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Fall 39

(Case 39, 2009)

Dt.Start: 11. März 2010 Premiere: August 2009 (USA)
FSK: ab 16 Genre: Horror, Thriller
Länge: 113 min Land: USA
Darsteller: Renee Zellweger (Emily Jenkins), Jodelle Ferland (Lillith Sullivan), Ian McShane (Detective Mike Barron), Kerry O'Malley (Margaret Sheridan), Callum Keith Rennie (Edward Sullivan), Bradley Cooper (Douglas J. Ames), Adrian Lester (Wayne), Georgia Craig (Denise), Cynthia Stevenson (Nancy), Tiffany Lyndall-Knight (Darla)
Regie: Christian Alvart
Drehbuch: Ray Wright


Inhalt

Die engagierte Sozialarbeiterin Emily Jenkins kämpft um das 10-jährige Mädchen Lilith Sullivan, um sie aus den Fängen ihrer Eltern zu befreien, die sie alles andere als liebevoll behandeln. Nachdem diese auch noch einen Mordversuch auf ihre einzige Tochter verübt haben, beschließt Emily Lilith zu sich zu nehmen, bis eine geeignete Pflegefamilie gefunden ist. Doch die Situation wird für Emily immer gefährlicher und der richtige Horror hat gerade erst begonnen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Fall 39 hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 69%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Fall 39 hat eine Wertung von 69%
Wer viele Jahre für Sozialämter tätig war, denkt, er hätte bereits alles gesehen. Emily arbeitet ihre Fälle als Sozialarbeiterin ab, bis ihr eine merkwürdige Geschichte unterkommt, die für sie zunächst völlig eindeutig ist, bald aber eine neue Dimension des Grauens heraufbeschwört. Fall 39 ist eine Art Wolf im Schafspelz, ein stimmungsvoller Horrorfilm im Gewand eines Missbrauchsdramas. Diese Wendung vermag zwar nur einmal zu überraschen, dafür aber sind beide Storylines stimmig gemacht und in sich recht überzeugend. Insgesamt positive Überraschung, die sich vom Rest des Genres abhebt.

Bild aus Fall 39 Es ist nur ein weiterer Fall. Der Schreibtisch der engagierten Sozialarbeiterin Emily (Renée Zellweger) quillt ohnehin vor Arbeit über, da macht es schon fast nichts mehr, wenn eine weitere Akte auf diesem landet. Dieses Mal ist es die des Falls 39. Zuerst ist es eine Routineuntersuchung strikt nach Protokoll; ein Besuch bei den Eheleuten Sullivan (Kerry O'Malley und Callum Keith Rennie), den Eltern der zehnjährigen Lilith (Jodelle Ferland). Emilys Job ist es, Familien in Not oder solche, die mit der Erziehung ihre Kinder überfordert sind, zu besuchen und zu entscheiden, ob irgendwelche Maßnahmen eingeleitet werden müssen.

Vor Ort trifft sie auf eine höchst sonderbare Konstellation: Der Familienvater weigert sich auch nur ein Wort mir ihr zu wechseln, wenn er was zu sagen hat, flüstert er dies seiner Frau ins Ohr, die sich für ihn mitteilt. Lilith, die kleine Tochter der beiden, macht einen verstörten Eindruck, wirkt seelisch verhärmt und verängstigt, zeigt aber rein äußerlich keine Spuren von Gewalt oder Missbrauch. Nach diesem Besuch lässt Emily aber der Fall nicht mehr los. Sie ahnt, dass dort mehr vorgeht, als auf den ersten Blick ersichtlich. Bei einer Vorladung der Familie in die Amtsräume will sie der Sache auf den Grund gehen. Unter vier Augen vertraut sich Lilith Emily an: Sie wollen mich umbringen, flüstert sie ihr zu, ist aber nicht bereit dies in Anwesenheit ihres Vaters und vor Emilys Chef zu wiederholen. Also ziehen die Sullivans unbehelligt wieder ab.

