Die Lebensgeschichte von James Logan, der als Wolverine bei den X-Men schon lange Kultstatus hat, erzählt in einem eigenen Film. Nicht nur macht die Vorgeschichte gewaltig Spaß, auch freut man sich auf zig weitere Filme von anderen Mutanten, die sich natürlich anbieten. Absolut unterhaltsam auch für Nicht-Kenner der Vorlage oder der anderen Filme.
Ein Junge liegt fiebernd im Bett und weiß nicht, ob er die Nacht überleben wird. Es ist die Mitte des 19. Jahrhunderts und in den Weiten Amerikas sind Ärzte dünn gesät. Doch der Junge und sein Bruder Victor, der neben ihm wacht, sind zuversichtlich: Der kleine James Logan hat bisher noch jede Erkrankung überlebt. Da stürzt der Vater ins Zimmer. Es gibt Probleme, James soll auf jeden Fall im Zimmer bleiben, sagt er, und verschwindet wieder nach unten. Wenig später fällt ein Schuss und James springt auf, um nachzusehen. Keine zehn Minuten später befinden sich Victor und James auf der Flucht, und damit auf dem Weg in ein neues Leben.
Die Erzählung folgt dem Schicksal des Brüderpaares Victor und James, die, unverwundbar und wehrfähig, nur langsam altern und sich in so ziemlich jedem Krieg der letzten 100 Jahre verdingen. Bis sie, ungefähr im Hier und Jetzt, von William Stryker für seine Truppe von Spezialisten aufgespürt und angeheuert werden. Strykers Spezialisten, allesamt Mutanten mit besonderen Fähigkeiten, sorgen jedoch nicht ausschließlich für Recht und Ordnung. Schon bald muss James, eigentlich nur noch Logan genannt, sich seinen inneren Konflikten stellen. Er beschließt, der Truppe den Rücken zu kehren.
Jahre später spürt Stryker Logan auf, um ihn vor einer Serie von Morden an den ehemaligen Mitgliedern der Truppe zu warnen. Doch offenbar hat Stryker auch gleich den Täter zu Logans bislang unbekannter neuer Heimat in der Wildnis Kanadas geführt. Mit der Ankunft von Victor, von dem Logan sich über die Jahre entfremdet hat, kommt die Handlung des Films erst richtig ins Rollen.
Es wäre töricht, an dieser Stelle einfach zu erzählen, wie der Film weitergeht. Der Titel allein macht ja schon klar, dass es sich um die Vorgeschichte einer der Figuren aus den X-Men-Filmen handelt, und genau diese will man sich ja im Kino ansehen. Wenden wir uns also den dramaturgischen Aspekten zu.
Kenner der Graphic Novels sind natürlich in ihrem Element, wenn es ans Fachsimpeln über Details der Geschichte geht. Doch auch Nicht-Kenner der Vorlage können sich dem Film hingeben. Der Grund: Gerade durch die Handlung wird der nichtsahnende Zuschauer an die Besonderheit der übermenschlich mächtigen Mutanten herangeführt und nicht, wie in anderen Filmen, von capetragenden Sonderlingen mit Aggressionsproblem, die in ihrer Unterwäsche von Dach zu Dach springen, überrascht. Gerade durch die Sorgen und Nöte, die James Logan, der sich bald Wolverine nennt, plagen, leidet der Zuschauer mit dem höchst eigenartigen jungen Menschen, der sein Schweizer Messer stets dabei hat.
Die Inszenierung selbst ist rund, solide und routiniert, ebenso die Effekte. Man erwartet keinen Oscar-Anwärter und bekommt auch keinen, wohl aber einen ordentlichen Effekt-Kracher mit massivem Popcornfaktor. Man kann sehen, welchen Spaß Hugh Jackman, Liev Schreiber, Dominic Monaghan, Will i Am und alle anderen beim Dreh gehabt haben mussten.
X-Men Origins: Wolverine ist ein bunter, echt spannender, absolut unterhaltsamer und kreativer Superheldenfilm, den das Publikum lieben wird, und der Lust auf mehr macht, Lust auf viel mehr. Dass so ein Film aber nur im Kino richtig knallt, weiß jeder, der schon einmal versucht hat, Kinostimmung beim DVD-Gucken zu erleben.