Die zweite Adaption eines der wohl bekanntesten Videospiele aller Zeiten findet im Regisseur selbst seinen Meister. Mit einer absolut belanglosen neuen Storyline, schlecht besetzten Rollen und Kampfszenen, die eher an Fließbandarbeit erinnern, hat Andrzej Bartkowiak das geschafft, was keiner nach dem unterirdischen ersten Versuch, das Spiel 1994 umzusetzen, für möglich gehalten hätte: Ein Film, der den Namen "Street Fighter" nicht verdient hat.
Die Fangemeinde des Consolenspiels Street Fighter: The World Warrior ist zurecht erschüttert. Seitdem 1994 der erste Versuch stattfand, eines der wohl bekanntesten und beliebtesten Videospiele aller Zeiten zu adaptieren, bangte und betete man für eine spätere Neuverfilmung, die das unglaublich gefloppte Werk Street Fighter - Die entscheidende Schlacht rächen sollte. Doch wie der Zufall so will, nahm sich Andrzej Bartkowiak der Sache an, der schon im Jahr 2005 mit Doom - Der Film eine zumindest sehr passable Computerspieladaption auf die Beine stellte. Doch was bei Street Fighter: Die Legende von Chun-Li auf die Fans wartete, war niemandem klar, denn der Film bietet so viel Angriffsfläche, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll.
Beginnend mit der veränderten Storyline, die rein gar nichts mehr mit dem Spiel an sich zu tun hat, kam der erste Fauxpas zum Tragen. Es ist im Grunde nicht erklärbar, wieso man nicht die wirklich hervorragende Story, die das Spiel nun mal bietet, annimmt und innerhalb eines von Bison veranstalteten Turniers die Fäuste fliegen lässt. Innerhalb dieses Turniers kann man sich für jeden einzelnen der Figuren entscheiden und seine individuelle Storyline einbauen und jeder Fan wäre zufrieden. Doch leider haben wir die Rechnung ohne Bartkowiak gemacht, der eine ganz neue Story für Chun-Li schrieb und ganz bewusst viele Charaktere, wie zum Beispiel die Hauptprotagonisten Ryu und Ken, wegließ, die nach seinen Angaben von der Figur Chun-Lis zu sehr abgelenkt hätten.
Für Bartkowiak war Chun-Li laut eigener Aussage immer schon der interessanteste Charakter des Videospiels gewesen. Wenn ein Regisseur solche Aussagen trifft, sollte der Fan meinen, er habe sich mit dem Charakter auseinander gesetzt. Dies scheint allerdings nicht der Fall zu sein. Wie wir wissen, ist Chun-Li eine absolute Athletin und Kampfmaschine, kräftig gebaut und faktisch Agentin bei der Organisation Interpol, die versucht, dem Untergrund Boss M.Bison das Handwerk zu legen. Hier findet man im Grunde ein kleines Mädchen vor, das optisch wie auch geistig keine Ähnlichkeit mit der eigentlichen Figur hat und man sich ernsthaft die Frage stellt, wieso man ausgerechnet die zarte, zierliche, wenn auch reizende, kleine Kristin Kreuk für diese Rolle vorsah, die bis zum Film und anscheinend darüber hinaus, nicht die geringste Erfahrung mit Kampfsport gemacht hat. Denn genau da fangen die Probleme an. Was man zumindest bei einem Film der heutigen Zeit erwarten kann, sind gut koordinierte Kampfszenen, die man sich hier gewünscht hätte. Doch man sieht leider zu fast jeder Zeit die Seile, an denen Kristin Kreuk gehalten werden musste, um die ganzen Stunts und Choreographien ausführen zu können. Zumindest muss man hier zugutehalten, dass der einmalige Kampfstil, der Chun-Li auszeichnet, sehr nah adaptiert wurde. Denn außer Vega ist sie die einzige Kämpferin, mit der man im Spiel an Wände springen und sich abstoßen kann, sowie einige so genannte Finishing Moves, die enorme Athletik erfordern.
Um Klartext zu sprechen: Es finden gerade mal fünf Charakteradaptionen statt, darunter Chun-Li, M.Bison, Vega, Balrog und Gen. Bei keiner dieser Figuren hat man das Gefühl, sie kämen der Vorlage nahe, abgesehen von dem brillant verkörperten Boxer Balrog, dem wirklich einzigen Lichtblick dieses Films. Mit Michael Clarke Duncan hat man hier einen Treffer gelandet, der mit seinem Kampfstil, seinen Sprüchen und seiner Überheblichkeit absolut wie das Original wirkt, über die Optik braucht man wohl hier kein Wort zu verlieren. Aber beim Rest der Truppe kann man sich nur fragen, was falsch gelaufen ist. Bison ist kein General, sondern ein arroganter Anzugträger und Untergrundboss. Das absolut Böse, was er ausstrahlen muss, kann Neal McDonough einfach nicht erbringen und das wirklich zu keinem Zeitpunkt. Vega ist nach dem ersten Auftritt, der zugegeben wirklich "cool" wirkt, eher zur Witzfigur degradiert, denn außer der Maske und den Klauen hat er vom Kämpfen keine Ahnung. Wenn man einen Kämpfer nennen dürfte, der im Videospiel selbst den besten Kampfstil hat, dann ist es Vega. Aber gut, auch hier fragt man sich, wieso man den Sänger Taboo von den Black Eyed Peas für diese Rolle besetzt hat, denn auch ihm sieht man die Defizite im Schauspiel- und Kampfsportbereich merklich an. Bis hierhin nicht genug, kam Bartkowiak auf die Idee, Robin Shou für die Rolle des Gen zu besetzen. Viele werden ihn noch aus der früheren Videospielverfilmung von Mortal Kombat kennen. Der verzweifelte Versuch, ihn mit grauen Haarsträhnchen älter aussehen zu lassen, hat seine Wirkung definitiv verfehlt. Denn Gen ist im Spiel über 60 Jahre alt und ein wahrer, erhabener Altmeister. Auch für Shou ist dies schauspielerisch zu viel, er kann zu keinem Zeitpunkt überzeugen und wirkt sichtlich verkrampft.
Der letzte aber in gewisser Weise amüsanteste Fauxpas ist die nebenläufige Story der beiden Interpolagenten, die natürlich nicht fehlen dürfen. Dass sie aber im wahrsten Sinne des Wortes neben der Story herlaufen und eigentlich nichts mit der Handlung zu tun haben, zeigt auch hier das eingeschränkte Drehbuch, das irgendwie versucht hat, alle "realen" Storyelemente des Spiels mit einzubauen und schafft dies mit absoluter Ineffizienz.
Was den Film dennoch über die 10% Marke hebt ist die Tatsache, dass er trotz aller Kritik insgesamt recht kurzweilig ist und man in den üppig bestückten Momenten, in denen Michael Clarke Duncan auftritt, aus seinem Tiefschlaf erwacht.