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La Zona

(La Zona, 2007)

Durchschnittliche Redaktionswertung

80%



Inhalt

Drei Jugendliche brechen in die mit Mauern und Stacheldraht abgesicherte Siedlung "La Zona" in Mexico City ein. Womit sie am wenigsten rechneten ist die Selbstjustiz der Bewohner, die lieber zuerst schießen und danach fragen, und die mit der Polizei ebenso wenig zu tun haben wollen wie die Diebe und Einbrecher selbst.

Kritik

von Julian Reischl

Wertung Kritik

80%

Ein bedrückender Film über Selbstjustiz, der als Krimi anfängt, sich zum Thriller ausweitet und schließlich in ein Drama übergeht. Das Kino-Erstlingswerk eines spät berufenen jungen Regisseurs aus Uruguay hat bereits eine Menge Preise auf internationalen Festivals abgeräumt und verdient ein aufgeschlossenes Publikum.

Bild aus La Zona Wenn die Behörden Armut und Kriminalität in einer Stadt nicht mehr Herr wird, erlaubt er meistens die Bildung von so genannten "Gated Communities". Dies sind Siedlungen, die durch hohe Mauern, Kameras und bewaffnete private Sicherheitsdienste vor der bösen Außenwelt geschützt sind. Drinnen lebt es sich wie im Paradies, während draußen die Zivilisation den Bach hinunter geht.

In so einer Stadt-in-Stadt lebt Alejandro. Der 16-jährige hat, wie alle dort, reiche Eltern, geht auf eine Privatschule auf dem Gelände und kennt Armut nur aus dem Fernsehen. Zum Geburtstag bekommt er eine Videokamera geschenkt, seine Freunde sprechen ihm Glückwünsche ins Objektiv. Doch draußen, hinter der Mauer, in einer der ärmsten Gegenden von Mexico City, bahnt sich eine Tragödie an: Während eines Sturms kippt eine große Reklametafel auf die Mauer, reißt sie ein Stück weit ein. Die verwundene Stahlkonstruktion des Mastes, auf dem sie gestanden war, reicht nun wie eine seltsame Brücke vom Armenviertel in die Siedlung "La Zona". Noch in der Nacht und im Schutze des Unwetters klettern drei bettelarme Jugendliche hinüber, um zu stehlen. Am nächsten Morgen liegen vier Leichen in La Zona.

Während die Bewohner der Siedlung zunächst zu Tode geschockt sind, weil sie ihre Verwundbarkeit erkennen, stellen die gewählten Vertreter der Bewohner schnell fest, dass sie ein handfestes Problem haben: Zwei der Leichen gehören zu den drei Einbrechern, der dritte Tote ist ein Wachmann, den ein nervöser, aber bewaffneter Anwohner mit einem der Einbrecher verwechselt hat, und außerdem ist die Bewohnerin des Hauses, in dem zuerst eingebrochen wurde, niedergeschlagen und erwürgt worden.

Schnell sprechen sich Gerardo, der Chef der Wache, und Alejandros Vater Daniel ab, dass keinesfalls die Polizei gerufen werden darf. Denn der Sonderstatus der Zone bleibt auf richterliches Geheiß nur so lange bestehen, solange dort kein unnatürlicher Todesfall eintritt. Der Nachbar, der den Wachmann auf dem Gewissen hat, wird von der Notwendigkeit der Schweigsamkeit überzeugt, die Polizei, der doch von irgendjemandem Schüsse gemeldet worden sind, wird nicht einmal in die Siedlung gelassen, die Leichen entsorgt.

Als die Nachricht die Runde macht, dass ein dritter Täter noch in der Siedlung sein muss, schließt sich Alejandro seinen Freunden an und unternimmt, wie die Erwachsenen, eine eigene Suchaktion. Bewaffnet und zu allem entschlossen. Was er jedoch nicht erwartet hat: Dass sie den dritten Täter auch tatsächlich finden. Und vor allem, dass dieser, Miguel, nicht unbedingt ein schlechter Typ ist. Auf keinen Fall ist der Junge jedoch ein Mörder und verdient die Selbstjustiz der Bewohner.

Während von außen ein ambitionierter Kommissar sowie die Mutter des vermissten Miguel versuchen, in die Siedlung zu kommen bzw. dort zu ermitteln, versucht drinnen Alejandro Miguel sicher wieder nach draußen zu bekommen.

Normalerweise sind es Zombiefilme, in denen Überlebende einer globalen Katastrophe Schutz in einer Enklave finden, sei dies ein Einkaufszentrum, eine abgeschottete Wohnung oder eben eine ummauerte Siedlung. In Rodrigo Plás erstem abendfüllenden Kinofilm stellt sich die Flucht aus so einer geschützten Umgebung als Problem dar. Der schöne Schein einer absolut sicheren Welt inmitten des Chaos und der Anarchie stellt sich bald als goldener Käfig heraus. Die wahren Zombies sind die Einwohner selbst, während draußen eigentlich nur ganz normale, aber eben arme Menschen wohnen. Die moralische Zerfressenheit dieser Trennung ist das zentrale Thema von Plás kleinem Meisterwerk, denn während man oberflächlich nur das Anprangern einer Zweiklassengesellschaft in den Film hineininterpretieren kann, schwingt unterschwellig stets die Botschaft mit, dass ein jeder bei sich selbst anfangen kann, diese Welt zu verbessern.

Dreh- und Angelpunkt des Films ist die Figur des Alejandro, der als Zeuge der Ereignisse zunächst unbeteiligt beobachtet, dann aber durch die Bekanntschaft zu Miguel mit in die Verantwortung gerissen wird. Während Vater Daniel und seine Bekannten allesamt zu verbohrt sind, um ein verhältnismäßig kleines Problem überhaupt zu erkennen und das Richtige zu tun, scheint Alejandro sich bald als einzig normal denkender in der ganzen Angelegenheit herauszukristallisieren.

Plá lässt auch nicht unerwähnt, dass die Behörden nicht unbedingt vorurteilsfrei mit solchen Problemen umgehen. Der ermittelnde Kommissar Rigoberto scheint zwar über nicht wenige aufrichtige Fasern und sogar ein eigenes Rückgrat zu verfügen, ist aber selbst in den korrupten Beamtenapparat eingebunden, was ihm bisweilen die Hände zu binden droht.

Eine vielschichtige, hintersinnige Geschichte aus der ganz normalen Alltagswelt Mexikos, vielleicht ein wenig überzeichnet, aber sicherlich nicht an den Haaren herbeigezogen. Der Film erhielt Auszeichnungen auf den Filmfestivals von unter anderem Venedig, Toronto, Athen, Stockholm und Montréal. Von Machart und Geschichte her erinnert er an Tsotsi, von der Ausstattung, Optik und Verhalten der Siedlungsbewohner an Die Frauen von Stepford und Die Truman Show, von der Verkommenheit der Welt jedoch am ehesten an Dawn of the Dead.

Keine weitere Wertung


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