in einem Kino. Nicht viel für eine Zeit, in der Lynchjustiz durchaus üblich war. Dafür gibt es den wunderbaren Gegensatz zwischen heruntergekommener weißer Pfirsichfarm und piekfeiner Idylle einer modernen afroamerikanischen Mittelklasse auf der Honigfarm. Durch diesen Zug ins Märchenhafte wird hier augenscheinlich Geschichtsklitterung betrieben. Die raue Wirklichkeit des schwarzen Landlebens 1964 sah wohl kaum so aus.
Viel lieber und umso intensiver stürzt sich Gina Prince-Bythewood auf die Themen Mutterliebe und Emanzipation. Hier gelingen ihr einige wunderbare Motive, die sie auch breit ausführt, schon weil Queen Latifah die perfekte Verkörperung dafür ist. Ihr gutmütiges und nachsichtiges Lächeln, ihr unerschütterlicher Glaube an das Gute und den Fortschritt, der selbst den Verlust der Schwester locker weg steckt, besitzt etwas so unglaublich Ansteckendes und Wohltuendes, dass man ihre August einfach mögen muss. Hier liegt generell das Geheimnis des Films: Man mag alle Figuren, wird von den Grundthemen Versöhnung und Vergebung überwältigt und läuft Gefahr, alles für bare Münze zu nehmen.
Dass man am Ende trotzdem nicht ganz zufrieden mit Die Bienenhüterin ist, liegt an der dramaturgischen Struktur der Erzählung. Zu früh und zu heftig wird hier auf die Tränendrüse gedrückt. Zu früh sind die Geheimnisse keine mehr, erweisen sich die Konflikte als all zu harmlos - selbst wenn sie wie im Fall von Zachs Rassisten-Prügel gewalttätig ausfallen.
Die Bienenhüterin gibt sich als großes Hollywood-Entertainment-Produkt, das emotional bewegen will, ohne sozial (-politisch) aufzuregen. Das Melodram sucht den Spagat zwischen einem schwarzen Publikum, das die eigene (Leidens-)Geschichte auf der Leinwand sehen will, und einem weißen Publikum, das von den Fehlern der Vergangenheit (?) nicht belästigt werden will. Deshalb wirkt die Erzählung mitunter so leicht, als würde Gina Prince-Bythewood von einer Variante von Huckleberry Finns Abenteuern berichten.
Das Drama funktioniert als märchenhafte Unterhaltung über starke Frauen und solche, die es werden wollen. Gerade emotional kann man sich mühelos fallen lassen und sich am Hohelied auf die starke (afroamerikanische) Frau und ihrer Leidensfähigkeit ergötzen. Schließlich wird alles gut?! Alle anderen wichtigen Themen bleiben nicht mehr als unangenehme Schatten im Hintergrund, denen die Filmemacher nicht zu nahe treten. Die honiggoldene Sonne überstrahlt alles so süß, als wäre nichts ernstlich geschehen.