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Vier Taschendiebe werden von einer geheimnisvollen wie schönen Frau dazu überredet, ihrem Mann einen Safeschlüssel zu klauen. Leider ist der alte Mann ein Gangsterboss und bald machen die vier gewitzten Kleinganoven Bekanntschaft mit dessen Bodyguards. Johnnie To erzählt in seiner Krimikomödie Sparrow von einem ungewöhnlichen Liebesdienst. Mit Hilfe von Kelly Lin, Simon Yam und zahlreichen "Regulars" von Milkyway Productions gelingt eine gefühlvolle und beschwingte Hommage an seine Heimatstadt Hongkong - eine swingende Komödien-Mélange aus europäischer Nouvelle Vague und chinesischem Mainstream.
Swing ist die Musik für Taschendiebe. Kei (Simon Yam) und seine drei Partner, die er liebevoll Brüder nennt, begegnen dem Leben mit bescheidener Leichtigkeit. Sie durchstreifen den Großstadtdschungel wie neugierige Schmetterlinge und ihre Blüten sind die Brieftaschen anderer Leute. So sind ihre Diebstähle feine Choreografien, elegante Tänze um ein Opfer herum, das nicht bemerkt, dass es um seine Börse erleichtert wird. Und weil er den ganzen Tag mit fließenden und unbemerkten Bewegungen zu tun hat, pflegt der feinsinnige Kei das Hobby der Fotografie. Da kann er wenigstens den Moment in Schwarzweiß festhalten. Wie zum Beispiel die schöne und mysteriöse Chun Lei (Kelly Lin), die auffällig sein Treppen-Motiv kreuzt und sich als Nachbarin auf der anderen Straßenseite entpuppt. Allerdings verdreht die Unbekannte auch den anderen drei (Lam Ka-tung, Kenneth Cheung, Law Wing-cheong) in "zufälligen" Begegnungen den Kopf. Wie das so ist, wenn eine Femme fatale ins glückliche Leben einbricht, verfliegt bald die Leichtigkeit, die bislang auch aus launigen gemeinsamen Unternehmungen, Glückspiel und Genuss bestand.
Aber Kai und seinen faszinierten Mannen ist nicht entgangen, dass Chun von Leibwächtern umschwärmt wird, denen sie alltäglich versucht, zu entwischen. Die stellen sich den Vieren bald schmerzhaft vor, denn die Festland-Chinesin ist die Gespielin des alten Obergangsters Mr. Fu (Lo Hoi Pang), einst selbst ein erfolgreicher Taschendieb, nun ein reicher Businessman. Seine rechte Hand (Lam Suet) trägt dafür Sorge, dass niemand der Schönen zu nahe kommt. Das hindert Chun Lei nicht, den vier Taschendieben einen Gefallen abzuringen. Sie sollen den Schlüssel für Mr. Fu's Safe stehlen, in dem ihr Pass liegt. Mit diesem könnte sie Hongkong endlich verlassen und nach China zurückkehren...
Seit Johnnie To fast alljährlich Urlaub in Italien macht, um sich auf Festivals wie dem FAREASTFILM in Udine zu präsentieren, hat er das westliche Kino für sich entdeckt. Sein Sparrow ist eine feinsinnige und unterhaltsame Melange aus Nouvelle Vague, amerikanischer Gangsterkomödie und herrlichem Mainstream-Kino im typischen Johnnie To-Stil. Die Swingmusik von Xavier Jamaux and Fred Avril bildet den Rhythmus für eine melancholisch-liebenswerte Reise durch Hongkong. Gemächlich, weil vornehmlich mit dem Fahrrad unterwegs, bewegt sich Kei auf Motivsuche für seine alte Rolleiflex-Kamera durch die Straßen seiner Stadt. Es sind vornehmlich die alten und vom Baurausch bedrohten Ecken, die er für die Ewigkeit bewahrt, wodurch der Regisseur hier ganz nebenbei eine spielerische Hommage an seine Heimatstadt hinlegt. Da meint man auch so manchen Spielort früherer To-Filme zu entdecken. Seine Fans sind nicht überrascht, dass sich To nicht auf ein bestimmtes Genre festlegt, auch wenn das Milieu der großen und kleinen Gangster hier den Hintergrund bildet. Immerhin ist der Mann, hinter dem eigentlich die seit Jahren gut geschmierte Maschinerie von Milkyway Productions steht, eigentlich in jedem Genre zuhause. So gelingt auch die mitunter schwierige Balance zwischen den Komödien-Elementen, ernsteren Gangsterfilm-Motiven sowie zarten Momenten unausgesprochener Zuneigung (oder Manipulation). Aber nur einmal lässt der Regisseur die Handlung in einen kurzen Gewaltexzess ausarten, wenn Kei die Bodyguards näher kennen lernt.
Getragen vom Jazz spielt To liebevoll mit seinen Figuren, seiner Handlung und den Zuschauern. Anders als bei Election, wo er ebenfalls der Leichtigkeit frönte, nur um dann mit einem äußerst brutalen Finale zu überraschen, bleibt To diesmal gut gelaunt und gönnt sich den Gag, seine Figuren als spielende Kinder zu zeichnen. Da greint der eine Verlierer wie ein Bubi, während der andere sich wie eine beleidigte Leberwurst erst einmal abwenden muss, um seine Gefühle unter Kontrolle zu bringen. Umrahmt wird das Ganze vom Titelgebenden Sperling, der ja eigentlich Unglück bringen soll, sich hier eher als gewitzter Initiator der Ereignisse hervortut.
To's Unterhaltung hinterlässt zahlreiche starke Bilder in den Köpfen der Zuschauer (Kamera: Cheng Siu-keung). Der radelnde Kei oder der Tanz der Regenschirme im illustren Showdown bleiben auf jeden Fall haften. Johnnie To pflegt seinen bekannten lässigen Mood, ohne dabei in die schwülstige Stilisierung eines In the Mood for Love zu verfallen. Er weiß, was er dem Mainstream-Publikum zumuten kann und was nicht. Sein Sparrow ist ein leichter Diebes- und Liebestanz geworden, der mit zärtlichen Wendungen überrascht und einmal mehr demonstriert, dass Hongkong-Kino mehr ist als Martial Arts, Heroic Bloodshed oder Swordsplay. |