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Gibt es ein größeres Kassengift als animierte Filme, die nicht für Kinder, sondern für Erwachsene gedreht wurden? Auch wenn 9 beim Box Office hinter den Erwartungen zurückblieb, ist es erfrischend endlich mal wieder einen Animationsfilm zu sehen, bei dem trotz einfach gehaltener Story eine gewisse Originalität nicht zu verleugnen ist und der zudem noch düster und spannend inszeniert wurde.
Scheinbar ist es in Mode gekommen aus beeindruckenden Kurzfilmen abendfüllende Spielfilme zu kreieren. Nachdem Neill Blomkamp seinen Kurzfilm Alive in Joburg in dem Überraschungsblockbuster District 9 auf Spielfilmlänge bringen durfte, ist nun Shane Acker an der Reihe, der nach seinem oscarnominierten Kurzfilm 9 die gleichnamige Leinwandadaption in die Kinos bringen durfte.
Die Menschheit ist ausgestorben! Warum wissen wir nicht, jedoch gibt es eine riesige Maschine, die auf der Erde ihr Unwesen treibt. Dem gegenüber steht eine kleine Gruppe Stoffpuppen, bei der zu Filmbeginn der titelgebende Charakter 9 das Licht der Welt erblickt. Während der Großteil der Stoffpuppen sich lieber versteckt, erkennt 9, dass es nur eine Möglichkeit gibt das Schicksal der Stoffpuppen zu ändern und zwar durch den Kampf gegen die monströse seelensaugende Maschine.
Animationsfilme für Erwachsene haben meist einen schweren Stand. Nach Die Legende von Beowulf, Kaena - The Prophecy und Final Fantasy - Die Mächte in Dir ist dies erst der vierte Animationsfilm, der das amerikanische PG-13 Rating bekam und somit ist klar, dass man es sich zweimal überlegen sollte, die Kleinsten mit in den Kinosaal zu nehmen. Ackers an sich einfach gehaltene Geschichte ist in manchen Momenten derart kompromisslos, dass wie schon bei Coraline die Kinder eher weinend, als strahlend den Kinosaal verlassen werden. Für das erwachsene Publikum jedoch stellt sich das im Gegensatz dazu als willkommene Abwechslung in der Animationslandschaft dar.
Dass hinter diesem Projekt niemand geringeres als Tim Burton steckt, merkt man von der ersten Minute an. Das düstere und albtraumhafte Szenario wird sicherlich nichts für kleine Kinder sein. Dafür taucht der Zuschauer hier in eine abgefahrene Welt ab, die vor kreativen Ideen nur so wimmelt, so dass kaum möglich ist, alles bei der Erstsichtung aufzunehmen. Überraschend auch, dass sich 9 trotz des relativ knappen Produktionsbudgets von 33 Mio. Dollar optisch in keinster Weise vor den großen Studios zu verstecken braucht, denn inszenatorisch sowie atmosphärisch gelingt es Regisseur Shane Acker, uns Minute für Minute in Erstaunen zu versetzen.
Ist sein Kurzfilm noch komplett ohne jegliche Dialoge ausgekommen, musste dies natürlich im Zuge einer Kinoauswertung angepasst werden. Hierfür konnten namhafte Sprecher wie Elijah Wood, John C. Reilly, Jennifer Connelly, Martin Landau, sowie auch der weitestgehend untergetauchte Crispin Glover verpflichtet werden. Diese machen ihre Sache auch weitestgehend gut, wobei einzig Reillys emotionale Stimmleistung wohl länger im Gedächtnis verweilen wird.
Trotz seiner einfach gehaltenen Geschichte ist 9 mehr als nur eine willkommene Abwechslung in der ansonsten so übersättigten Animationsbranche. Visuell beeindruckend überzeugt Ackers Werk durch eine düstere Atmosphäre, den tollen Effekten und der Kompromisslosigkeit in vielen Teilen des Filmes, wie man es seit den besten Don Bluth Zeiten nicht mehr gesehen hat. Ein Muss für jeden Freund des Animationsfilmes, auch wenn man die Kinder dieses Mal besser zuhause lassen sollte. |