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Oben

(Up, 2009)

Durchschnittliche Redaktionswertung

90%



Inhalt

Carl Fredericksen hat seit seiner Jugend einen großen Traum: Er will Südamerika bereisen. Obwohl dieses Ziel mit 78 Jahren in weite Ferne gerückt zu sein scheint, macht sich Carl eines Tages doch auf in sein Abenteuer. Dazu hängt er tausende von Luftballonen an sein Haus und fliegt damit davon. Erst auf dem Flug bemerkt der alte Mann, dass der 8-jährige Pfadfinder Russell auf der Veranda steht und ihn ungewollt begleitet.

Kritik

von Harald Witz

Wertung Kritik

90%

Der mürrische Witwer Carl Fredericksen hängt sein Haus an Luftballons und bricht auf zum versprochenen Abenteuer nach Südamerika, wo das Idol seiner Kindheit leben soll. Mit dabei ein kleiner dicker Pfadfinderjunge mit dem Herz am richtigen Fleck. Pixars große und überraschende Familienunterhaltung von Pete Doctor und Bob Peterson (Die Monster AG) setzt dem Abenteuer-Genre der Pulp-Literatur und Film der Dreißiger Jahre mit einer zärtlichen Fantasy ein Denkmal. Wie in Wall-E - Der letzte räumt die Erde auf spürt man auch hier den epischen Geist von Charlie Chaplins großen Komödien und darf sich davon verzaubern lassen.

Bild aus Oben Eigentlich ist John Lasseter ziemlich konservativ. Zwar benutzt er die modernste Technik zum Filmemachen, nämlich CGI (nun auch in 3D), doch stilistisch hinkt er scheinbar den Bombasten aus Hollywood hinterher. Keine plärrenden Sound-Overkills, keine Großangriffe auf den visuellen Cortex und vor allem kein abgehacktes Sequenzenhüpfen, das nur entfernt an eine Handlung erinnert. Schon seit dem ersten Film (Toy Story, 1995) pflegt er ein echtes Erzählkino, das dank des aufkommenden Event-Kinos schon fast in Vergessenheit geraten war.

Oben ist Pixars zehnter abendfüllender CGI-Film und so etwas wie ein Markstein in der Geschichte des Animationsstudios. Oben ist der erste Film nach dem Abhandeln aller Ur-Charaktere, die der Legende zufolge in ihren Grundzügen alle während eines einzigen Mittagessens geboren wurden. Es ist auch der erste Pixar-Film, der nach der Fusion mit Distributor Disney unter dem neuen gemeinsamen Dach entstanden ist. Viele waren gespannt, was sich verändern würde. Viele befürchteten eine "Disneysierung". Andere fürchteten den Verlust der Pixar'schen Kreativität oder zumindest die Abkehr jener liebevollen Subversivität, die vielen Computerleuten inne wohnt. Andererseits hatte es einen alten Mann als Held eines Kinderfilmes noch nicht gegeben. Und als Oben auch noch zum Eröffnungsfilm von Cannes erhoben wurde, als erster Animationsfilm der langen Festivalgeschichte, war dies wieder eine unerwartete Neuerung, die man nicht richtig einzuordnen wusste.

Aber wie bereits angedeutet, ist John Lasseter im Grunde seines Herzens eher konservativ. Unter seiner und Jonas Riveras Ägide (zeichnen für die Produktion verantwortlich) setzen die Regisseure Pete Doctor und Bob Peterson viele der bisherigen Traditionen fort. Und schließen an die mit Wall-E - Der letzte räumt die Erde auf als äußerst ruhigen Film begonnene, wagemutige Weiterentwicklung an.

Gerade von Pete Doctor, dem vielleicht verrücktesten Kopf bei Pixar, waren bislang keine leisen Töne bekannt. Seine Die Monster AG ist ein quietschbuntes Vergnügen, das in weiten Teilen einen Kontrapunkt zu den anderen Pixar-Filmen setzt. Doch auch der unterschätzte Doctor demonstrierte gerade in den emotionalen Momenten, dass er perfekt sowohl den Ton als auch die Pause treffen kann. Hatte Wall-E - Der letzte räumt die Erde auf die Kunst des Schweigens zu einem mittlerweile ungewohnten Höhepunkt geführt, im ersten Drittel wird allenfalls gefiept aber nicht gesprochen, so genießt Oben ebenfalls immer wieder mal eine geschickte und berührende "Dialogfreiheit", bevor Doctor und Peterson das Tempo anziehen.

In einer lang gezogenen Schleife lernen die Zuschauer den alten Carl Fredericksen kennen, der mit Wehmut auf sein Leben zurückblickt. Ein schüchterner Junge, der in den Wochenschau-Berichten über den legendären Entdecker Charles F. Muntz die große Welt des Abenteuers kennenlernt und in der wilden Ellie nicht nur eine Gleichgesinnte sondern auch die Frau fürs Leben findet. Ihr Traum vom aufregenden Abenteuerleben am gewaltigen Paradise Falls in Venezuela erfüllt sich ebenso wenig wie Ellies Sehnsucht nach Kindern. Aber die beiden führen bis zu ihrem Tod eine bescheidene und glückliche Ehe.

