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State of Play - Der Stand der Dinge

(State of Play, 2009)

Dt.Start: 18. Juni 2009 Premiere: 17. April 2009 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Thriller
Länge: 118 min Land: USA
Darsteller: Russell Crowe (Cal McAffrey), Ben Affleck (Stephen Collins), Rachel McAdams (Della Frye), Robin Wright Penn (Mrs. Collins), Jason Bateman (Dominic Foy), Helen Mirren (Cameron Lynne), Wendy Makkena (Greer Thornton), Katy Mixon (Ronda Silver)
Regie: Kevin Macdonald
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan


Inhalt

Die viel versprechende Karriere des jungen Kongressabgeordneten Stephen Collins gerät jäh in Gefahr, als seine Assistentin, mit der er eine heimliche Affäre hatte, ermordet wird. Ein alter Freund von Collins, der Enthüllungsjournalist Cal McAffrey, stellt auf Drängen seiner Chefin Nachforschungen über die Hintergründe der Tat an, und lässt sich dabei nicht nur auf eine Affäre mit Collins' vernachlässigter Ehefrau ein, sondern kommt auch einem Komplott auf die Spur, das bis in die höchsten Kreise reicht.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

State of Play - Der Stand der Dinge hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 62%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
State of Play - Der Stand der Dinge hat eine Wertung von 62%
Früher hatten seriöse Printjournalisten das Monopol auf fundiert recherchierte Storys, heute kann jeder seine eigene Sicht der Wahrheit im Internet der Öffentlichkeit anbieten. State of Play - Der Stand der Dinge kommt im Gewand eines Polit-Thrillers daher und entwickelt eine interessante Verschwörungsgeschichte, arbeitet aber auch mit der Fragestellung, inwiefern der Printjournalismus noch das Maß der Dinge darstellt. Ein wenig stereotyp sind die Protagonisten dieses informellen Duells zwar gezeichnet, aber ein Funke Wahrheit ist schon dran. Trotz finaler Schwäche, liefert der Film insgesamt spannende Unterhaltung.

Bild aus State of Play - Der Stand der Dinge Journalisten sind keine richtigen Menschen und würden für eine gute Story sogar ihre eigene Großmutter verkaufen. Was sagt man den Repräsentanten dieses Berufsstandes nicht alles nach? Vor allem haben gute Reporter keine Freunde, nur Quellen; heißt es. Cal McAffrey (Russel Crowe) ist einer der besten Journalisten des Washinton Globe und tatsächlich auch ein Mensch, trifft somit falsche Entscheidungen und hilft seinen Freunden sogar aus der Patsche. Selbst wenn das bedeutet, dass er den Journalisten-Kodex (stets der Wahrheit verpflichtet zu sein) vorübergehend etwas speziell auslegen muss.

Als sein alter Freund Stephen Collins (Ben Affleck), inzwischen Kongressabgeordneter, ins Fadenkreuz der Medien gerät, ergreift er Partei für ihn. Eine Mitarbeiterin aus Collins Stab kam ums Leben und es sieht nach Mord aus. Und da Collins eine Affäre mit der jungen attraktiven Frau hatte, könnten die losen Fäden zu ihm hingestrickt werden, so dass seine politische Karriere den Bach runtergeht. Eigentlich herrschte zwischen den beiden seit längerem Funkstille: McAffrey hatte sich in der Vergangenheit nicht mit Ruhm bekleckert, als er sich auf eine Affäre mit Collins Frau einließ. Vielleicht plagt ihn deshalb das schlechte Gewissen. Auf jeden Fall beginnt er nachzuforschen, um Entlastungsmaterial für Collins aufzustöbern. Bald führen die Fäden zu einer dubiosen Sicherheitsfirma, die als "Subunternehmer" Aufträge vom amerikanischen Kongress erhält und sogar militärische Aufgaben im mittleren Osten übernimmt. McAffrey muss sich bald entscheiden, ob ihm die Freundschaft zu Collins oder Berufsethos und Wahrheit wichtiger sind.

