Nachdem sich die Deutschen Filmemacher bei den Animationsfilmen an die europäische Spitze katapultiert haben und die Adaptionen bekannter Kinderbücher ebenfalls eine herausragende Qualität erreicht haben, ist es an der Zeit, auch mit Eigenentwicklungen die Kinos zu erobern. Erna Schmidt (Regie) und Martin Dolejs (Drehbuch) haben sich dafür ein besonders schwieriges Thema herausgesucht: die Zeitreise.
Nicht immer gelingen diese fantastischen Geschichten, wie man zuletzt bei Felix 2 - Der Hase und die verflixte Zeitmaschine eindringlich sehen konnte. Doch Dolejs hat sich ein liebenswertes und spannendes Mädchenabenteuer ausgedacht und Erna Schmidt hat es aufwändig und mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt:
Als ihre Eltern beschließen, Sylvester in der abgelegenen uralten Familienvilla im Gebirge zu verbringen, ahnt die 10-jährige Stella (Laura Berschuk) noch nicht, welch Abenteuer ihr bevorsteht. Doch sie durchstöbert aufgeregt das Anwesen und entdeckt ein Portal in die Vergangenheit. Hundert Jahre reist sie in die Vergangenheit und trifft im Jahre 1905 auf die etwa gleichaltrigen Geschwister Clementine (Hanna Schwamborn) und Gustav (Julius Römer), ihre Urgroßmutter und ihr Urgroßonkel.
Die sind natürlich nicht schlecht erstaunt über das Mädchen mit den merkwürdigen Schuhen (Moonboots) und der seltsamen Sprache ("cool"). Aber ihre Gedanken kreisen ohnehin um wichtigere Dinge. Ihr Vater ist schwer verschuldet und der Familienbesitz soll verkauft werden. Da kommt Stella mit ihrem Wissen aus der Zukunft gerade recht, denn in der Familie kursieren seit langem die Geschichten vom skurrilen Erfinder-Urahn, der auch einen Schatz besaß, den Stern des Orients. Also machen sich die Kinder mit Hilfe eines Amuletts auf die Entdeckungsreise durch die verschneite Winterlandschaft.
Doch sie sind nicht lange allein. Zwei Ganoven verfolgen sie mit ihrem nagelneuen Automobil und sind nicht zum Scherzen aufgelegt. Andererseits hatten es der arrogante Dr. Lodeus (Hans-Martin Stier) und sein windiger Gehilfe Kleinheinz (Axel Prahl) noch nie mit einem emanzipierten Mädchen aus der Zukunft zu tun.
Stella und der Stern des Orients orientiert sich bei seiner Konstruktion seines Duells zwischen Erwachsenen und Kindern ganz an den bekannten Vorbildern wie Kevin - Allein zu Haus. Die heiter-spannende Schnitzeljagd bietet clevere Kinder und trottelige Bösewichter, denen die Sache sichtlich über den Kopf wächst.
Das Hauptaugenmerk von Regisseurin Schmidt liegt aber in den kulturellen Unterschieden zwischen den Generationen, aus denen so manche Verwirrung entsteht und die es zu überwinden gilt. Das gibt den Produktionsdesignern um Agi Dawaachu und Kostümbildnern um Wiebke Kratz Gelegenheit, die vorige Jahrhundertwende detailreich in Szene zu setzen.
Und natürlich dürfen bei einem solchen Szenario die zahlreichen Anspielungen und Hommagen nicht fehlen, z. B. auf James Bond. Gleichzeitig kreieren sie die Botschaften von der Emanzipation der Kinder gegenüber der Bevormundung durch Erwachsene, von der Kraft, dass jeder über sich hinauswachsen kann, und natürlich von der Freundschaft, die über ganze Epochen hinweg reicht. Auch wenn so manche Wendung etwas ungelenk wirkt, so steckt doch viel Witz in der Generationenübergreifenden Zusammenarbeit der Kinder, die durch kindgerechte Spannung und zärtliche Nostalgie angereichert ist. So weiß der Deutsche Kinderfilm auch ohne Animation und Vorlage zu überzeugen.