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Glaubensfrage

(Doubt, 2008)

Dt.Start: 05. Februar 2009
DVD: 18. Juli 2009
Premiere: 12. Dezember 2008 (USA)
FSK: ab 6 Genre: Drama
Länge: 104 min Land: USA
Darsteller: Meryl Streep (Schwester Aloysius Beauvier), Philip Seymour Hoffman (Pater Brendan Flynn), Amy Adams (Schwester James), Viola Davis (Mrs. Miller), Alice Drummond (Schwester Veronica), Audrie J. Neenan (Schwester Raymond), Susan Blommaert (Mrs. Carson), Carrie Preston (Christine Hurley), John Costelloe (Warren Hurley), Lloyd Clay Brown (Jimmy Hurley), Joseph Foster (Donald Muller), Bridget Megan Clark (Noreen Horan), Mike Roukis (William London), Haklar Dezso (Zither Player), Frank Shanley (Kevin)
Regie: John Patrick Shanley
Drehbuch: John Patrick Shanley


Inhalt

An einer katholischen Klosterschule stehen sich verschieden Auffassungen von Erziehung gegenüber. Die erzkonservative Direktorin und Nonne Schwester Beauvier glaubt, dass die Schüler nur durch Angst und Disziplin geschliffen werden können. Pater Flynn ist nicht nur fürsorglicher, er hat auch eine offenere Geisteshaltung. Als ihn eines Tages eine andere Nonne im Verdacht hat, sich dem einzigen schwarzen Jungen an der Schule unsittsam genähert zu haben, startet die Direktorin einen persönlichen Feldzug gegen ihn. Unklar ist, ob dies zum Wohle des Schülers geschieht oder sie die Chance sieht, Flynn loszuwerden.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Glaubensfrage hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 73%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Glaubensfrage hat eine Wertung von 73%
Sich in religiöse Untiefen vorzuwagen birgt Risiken. Es gibt kaum Institutionen, die eigenes Fehlverhalten derart gerne bedeckt halten und lieber "intern regeln", wie die Kirchen. Umso schwieriger eine Geschichte über möglichen sexuellen Missbrauch innerhalb der beschützenden Mauern zu erzählen. Wenn sich noch Denunziantentum, blinder Gehorsam und das Streben nach Machterhalt hinzugesellen, sind jene Motive versammelt, die dem Bewanderten eine spannende Geschichte entstehen lassen, aber Außenstehenden eher Übelkeit verursachen. Sehenswert, aber nicht für jeden empfehlenswert.

Bild aus Glaubensfrage Mitte der 60er herrschte in den USA Aufbruchsstimmung: Gerade hatte diese Nation das Trauma um die Ermordung John F. Kennedys halbwegs verdaut; Kennedys Bestrebungen die Gesellschaft zu öffnen und für alle Bevölkerungsgruppen gleiche Rechte durchzusetzen, hallten aber nach. Noch standen sich das neue, modernere Amerika und die Strukturen des konservativen Denkens, welche sich vor allem auch in strengen religiösen Kreisen und Institutionen zeigte, aber als Gegensätze gegenüber.

Aber sogar dort hält allmählich der politische Frühling Einzug. 1964: In der von Priestern und Nonnen geführten St. Nicholas Schule in der Bronx, wird zum ersten Male ein farbiger Junge, Donald Miller (Joseph Foster II), als Schüler aufgenommen. Ein Außenseiter, der von seinen weißen Mitschülern ständig getriezt und gehänselt wird. Der lebensbejahende und fürsorgliche Pater Flynn (Philip Seymour Hoffmann) nimmt sich des Jungen an und gibt ihm sogar als Messdiener eine Chance.

Soviel Aufmerksamkeit hält die grimmige, stets auf Disziplin bedachte, Direktorin Schwester Aloysius Beauvier (Meryl Streep) nicht für angebracht. Ihrer Meinung nach sind Zucht, Ordnung, Glaube und Furcht die Kräfte allein, welche aus den Schülern anständige Menschen machen. Mit eiserner Faust führt sie ein strenges Regiment. Die Methoden des liberalen Paters mögen ihr zwar nicht passen, aber da er ihr rangmäßig übergeordnet ist, hält sie sich mit offener Kritik zurück.

