Oliver Stone gelang es, The Doors und natürlich vor allem Jim Morrison ein filmisches Denkmal zu setzen. Dabei zeigt er in teils hypnotischen Bildern eine relativ freie Interpretation der Geschichte. Inwiefern wirklich passiert ist, was uns Stone zeigt, wissen bestenfalls Fans der Band. Was man als Zuschauer aber geboten bekommt, ist in jeder Hinsicht beeindruckend und bestätigt The Doors als einen der besten Filme, der je über eine Band gemacht wurde.
Viele Regisseure versuchten sich daran, die Geschichten legendärer Musiker zu verfilmen. Dies führte zu Filmen wie Ray, Walk the Line, oder dem interessanten aber leider relativ missglückten Experiment I'm Not There. Beinahe 20 Jahre lang rankten sich Mythen und Gerüchte um eine eventuelle filmische Umsetzung der Geschichte von "The Doors". Schließlich war es kein geringerer als Oliver Stone (Natural Born Killers), der 1991 The Doors auf die Leinwand brachte.
Die Verantwortung die auf den Filmemachern lastet, um Fans nicht zu enttäuschen und keine Legende zu entehren, ist bei derartigen Projekten natürlich immer enorm. Doch wer, wenn nicht Oliver Stone, der damals sicherlich seine Hoch-Zeit hatte, hätte sich besser einer derartigen Herausforderung stellen können. Tatsächlich ist Stone mit The Doors ein Werk gelungen, das sowohl technisch als auch atmosphärisch durchgehend überzeugen kann. Mit beeindruckenden Bildern und dem ausschließlich aus Songs der Band bestehenden Soundtrack transportiert The Doors das Lebensgefühl der 60er und das berauschte Leben Morrisons perfekt und macht beides auf faszinierende Weise greifbar. Erwähnenswert ist, dass Val Kilmer (Kiss, Kiss, Bang, Bang) einige Gesangsparts selbst übernahm und dabei stimmlich seinem Vorbild erstaunlich nahe kam.
Die Ähnlichkeiten der Schauspieler mit ihren realen Vorbildern sind verblüffend. Besonders natürlich Val Kilmer, der auch Morrisons tatsächlicher Bruder hätte sein können, kann durchweg überzeugen. Er liefert als psychotischer, drogenabhängiger und selbstzerstörerischer Doors-Frontmann eine der bis dahin sicherlich besten Leistungen seiner Karriere ab. Angeblich soll Oliver Stone während des Drehs versucht haben, unter Aufsicht eines Arztes, Kilmer geringe Dosen Heroin verabreichen zu lassen, damit dieser sich besser in seine Rolle finden kann. Kilmer weigerte sich, soll aber während der Drehzeit mit anderen Drogen experimentiert haben, was man zu gern glaubt, wenn man ihn sieht, wie er durch den Film wankt.
Auch der Rest der Band sieht seinen realen Vorbildern erstaunlich ähnlich. So erweist sich nicht nur Kyle MacLachlan (Blue Velvet) in der Rolle des Organisten Ray Manzarek als Idealbesetzung. Auch Kevin Dillon, der schon 1986 für Oliver Stone in Platoon vor der Kamera stand, überzeugt als Drummer Jon Densmore, ebenso wie Frank Whaley als Gittarist Robby Krieger.
The Doors ist keine Dokumentation, sondern viel mehr eine sehr freie Interpretation Oliver Stones der Bandgeschichte. So veränderte er zahlreiche Fakten beliebig und schlug dabei auch ein wenig über die Stränge. Am häufigsten diskutiert wurde in diesem Zusammenhang vor allem eine Szene, in der Morrison seine Freundin Pamela (Meg Ryan, In the Land of Woman) in einen Kleiderschrank sperrt und diesen anzündet. Auch der Auftritt der Band bei der Ed-Sullivan-Show bei dem sie "Light my fire" perfomten, war weit weniger spektakulär, als es im Film dargestellt wurde. Außerdem wurde der Song nie für Werbezwecke verwendet.
Um die Band detailgetreu darzustellen, nahm sich Stone die verbliebenen Bandmitglieder zur Hilfe. Ray Manzarek, den Oliver Stone vom Drehort entfernen lies, weil er ihm zu sehr in seine Version der Geschichte herein redete, verweist in seiner Autobiografie darauf, dass Stone, trotz umfangreichen Dokumentationsmaterials, anscheinend absichtlich einige Verfälschungen einbaute. Er selbst ist der Meinung, dass The Doors ein guter, aber kein faktengetreuer Film ist.