Nun wird Carls kleine Welt ganz buchstäblich von der Moderne bedroht, denn rings um sein kleines knarziges Haus voller Erinnerungen wird ein neues Stadtviertel aus dem Boden gestampft und der dynamische Bauleiter im schwarzen Anzug würde am liebsten nicht nur das Häuschen sondern auch den störrischen Alten abreißen. Nach einem Vorfall haben die Anwälte des mächtigen Konzerns endlich ihren Vorwand gefunden, Carl aus seinem Haus zu vertreiben. Doch der besinnt sich auf seine eigenen Stärken, seinen Beruf als Ballonverkäufer. Er fliegt mitsamt dem Haus, das an Tausenden von Ballons hängt, davon ins Unbekannte.

Dumm nur, dass der lästige Pfadfinder Russell, ein enthusiastisches 8-jähriges Scheidungskind, auf der Veranda eingeschlafen und nun mit an Bord ist. Einen Sturm und langen Flug später sinkt das Haus ausgerechnet in der Nähe von Paradise Falls nieder. Der mürrische Carl ist beinahe am Ziel und mitten in dem von ihm erträumten Abenteuer. Lange bleiben sie aber nicht allein. Da ist zum einen der gigantische Kevin, ein riesiger, scheuer und bunter Laufvogel, den der naive Russell dank Schokolade adoptieren kann. Zum anderen treffen sie auf den unterwürfigen Hund Doug, einen moppeligen Golden Retriever, der dank eines seltsamen Halsbandes sprechen kann.

Bald entdecken Carl und Russell, dass da noch mehr sprechende Hunde sind, die unter der Führung des sinistren Dobermanns Alpha den Regenwald um den Wasserfall kontrollieren. Sie fahnden nach Eindringlingen und vor allem nach Spuren von Kevin, denn sie sind im Auftrag des verschollenen Charles Muntz unterwegs. Der hatte sich einst aus Verbitterung über seine Wissenschaftskollegen, die seine Funde anzweifelten, hierher zurückgezogen, um ein lebendiges Exemplar von Kevins bislang unbekannter Spezies zu fangen. Bislang vergeblich...

Nach dem melodramatischen Intro, das einmal mehr Dialoge auf ein Minimum reduziert, stürzen Pete Doctor und Bob Peterson die Zuschauer in ein herrliches Abenteuer. Die beiden verstehen sich ja bestens auf die Kunst des Rennens, Flüchtens, Versteckens und Rettens (siehe Die Monster AG). Hier wie da wird dem Aberwitz gefrönt, der diesmal aber unter zwei Prämissen ausgelebt wird: die Fantasy und das Abenteuer. Beides wird in dieser Hommage an das Abenteuer-Genre der Pulp-Ära gefeiert. Schon die Konstruktion eines Hauses, das sich mit Hilfe von Ballons aus der tristen Realität ins Abenteuer verabschiedet, verweist auf die angelsächsischen Fantasy- und Märchenwelten eines James M. Barrie (Peter Pan) oder Lewis Caroll (Alice im Wunderland). Darin ist vieles, wenn nicht gar alles möglich. So auch in dem bewegenden, höchst unterhaltsamen Oben. Der Ausstieg des Alten aus einer kalten und herzlosen Welt ist keine Flucht sondern die Aufforderung, das Abenteuer zu wagen und der Fantasie zu vertrauen. Die Dschungelwelt von Venezuela bildet dafür den perfekten, mythischen Abenteuerspielplatz.

Carls Kindheitsträume, angeregt durch Wochenschau-Berichte im Kino, wiederum verweisen auf eine Zeit, als es noch so etwas wie weiße Flecken auf der Weltkarte gab, in denen sagenhafte Abenteuer und Fabeltiere Platz fanden. In den magischen literarischen Vorlagen von Edgar Rice Borroughs, Arthur Conan Doyle, Robert E. Howard und vielen anderen Autoren für Comics, Radioshows und Filme wäre sicher auch Platz für Paradise Falls gewesen, das Bob Peterson als Synthese aus Abenteuer und Fantasy ersonnen hat.

Deshalb muss das fantastische Innere von Muntz' Zeppelin natürlich an das legendären Schiff von Captain Nemo erinnern. Das gesamte Design dieses Abenteuerlandes mit seiner stählernen Technikgläubigkeit und Transistor-Elektrizität versteht sich als Hommage an die Zwanziger und Dreißiger Jahre. Filmfans dürften sich angesichts dieser visuellen Strategie an den aufwändigen Sky Captain and the World of Tomorrow (2004) erinnern. Doch während Kerry Conrans gigantische CGI-Effektparade zum pastoralen Design-Museum verkam, bleibt Petersons Vision bei aller Turbulenz, Abenteuerlust und Spannung immer kindgerecht, nachvollziehbar und von feinem Situationswitz geprägt. Ein quietschlebendiges Vergnügen, in dem der Inhalt über die Form triumphiert.