Eigentlich ist State of Play - Der Stand der Dinge der Abgesang oder die ultimative Lobhudelei auf den seriösen investigativen Journalismus (je nach Perspektive). Parallel zu McAffrey, der wie die fleischgewordene Inkarnation eines old-fashioned Zeitungsreporters aussieht: verranzt, bärtig und langhaarig, Hemd aus der Hose und einen uralten Saab fahrend, ermittelt die junge stylische Bloggerin Della Frye (Rachel McAdams), die für die Online-Ausgabe des Globe verantwortlich ist, ebenfalls an dem Fall; wenn auch auf einer anderen Fährte. Aus eben diesem Aufeinanderprallen von Journalistengenerationen, Repräsentanten ihres jeweiligen Zeitgeistes und der verkörperten Informationskultur, gewinnt State of Play - Der Stand der Dinge seinen hintergründigen Charme. Dass dabei Redaktionsabläufe in frei interpretiertem Wunschdenken, von dem man wohl annahm, dass der Uneingeweihte sich das so vorstellt, dargestellt werden und die skizzierten Reportertypen mehr als plakativ-schematisch sind, sei nur am Rand erwähnt.

Als Kinoadaption einer mehrteiligen, vielgelobten BBC-Fernsehserie, deren Episoden mit jeweils neunzig Minuten aufwarteten, verwundert es nicht, wenn die Komplexität der Geschichte auf zwei Stunden eingedampft, nicht adäquat erhalten bleibt. Schauspielerisch spielt sich alles ebenfalls auf wenig spektakulären, dafür zumindest durchaus routinierten Pfaden ab: Die Dialoge sind nicht zäh, ufern gewollter Weise aber etwas aus, denn die Figuren entwickeln den Hang sich immer wieder gegenseitig jedes Detail der leicht verzwickten Story zu erklären, damit die Zuschauer auch keinesfalls überfordert werden. Fairerweise sollte aber hinzugefügt werden, dass dies mitunter der Nachvollziehbarkeit nicht unförderlich ist. Zugegebenermaßen ist dieser Politthriller sogar soweit halbwegs durchdacht, dass keine ausgesprochene Langweile beim Katz-und-Maus-Spiel aufkommt.

Erwähnenswert sind noch einige Motive, die eingeflochten wurden und prinzipiell nicht überkomplex sind, dennoch etwas an politischen Kenntnissen und Hintergrundwissen der amerikanischen Journalismusszene erfordern: Der Washington Globe steht synonym für die Washington Post deren investigativem Einsatz es in den 70ern zu verdanken war, dass die so genannte Watergate-Affäre, um den damaligen US-Präsidenten Richard Nixon, zügig und umfassend aufgedeckt wurde. Damit diese kleine übergeordnete Anspielung aber auch deutlich ersichtlich wird, haben die Macher des Films den Sitz der zwielichtigen Sicherheitsfirma gleich ins Watergate-Buildung befördert.

So brauchbar unterhaltsam State of Play - Der Stand der Dinge über weite Strecken ist und oberflächlich betrachtet etwas Kritik dem Demokratie- und Sicherheitsgebaren der USA entgegenzubringen scheint, so schwächelt das Finale eindeutig. Es kann manchmal auch ein Haken und eine Wendung zu viel sein. Und der unauslöschbare Hang amerikanischer Filmemacher jegliche Kritik, die sie vorher ins Spiel werfen, damit zu relativieren, dass die letzte Wendung noch einen Bösewicht aus dem Hut zaubert, der verblendet und nicht repräsentativ fürs System steht, beraubt jeden guten Ansatz seiner Kraft. Schaltet man diesen Blickwinkel aber aus, liefert der Film ordentliche und spannende Unterhaltung auf unterschiedlichen Ebenen und wartet mit interessanten Fragestellungen auf.



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