Pater Flynn ist mit seinen Ansichten nicht alleine: Die junge Schwester James (Amy Adams), scheint zwar hoffnungslos-naiv, ist aber voll der Hoffnung und des Glaubens, mit den Kindern pädagogisch anders umgehen zu können. Sie hält an einer liebevolleren Form des Unterrichts und des Miteinanders fest. Die strengen Methoden Schwester Beauviers hält sie hingegen nicht für richtig. Pater Flynn bewundert sie inständig - vielleicht sogar mehr als das. Dennoch: Eines Tages meint sie beobachtet zu haben, dass Pater Flynn seine berufliche Aufmerksamkeit dem jungen Donald gegenüber, aufs "Private" ausgedehnt hat. In blinder Pflichterfüllung meldet sie das sofort Schwester Beauvier, die auf solch eine Gelegenheit nur gelauert hat.

Mit den Oskarpreisträgern Meryl Streep und Philip Seymour Hoffman hat man diese stille aber sehr intensive Geschichte mit gleich zwei bärenstarken Könnern des Charakterfaches besetzt. Das war auch nötig, andernfalls bestünde eindeutig die Gefahr das psychologische Duell kippe zugunsten der einen oder anderen Seite. So ist man als Zuschauer gefangen und sitzt zwischen den Stühlen. Anfangs mögen noch die Sympathien eindeutig verteilt sein: Streep spielt die böse Hexe in Nonnentracht, Hoffman ist der gute Hirte und Vorreiter eines aufgeklärten Denkens und die Junge Nonne, von Amy Adams gegeben, nimmt den Platz der Gutherzig-Gefühlvollen ein, der man keine Schlechtigkeit zutraut.

Diese simplen Charakterbilder lösen sich dramaturgisch schnell auf. Sicher umschifft der Plot die Untiefen der Stereotypenfahrwasser. Sieht anfangs alles noch nach einer Form moderner Inquisition aus und dem Versuch, den unangenehmen Vorgesetzten, der zuviel neumodisches Gedankengut ins rigide geführte Regiment bringt, loszuwerden, kann man bald nicht umhin, auch einige Sympathien für die gestrenge Ordenschwester zu entwickeln. Sie mag zwar ein religiöser Komisskopf sein, hat aber auf ihre Weise tatsächlich gute Absichten. Nach und nach wird so der Zweifel im Kopf des Zuschauers genährt, und bald ist man gar nicht mehr sicher, ob der gute Pater wirklich frei von Schuld ist.

Sicher ein Verdienst, der sich klar abhebenden Protagonisten, aber auch einer Story, die subtil und unterschwellig inszeniert ist, brisanten Sprengstoff beinhaltet und sich in verschiene Nebenkriegsschauplätze ausdehnt. Einer dieser ist die "elektrisierte Beziehung" zwischen der jungen Schwester James und Pater Flynn: Fragt man sich zu Beginn noch, ob es nur Bewunderung ist, vermutet man bald, es könne zu amourösen Handlungen zwischen den beiden kommen. Stattdessen prangert die junge Schwester ihn bei ihrer Vorgesetzten an. Der Anlass dafür scheint nicht wirklich plausibel; vor allem für den Zuschauer. Vielleicht ist aber eben das der Kniff, um die Absurdität der Denkschemata in diesen Kreisen vorzuführen.

Zweifel bleibt Hauptthema und Kernmotiv des Films. Zweifel an der Schuld oder Unschuld der Charaktere, Zweifel an der Aufrichtigkeit und Rechtschaffenheit der Beweggründe und Zweifel an den guten Absichten. Niemand scheint völlig frei von Makel und der Film hinterlässt viele Fragen im Kopf. Obschon eine gute Geschichte und überzeugend gemimt, bleibt dennoch kein zufrieden stellender Gesamteindruck zurück. Nicht wirklich aufwühlend, nicht ernstlich Dogmatismus anprangernd, aber auch nicht plump schwarz-weiß malend, verharrt alles in Zwischentönen. Wer so was mag, ist mit Glaubensfrage gut beraten.



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