Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 Poster

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Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123

(The Taking of Pelham One Two Three, 1974)

Dt.Start: 14. November 1974
DVD: 20. Oktober 2003
Premiere: 02. Oktober 1974 (USA)
FSK: ab 16 Genre: Thriller
Länge: 104 min Land: USA
Darsteller: Walter Matthau (Lt. Garber), Robert Shaw (Blue), Martin Balsam (Green), Hector Elizondo (Grey), Earl Hindman (Brown), James Broderick (Denny Doyle), Dick O'Neill (Correll), Lee Wallace (The Mayor), Tom Pedi (Caz Dolowicz), Beatrice Winde (Mrs. Jenkins), Jerry Stiller (Lt. Rico Patrone), Nathan George (Ptl. James)
Regie: Joseph Sargent
Drehbuch: John Godey, Peter Stone


Inhalt

Früher Nachmittag an einem normalen Tag in New York City, vier bewaffnete und maskierte Männer kidnappen die New Yorker U-Bahn Linie 123 und fordern 1 Million Dollar für das Leben der Geiseln. Sollte das Geld nicht innerhalb einer Stunde bei ihnen eintreffen, drohen sie damit für jede verstrichene Minute eine Geisel hinzurichten. Der U-Bahn-Ermittler Garber übernimmt die Verhandlung mit dem Anführer Mr. Blue.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 80%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Florian Lieb
Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 hat eine Wertung von 80%
Fernsehregisseur John Sargent gelang mit diesem Film ein schnörkelloser Thriller, der sich perfekt in seine Entstehungsepoche eingliedert. Mit einem wie immer gut aufgelegten Walter Matthau gelingt es dem Regisseur durchgängig die Spannung aufrecht zu erhalten, selbst wenn das Ende des Filmes frühzeitig absehbar wird. Dass man dennoch fast zwei Stunden mit den Charakteren - und zwar auf beiden Seiten - mitfiebert, ist der größte Verdienst, den man einem Thriller zusprechen kann.

Bild aus Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 Vier Männer, bekleidet mit Hut, Brille und Schnauzbart, betreten an unterschiedlichen Haltestellen die U-Bahn 123 Richtung Pelham im Untergrundnetzwerk von New York City. Sie platzieren sich an den Fahrerkabinen, beobachten die Passagiere. An einer der Haltestellen übernehmen sie schließlich die Kontrolle. Ruhig und besonnen, ohne großes Aufsehen zu erregen. Sie stoppen die Bahn schließlich in einem der Tunnel und lassen sich erneut Zeit. Denn die Zeit ist auf ihrer Seite und wer sie auf seiner Seite hat, der verfügt über die Kontrolle. Ohne Umschweife führt Regisseur John Sargent direkt zu seinem Spannungsakt. Es folgt keine Vorgeschichte, nicht einmal eine, die in Rückblenden während des Handlungsverlaufs erzählt wird. Die vier Männer und auch ihr Gegenüber, der U-Bahn-Polizist Zachary Garber, werden charakterlich nur auf Mindestmaß beleuchtet.

Im Falle von Garber war dies sicherlich die bessere Entscheidung, schimmert in zwei Szenen doch durch, dass er Rassist zu sein scheint. Seine japanischen Besucher, denen er das Untergrundverkehrsnetz von New York präsentiert, bezeichnet er als "Affen", als er den afroamerikanischen Polizeichef das erste Mal sieht, stutzt er zuerst und rettet sich schließlich in ein herausgepresstes "Ich habe Sie mir größer vorgestellt". Ansonsten fügt aber auch er sich in das besonnene Schema ein, wenn er die Gefahr er- und die Intelligenz seines Gegenübers anerkennt.

Bei seinen vier Gegnern macht sich das gängige Gaunerklischee bemerkbar. Mr. Blue ist Ex-Militär und somit Anführer der Gruppe. Mr. Green hingegen ist der Fachexperte, als ehemaliger Bahnführer, und die ängstliche Komponente. Mr. Brown hingegen ist ein so genanntes "red shirt", jemand, der für die eigentliche Handlung keine größere Rolle spielt, als einfach präsent zu sein. Und mit Mr. Grey hat man den Ex-Mafioso und damit den Hitzkopf innerhalb der Gruppe. Die Ausweichung zu Genrecharakteren ist angesichts der Tatsache, dass sich der Großteil der Handlung innerhalb des Bahnwaggons abspielt, nur konsequent. Hier muss die Spannung aufrecht erhalten werden und das geht am besten, wenn man einen internen Konflikt beschwört, wenn schon ein externer zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich ist.

Dabei verliert Sargent jedoch nie die übergeordnete Erzählstruktur aus den Augen und integriert im Grunde nichts in seinen Film, was nicht unbedingt eingeschlossen werden muss. Dass das Ende des Filmes und seine Auflösung schon nach einer Viertelstunde relativ absehbar werden, tut dem Unterhaltungswert keinen Abbruch. Wie in ähnlichen Genrefilmen, z.B. Spike Lees Inside Man, geht es hier weniger um das, was passiert, als vielmehr darum wie es passiert. Wie genau haben sich die vier Männer, deren Namensgebung später Inspiration für Quentin Tarantinos Reservoir Dogs - Wilde Hunde sein sollte, vorgestellt aus dem New Yorker Untergrund zu verschwinden, ohne von der Polizei geschnappt zu werden? Wird der Konflikt mit Mr. Grey noch ausarten? Und wie wird Garber mit den verändernden Situationen umgehen? Dieses Ping-Pong-Spiel der Sympathien - Mr. Blue vermag trotz seines rigorosen Verhaltens nicht als wirklicher Bösewicht funktionieren - ist ein essentieller Bestandteil des Filmes.

Bei all dem Drama hält sich die Todesfahrt der U-Bahn 123 aber auch nicht mit Humor zurück. Immer wieder werden einige Szenen durch flapsige Sprüche etwas aufgelockert, speziell durch den Ober- und Vizebürgermeister von New York. Gerade ersterer verkommt zu einer reinen Karikatur. Abgesehen von seiner Absehbarkeit und einigen Hängern in der Charakterausarbeitung ist Sargents Film somit ein ordentlicher Thriller und Genrevertreter, der nicht nur Spannung erzeugt sondern zugleich zu unterhalten weiß. Es ist davon auszugehen, dass Tony Scotts Remake des Jahres 2009 mit Denzel Washington in der Rolle von Garber und John Travolta als Antagonisten den Fokus sehr viel mehr auf den Action Schwerpunkt legen wird. Wer es "oldschool" haben will, der greift lieber zum Original.



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