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Die Entdeckung der Currywurst

(Die Entdeckung der Currywurst, 2008)

Dt.Start: 11. September 2008 Premiere: 22. Juni 2008 (Festival, Deutschland)
FSK: nicht bekannt Genre: Drama
Länge: 106 min Land: Deutschland
Darsteller: Barbara Sukowa (Lena Brücker), Alexander Khuon (Hermann Bremer), Wolfgang Böck (Holzinger), Branko Samarovski (Lammers), Götz Schubert (Gary Brücker), Frederick Lau (Jürgen Brücker), Astrid Meyerfeldt (Helga), Traute Höss (Frau Eckleben)
Regie: Ulla Wagner
Drehbuch: Uwe Timm, Ulla Wagner


Inhalt

Gegen Ende des zweiten Weltkrieges schlägt sich Lena, deren Mann und Sohn verschollen sind, tapfer durchs Leben. Sie nimmt es sich sogar heraus abends allein ins Kino zu gehen. Bei solch einem Ausflug lernt sie den jungen Soldaten Hermann kennen. Die beiden verbringen eine leidenschaftliche Nacht, obwohl der junge Mann Lenas Sohn sein könnte. Damit er nicht an die Front muss, versteckt sie ihn trotz des Risikos aufzufliegen in ihrer Wohnung. Als der Krieg zu Ende ist, wartet Lena einige Wochen, bis sie es Hermann mitteilt, obwohl dieser immer unruhiger wird und das Warten kaum noch aushalten kann.
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Kritik

Die Entdeckung der Currywurst hat eine Wertung von 65%
Ulla Wagner verfilmt Uwe Timm und klärt über die Herkunft des Lieblingsimbiss' der Deutschen auf. Im Frühjahr 1945 versteckt eine gestandene Köchin einen jungen Deserteur bei sich und verliebt sich in ihn. Später verheimlicht sie ihm, dass der Krieg vorbei ist und zerstört dadurch das Vertrauensverhältnis. Triumphale Leinwand-Rückkehr von Barbara Sukowa, die das ordentliche und sensible Werk ganz allein trägt und mit kleinen Gesten großes Kino erzeugt.

Bild aus Die Entdeckung der Currywurst Das Frühjahr 1945 sieht Hamburg in Trümmern liegen und die Amerikaner vor den Toren stehen. Doch der Krieg ist noch nicht vorbei. So muss die patente Köchin Lena Brückner (Barbara Sukowa) wie immer in letzter Zeit Kopf und Kragen riskieren, um zu ihrer Arbeitsstelle in einer Küche für Nazi-Bonzen zu gelangen. Bislang hat sich Lena nicht unterkriegen lassen, auch wenn der erwachsene Sohn und der entfremdete Ehemann schon lange verschollen sind. Dem Chaos in der Stadt begegnet sie mit einem Lachen und den Durchhalteparolen der Nazis tritt sie mit beißendem Witz entgegen. Sie lässt es sich sogar nicht nehmen, am Abend auch mal ins Kino zu gehen.

Bei einer solchen Gelegenheit lernt sie den jungen Marinesoldaten Hermann (Alexander Khuon) kennen, der fast ihr Sohn sein könnte. Ein Fliegeralarm bringt sie erst in einen Luftschutzkeller und schließlich zu ihr nach Hause. Nach einer leidenschaftlichen Nacht beschließt Hermann, sich nicht mehr beim Heimatschutzbataillon zurückzumelden. Eine gefährliche Entscheidung, werden doch Deserteure gnadenlos hingerichtet. Die Spitzel sind überall und jeder weiß über die Nachbarn alles. Andererseits kann der Krieg nicht mehr lange dauern. Im Frühling ist aus der Affäre längst eine intensive Liebe geworden. Lena genießt die Zeit, während Hermann immer unruhiger wird, weil er nur untätig abwarten kann. Immer wieder kontrolliert der Hausmeister mit seinem Zweitschlüssel die Wohnung. Doch dann ist der Krieg aus und alles könnte gut werden. Doch Lena will das unverhoffte Glück noch länger genießen. Wochenlang verschweigt sie Hermann die Nachricht vom Frieden...

Ulla Wagner verfilmt Uwe Timms ironische Novelle Die Entdeckung der Currywurst und setzt damit die Tradition der Filme über das III. Reich und den 2. Weltkrieg fort (Der Untergang, Sophie Scholl - Die letzten Tage u. a.). Aber anders als die preisgekrönten Vorgänger vermeidet Wagner eine politische Erörterung und setzt mit ihrer melodramatischen Liebesgeschichte auf kommerzielle Kinounterhaltung. In ihrem Mitteldrittel erinnert die Story ein wenig an Good Bye, Lenin!, ohne dessen komödiantischen Episoden aufzugreifen. Doch spürt man zu jeder Sekunde, dass es hier vornehmlich um das Gefühlsleben von Lena geht.

Vielmehr besticht Die Entdeckung der Currywurst durch die sensible Beschreibung einer starken Frau, die sich das Recht auf Glück leider zu Unrecht nimmt. Dafür legt die Regisseurin vor allem Wert auf ein sehr detailreiches Setdesign, das mit historischen Kostümen, Kulissen und Locations einen beeindruckenden Hintergrund erschafft. Kameramann Theo Bierkens entzündet so bewegende Bilder einer glaubhaften Endzeit-Atmosphäre. Wie schon der Fokus der Regisseurin auf Lenas Gefühlswelt verrät, steht und fällt der ganze Aufwand mit der lebensfrohen, gestandenen Hauptfigur. Lena bietet mit kesser Schnauze dem sterbenden System Paroli und wird gleichzeitig selbst zur Betrügerin, weil sie die ersehnte Liebe krampfhaft festhalten will.

Es ist Ulla Wagners Glück, dass sie Fassbinder-Ikone Barbara Sukowa für die Hauptrolle kriegen konnte. Ihre Präsenz und Performance hebt die ironische Kinounterhaltung auf ein ungeahntes Niveau. Mit spielerischer Leichtigkeit trägt Sukowa die gesamte Inszenierung und demonstriert, dass ihr Ruf, eine der besten Schauspielerinnen in Europa zu sein, durchaus begründet ist. Angesichts ihrer starken Performance, die alles überstrahlt, fragt man sich, warum die 58-jährige so wenig auf der Leinwand zu sehen ist (zuletzt in John Turturros Musical Romance & Cigarettes).

Die Entdeckung der Currywurst kann zwar nicht immer ein hohes Niveau halten, funktioniert aber am Ende trotzdem als einfühlsames Liebesdrama, das ausreichend Kinopotenzial besitzt, um sein Publikum ordentlich zu unterhalten. Wie die Currywurst entdeckt wird, wird allerdings nur nebenbei beschrieben.

von Harald Witz


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Dt. Start: 02. Okt 2003
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