Normalerweise sollte man sich eine ernstzunehmende Meinung über einen Film erst dann bilden, wenn man ihn tatsächlich gesehen hat. In manchen Fällen genügt aber schon ein flüchtiger Blick auf die Darsteller um die Zielgruppe des Films zu bestimmen und seine Qualität grob abschätzen zu können. Im Fall von Ran an die Braut schmücken z.B. klangvolle Namen wie Sisqo, Carmen Electra und Coolio die Liste der Mitwirkenden, allesamt einstweilige Belagerer der Mainstreamcharts oder Klatschspalten, als Hauptdarsteller versuchen sich der legendäre Ben Foster (Wer?) und Kirsten Dunst, die zuletzt als Host der MTV-Movie Awards fungierte. Mit der Kenntnis dieser Informationen kann man sich dann auch gleich die angepeilten Rezipienten dieser romantischen Komödie lebhaft vorstellen, die sich altersmäßig vermutlich in einem Rahmen zwischen 12 und 17 bewegen und zu deren Lieblingsregisseuren sicher nicht Emir Kusturica gehört.
Nachdem man sich innerlich also schon auf etwa 90 anspruchsfreihe Minuten vorbereitet hat, kann man seinen Denkapparat mit gutem Gewissen auf Standby schalten und sich dem Geschehen auf der Leinwand widmen, das sich sehr grob an Shakespeares "Sommernachtstraum" orientiert - das Stück wird im Film selbst später auch als Theateraufführung präsentiert und dient als Auflösung der Handlung. Die Story aus der Feder von R. Lee Fleming Jr. (Eine wie Keine) und die Leistung der Schauspieler sind natürlich durchaus zu vernachlässigen, da eigentlich alles austauschbar und nur bedingt originell ist, einzig Martin Short als schwuler Leiter der Theatergruppe ist mit seinem überdrehten Overacting noch einigermaßen sehenswert. Ran an die Braut ist mit Sicherheit kein guter Film, aber im Vergleich zu ähnlichen Teenie-Klamotten fällt zumindest positiv auf, dass sich der Humor, von zwei Ausnahmen abgesehen, nicht permanent unterhalb der in letzter Zeit leider viel zu oft angestrebten Fäkalgrenze tummelt und eher im Slapstick-Bereich angesiedelt ist.
Die Gags sind zu 90% recycelt und werden in irgendeinem Comedy-Streifen garantiert wieder vorkommen, ein paar Szenen können beim konditionierten Zuschauer aber zumindest den ein oder anderen Lachreflex auslösen. Ansonsten bekommt man eine herkömmliche Love-Story nach dem Baukastenprinzip vorgesetzt, die genauso mitreißend ist wie der Rest des Films, nämlich gar nicht. Andererseits fällt einem der Film dadurch, dass die Scherze nicht penetrant unter die Gürtellinie zielen, nicht so furchtbar auf die Nerven wie manch anderer, und wenn man sich erstmal damit abgefunden hat, dass man es hier noch nicht mal annähernd mit einem Geniestreich zu tun hat und das Eintrittsgeld oder die Leihgebühr sowieso nicht wiederbekommt, ist der Film durchaus erträglich und bietet einige gute Momente.
Man könnte Ran an die Braut mit zwei Maßstäben betrachten: Im allgemeinen Vergleich mit echten Filmen ist er nur Unterklasse, in seinem Genre der anspruchslosen Teeniekomödie gehört er jedoch noch zu den akzeptablen Werken. Wirklich empfehlenswert oder gar ein Must-See ist er definitiv nicht, aber das Erreichen eines neuen Tiefpunktes konnte man glücklicherweise auch vermeiden.