Peterson und Doctor bedürfen keiner echten Bösewichte und Monster. Sowohl Dobermann Alpha, der sich durch sein defektes Sprachmodul sofort der Lächerlichkeit preisgibt, als auch Abenteurer Muntz sind trotz ihrer finsteren Pläne wert, bemitleidet zu werden. Besonders Muntz entpuppt sich als verknöcherter und verbitterter alter Mann, der das Leben, die Liebe und das Lernen vergessen hat. Ein Captain Hook-Verschnitt, der sich im Gegensatz zu Carl nicht mehr ändern kann.

Wie es gehen kann, zeigt der abenteuerlustige Witwer selbst. Zu Beginn ist er auch ein stiller Grantler. Doch er hat sich einen Traum bewahrt und ein Versprechen gegeben. So entwickelt er dank der immer größer werdenden Herausforderungen dieses ersehnten Abenteuers neue Lebenslust. Nach dem Motto "Man ist so alt, wie man sich fühlt" verzichtet er mit zunehmender Dauer der 90 Minuten auf seine Gehhilfe, die dafür zum Objekt zahlreicher Scherze mutiert. Peterson und Doctor geben dem Alten die Jugend buchstäblich zurück und machen den Kindern klar, dass es eigentlich keinen großen Unterschied zwischen einem verknautschten Grummelgesicht und einem runden, naiven Kinderlachen gibt, sofern man an seinen Träumen festhält.

Die Bedrohungen der Dschungelwelt reduzieren sich auf die menschelnden Hunde, bei denen Doug der ausgefeilteste und wendungsreichste Charakter ist. Aus Gründen der Übersichtlichkeit verzichtete man auf weitere Figuren. Und so darf der bunte Laufvogel Kevin als Pantomime die Herzen der Zuschauer im Sturm erobern. Durften in Die Monster AG die schrägen Monster "Allerweltstypen wie Du und Ich" sein, so erweist sich die Mischung aus Nandu, Paradiesvogel und Woody Woodpecker als liebenswerter Zeitgenosse mit Anhang. Er lebt buchstäblich in einem eigenen Kontinuum, ihm ist alles erlaubt. In gewisser Weise erinnert er an viele von Chaplins Außenseiter-Figuren, aber zwischendurch, vor allem wenn er die Bösen anblökt, könnte auch Harpo Marx ein Vorbild sein.

Oben führt den von Wall-E - Der letzte räumt die Erde auf eingeschlagenen, offen moralisierenden Weg fort und nutzt dabei sämtliche Mittel und Traditionen von Pixar zu seinen Gunsten aus. Damit erhebt das Team um Doctor, Peterson, Rivera und Lasseter den Anspruch, Unterhaltung nicht nur zum zweistündigen "Zeittotschlagen" zu betreiben, sondern das Kino durchaus als moralische Auseinandersetzung zu nutzen. Waren die vorhergehenden Werke schon mit Fabeln und Botschaften in größerem Umfang als üblich versehen, so wagen die Macher mit Oben (mehr noch als in Wall-E - Der letzte räumt die Erde auf) ganz offen den Moral-Exkurs als klaren Subtext unter der Abenteuerhandlung für alle Alterklassen. Fast meint man, Lasseter hätte Diderots oder Schillers Idee vom "Theater als Lehranstalt" verinnerlicht.

Eine Geisteshaltung, die sich auf direktem Konfrontationskurs mit Wii, Nintendo und sinnfreien cineastischen Bilderfluten befindet. Der Konsum orientierten Gedankenfreiheit muss dies entsetzlich konservativ und antiquiert vorkommen. Dennoch strahlt Oben eine vollkommen sympathische Faszination aus, die nur einlädt, sich an diesem Ideenaustausch zu beteiligen, aber nicht zwingt. Wer mag, darf den Animationsfilm auch als lustvollen Zeitvertreib verstehen und sich eben keine Gedanken über tiefere Erörterungen machen. Diese Eleganz bei der Präsentation ist eben auch typisch für die Werke dieses Studios. In diesen Zeiten sind der konservative Lasseter und seine Macher gleichzeitig auch progressiv. Ein ganz cooler Haufen eben, voller Fantasie und Witz.

Angeliefert wird Oben sowohl im traditionellen 2D als auch in der neuen 3D-Technik. Auch hier zeigt sich die Expertise der Pixar-Macher. Ihnen geht es einmal mehr um die runde Erzählung einer Geschichte und nicht um die Demonstration einer frappierenden Technik. So ist manch dreidimensionales Bild, so mancher Effekt in 3D besonders staunenswert, doch nicht auf Kosten der Situation sondern immer nur innerhalb der dramaturgischen Notwendigkeit.

Keine weitere Wertung


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