Tief bewegendes, auf einer umstrittenen Biographie basierendes Drama um ein junges Mädchen, das für einen sinnlosen Krieg zu einer Kindersoldatin ausgebildet wird. Die einfühlsame Dramaturgie und die hervorragenden Leistungen der völlig unbekannten Darsteller heben Feuerherz in die Reihe der Kriegsdramen, die man unbedingt sehen sollte, auch wenn man nicht wirklich will.
Gerade mal zehn Jahre ist Awet alt, als sie zwischen die Fronten des Eritreischen Unabhängigkeitskrieges mit Äthiopien gerät. Nach einer halbwegs behüteten Kindheit im Kloster eines italienischen Ordens muss Awet schnell erwachsen werden, als sie völlig überraschend von ihrer Schwester abgeholt und zum bis dato unbekannten Vater gebracht wird. Der spielt sich in einem kleinen Dorf wegen einer Narbe als Freiheitskämpfer auf und übergibt seine beiden Töchter kurzerhand der örtlichen Rekrutierungsstelle der Rebellen.
Von einem Tag auf den anderen sind Awet und ihre nur ein paar Jahre ältere Schwester Freweyni nun Teil der Untergrundbewegung zur Befreiung Eritreas geworden. In einem Lager voller bewaffneter Fanatiker bekommen sie nichts zu Essen, aber dafür Durchhalteparolen und Lügengeschichten über die Konkurrenz aufgetischt. Die Gegner der Rebellen-Splittergruppe sind übrigens gar nicht mal die Äthiopischen Besatzer, sondern die anderen Rebellen-Splittergruppen, von denen man nur Unehrenhaftes hört - eine Situation, die mit bitterem Nachgeschmack an Das Leben des Brian erinnert. In Dörfern wird mit Waffengewalt Nahrung geraubt, und alles unter dem Deckmäntelchen der zu erkämpfenden Unabhängigkeit.
Für Awet und die anderen Kinder des Lagers, die eigentlich zu klein zum Kämpfen sind, dann aber plötzlich von der radikalpatriotischen Ma'aza aus blindem Rachedurst bewaffnet werden, stellt sich der Krieg als eine Art Räuber und Gendarm-Spiel heraus, nur dass eben liegenbleibt, wer getroffen wurde. In Afrika sind Tod und Sterben natürlich Alltag (auch heute noch liegt die eritreische Geburtenrate bei 4,8 Kindern pro Frau, die Lebenserwartung bei 61 Jahren), daher sehen die Kinder die Greuel des Krieges zunächst nicht als solche.
Basierend auf der gleichnamigen Autobiographie von Senait Mehari, wurde Feuerherz von Luigi Falorni (Oscarnominierung für Die Geschichte vom weinenden Kamel) sehr feinfühlig inszeniert. Als Awet, das alter ego der Senait Mehari, fand Falorni die zehnjährige Letekidan Micael in Nairobi. Sie trägt den kompletten Film mit unglaublicher Energie, ihr ist die Tatsache, dass sie bewusst für eine Kamera schauspielert, nur in ganz wenigen Szenen anzusehen.
Die Entwicklung des kleinen Mädchens zu einer bewaffneten Kindersoldatin schleicht sich so unauffällig in die Dramaturgie, dass dies erst nach dem Film auffällt. Die Buchvorlage war in ihrem Wahrheitsgehalt umstritten: Eine im Buch genannte angeblich brutale Ausbilderin der Kindersoldaten, die wie Mehari in Deutschland Asyl bekommen hatte, zeigte die Autorin wegen übler Nachrede an. Der Film erlitt dadurch zur Berlinale 2008 einen Imageschaden, die Klägerin und Mehari einigten sich jedoch angeblich außergerichtlich. Die fotogene Autorin der Vorlage ist hierzulande übrigens auch als Sängerin bekannt und im Titelsong "One of Us" des empfehlenswerten Soundtracks von Stephan Massimo zu hören.
Abgsehen von den Streitigkeiten um die Richtigkeit der Angaben in Meharis Buch muss festgehalten werden, dass Luigi Falorni ein hervorragendes Drama zum Thema Kindersoldaten gedreht hat. Auch wenn Details nicht stimmen sollten, kann das ganze Drama problemlos auf jeden anderen perversen Krieg, in dem Kinder töten und sterben, transferiert werden. Keine leichte Kinokost für den netten Abend, sondern starker Tobak. Gerade deshalb umso empfehlenswerter.