Spätestens an dieser Stelle würde niemand, der über kein spezielles Wissen über Fall 39 verfügt, jede Wette eingehen, dass sich hier wieder ein Familiendrama entfaltet; mit, schlimmstenfalls einem Missbrauchshintergrund. Zu Beginn kommt der Film recht gemächlich, beinahe phlegmatisch, in die Gänge. Gut hinein, in diese Geschichte zu passen, scheint hingegen Renée Zellweger: Mit ihrer warmen Gutmenschausstrahlung und dem Image, das sie wohl für immer verfolgen wird, Schokolade über alles zu lieben, scheint sie die Idealbesetzung als Retterin vernachlässigter Kinder. Und hilfsbedürftig wirkt Jodelle Ferland alias Lilith sehr: Ein Geschöpf mit einem engelsgleichen Gesicht, dunklem Haar und großen unschuldigen Augen. Da möchte jeder gleich zu Hilfe eilen.

Tatsächlich scheint dies mehr als nötig: Ihrem Instinkt vertrauend begibt sich Emily zum Haus der Sullivans und kann mithilfe des befreundeten Detective Mike Barron (Ian McShane) Lilith gerade vor einem grausigen Schicksal bewahren, das ihre Eltern für sie vorgesehen hatten. Nachdem ihre Eltern nun aus dem Verkehr gezogen wurden, soll für Lilith anschließend eine Pflegefamilie gesucht werden. Das junge Mädchen hat aber einen persönlichen Bezug zu Emily aufgebaut und möchte bei ihr Leben. Und obwohl diese Job und Privates immer versucht zu trennen und sich der Verantwortung eigentlich nicht gewachsen sieht, willigt sie schlussendlich ein. Sie ahnt aber nicht, welche Ausgeburt des Bösen sie in ihr Haus holt.

Nein, als nichts ahnender Zuschauer wäre man auch nicht darauf verfallen, in welche Richtung sich anschließend die Handlung dreht: Selbst die merkwürdigen und für ein Drama untypischen Kamerafahrten, der alttestamentarisch einschlägig belegte Name des Kindes sowie die merkwürdigen Close-ups, die Unheilvolles erwarten ließen, reichten nicht aus zu glauben, dass man sich in einem klassischen Horrorfilm befindet. Renée Zellweger vermutet man ohnehin nicht in einem solchen Streifen. Tatsächlich aber beginnt nun das Böse im Körper Liliths die gutherzige Emily heimzusuchen. Ein wenig wie Das Omen gestaltet sich dann das Ganze schon, bleibt aber erfreulich unspektakulär und lässt den Horror überwiegend im Kopf des Betrachters entstehen. Das ist beinahe klassischer als Klassisch und hebt sich von grotesk-infantilen Produktionen wie The Unborn ab.

Genrefilme sind irgendwie speziell und Horrorfilme scheinen dies besonders zu sein. Möglicherweise liegt es daran, dass die Plots hierfür sehr endlich sind. Entweder es ist ein Kreaturenfilm, in all seinen möglichen Ausprägungen oder es wird übersinnlich und schlussendlich bleibt noch der psychotische Massenmörder mit seinem Subgenre dem Folterhorror. Da ist es schon fast erfrischend, wenn eine Geschichte ganz in der Normalität beginnt und mit einem realen Motiv aufwartet, das schon für sich bestialisch genug ist: schließlich sind Kindesmisshandlungen leider nicht selten. Und anschließend entwickelt sich ein subtiler Albtraum mit gehauchten Botschaften aus dem Telefon, der seinen ganz unterschwelligen Reiz entfaltet. Zum Ende allerdings verbeugt sich der Film wieder vor kommerziellen Zwängen und liefert auch ein paar spektakuläre Einlagen. Dennoch ist Fall 39 einer der wenigen (ernstgemeinten) Horrorfilme seit langem, die einen reizvollen Schauer heraufbeschwören.



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