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Die Qing-Dynastie wird von der Taipeng-Rebellion erschüttert. Ein desillusionierter General verbündet sich mit zwei Rebellenführern und erobert weite Ländereien. Statt ihre wachsende Macht für die Menschen zu nutzen, entzweien sich die Blutsbrüder über eine unglückliche Liebesaffäre und verraten ihre Ideale. Der renommierte Filmemacher Peter Chan erweitert einen 70er Swordsplay-Klassiker dank seiner Starbesetzung mit Jet Li, Andy Lau und Takeshi Kaneshiro zu einem bewegenden und beeindruckenden Epos über die moralische Korruption von Macht und Krieg: The Warlords.
Es gehört für Regisseure im chinesischen Kino zum guten Ton, einmal einen sogenannten "Swordsplay"-Film gedreht zu haben. Da ist es besonders praktisch, wenn dieses Genre gerade mehr "in" ist als je zuvor und sich die Produktionsverhältnisse in der Volksrepublik als gleichbleibend günstig anbieten. Seit Ang Lees Tiger & Dragon haben auch die westlichen Zuschauer die chinesischen Kostüm- und Kriegsepen entdeckt. Und seit Zhang Yimous prachtvollem Hero dürfen sich immer mehr Genre-Vertreter Hoffnungen auf einen internationalen Einsatz jenseits des "Pacific Rim" machen, den asiatischen Ländern am Pazifik. Peter Chan ist in Hongkong ein renommierter Produzent und Filmemacher, der sich Deutschland in den Neunziger Jahren mit den Arthouse-Dramen Hongkong Love Affair und Der Liebesbrief einen Namen gemacht hat. Nun platzt er mit einem überragenden Swordsplay-Epos ins hiesige Mainstream-Kino und könnte für die erste Kinoüberraschung 2009 sorgen. Für seine Big Budget-Produktion The Warlords konnte er nicht nur die Hongkong-Superstars Andy Lau und Takeshi Kaneshiro engagieren sondern auch den international operierenden Jet Li. Der konnte für sein Engagement die höchste Gage einstreichen, die je in Hongkong gezahlt wurde (umgerechnet $13 Mio.).
Das alles macht noch keinen guten Film, der zunächst nur ein Remake des 70er Jahre-Hits Blood Brothers (1972, Cheng Cheh) werden sollte. Doch nach intensiver Drehbuchentwicklung und einer aufwändigen wie straffen Produktion wurde daraus ein breit angelegtes Epos vor dem Hintergrund der Taiping-Rebellion Mitte des 19. Jahrhunderts:
Im Gefolge des Opiumkrieges ist die Qing-Dynastie erschüttert, das Land zerrüttet und die Bevölkerung ausgezehrt. Die Provinzfürsten führen versteckte Intrigen und offene Kriege um die Macht in der Kaiserstadt. Es gibt kaum noch einen Unterschied zwischen regulärer Armee, marodierenden Truppen, Rebellen und schlichten Banditen, die die Zivilbevölkerung drangsalieren. Als der General Pang (Jet Li) als einziger Kämpfer eine Schlacht überlebt, wünscht er sich nichts sehnlicher als den eigenen Tod, um seine Ehre zu retten. Doch die schöne Lian (Jinglei Xu) rettet ihn, versorgt ihn und verbringt mit ihm sogar eine Nacht. Mit neuem Lebensmut schließt er sich der Rebellenarmee von Zhao Er-Hu (Andy Lau) und seiner rechten Hand Jiang Wu-Yang (Takeshi Kaneshiro) an, wo er zum Unbehagen von Zhao schon bald zum Retter und Führer aufsteigt.
Im Heimatdorf der Rebellen trifft Pang auch wieder auf seine Retterin, die aber als Ehefrau von Zhao nun tabu ist. Als die Qing-Armee das Dorf überfällt und die zuvor geraubten Vorräte stiehlt, verfällt Pang auf eine überraschende Idee. Die Rebellen sollen der Qing-Armee beitreten, um damit ganz offiziell Ländereien und Städte zu erobern. So könnte man nach und nach das Land befrieden. Der vom Strategen und Krieger Pang begeisterte Jiang ist Feuer und Flamme für diese Idee. Auch Zhao stimmt dem Plan zu, die Macht der Qing quasi von innen auszuhöhlen. Ihrem Blutsbrüder-Schwur folgt eine Reihe militärischer Triumphe. Vor allem Pang berauscht sich an der steigenden Macht, die den Fürsten schnell zu groß wird. Bald setzt Pang die Notwendigkeit militärischer Vorteile über die Ideale ihres Plans. Als er ein Massaker an 4000 Kriegsgefangenen befiehlt, weil er keine hungrigen Mäuler stopfen möchte, kommt es zum Bruch mit Zhao.
Elegant verweben Chan und seine Autorenschar historisch verbürgte Ereignisse mit dem fiktiven Porträt einer Freundschaft, die an der Gier nach Macht, Neid und letztlich der Eifersucht zerbricht. Daraus entsteht ein beeindruckendes episches Drama, das in seinen besten Momenten Shakespearesche Größe erreicht. So spiegeln sich in der Figur des General Pangs Richard III. und Macbeth wider. Martial Arts-Ikone Jet Li demonstriert hier sein ganzes darstellerisches Können und brilliert als vom Ehrgeiz zerfressener, sich nach Liebe sehnender Militär. Es ist Peter Chans Verdienst, dass The Warlords den Spagat zwischen anspruchsvollem Drama und kommerziellem Actionkino so virtuos hinlegt. Sein stimmiges Regie-Konzept entwirft ein düsteres und unerbittliches Kriegsszenario in grauen und braunen Tönen, protzt mit gewaltigen Schlachten in atemberaubenden Totalen und hyperrealistischen Gemetzeln im Kampfgetümmel. Gleichzeitig liefert er ein emotional tiefes Drama mit fein gestalteten Charakteren und betörenden Zwischentönen. Dabei verblüfft er mit ambivalenten Charakteren, die so die unausweichliche Tragödie nur noch berührender machen.
Bei den Filmpreisen in China und Hongkong in diesem Frühjahr räumte das gelungene Epos zu Recht in fast allen Kategorien ab. Mit seiner Botschaft vom Grauen des Krieges dürfte das Meisterwerk auch hierzulande Zustimmung finden. |