Julie Delpy widmet sich nach ihrer Komödie 2 Tage Paris diesmal einer historischen Geschichte und übernimmt dabei neben der Regie auch gleich die Hauptrolle. Sie spielt die Gräfin Erzebet Bathory die, in Ungarn aufgewachsen, zu jener Zeit als mächtigste Frau Europas galt. In ihrer fünften Regiearbeit versucht Delpy das Bild einer vielschichtigen Figur zu zeichnen und dem Mythos der "Blutgräfin" entgegenzuarbeiten.
Europa zu Beginn des 17.Jahrhunderts: In einer von Männern kontrollierten Welt gelingt es der Gräfin Erzebet, nach dem Tod des Gatten reich und erfolgreich zu bleiben. Auf einem Fest lernt sie den weitaus jüngeren Istvan (Daniel Brühl) kennen, mit dem sie bald mehr verbindet als bloße Zuneigung. Istvans Vater Graf Thurzo (William Hurt) zwingt seinen Sohn durch ein intrigantes Spiel dazu, Erzebet zu verlassen. Diese stürzt sich, durch den Verlust des Geliebten angetrieben, in die wahnhafte Vorstellung, jungfräuliches Blut könne ihr zu ewiger Jugend und Schönheit verhelfen und Istvan zurückbringen. Dafür geht sie über Leichen.
Julie Delpy zeichnet zunächst im Zeitraffer die Kindheit und Jugend von Erzebet nach, bis sie schließlich selbst in die Rolle der hübschen, selbstbewussten und kalten Frau schlüpft. Bis sich die Gräfin ihrem Blutrausch zu widmen beginnt, erzählt der Plot das typische Thema einer im Mittelalter angelegten Geschichte: die Liebe zu einem Mann. Recht ausführlich schildert der Film die Beziehung zu Istvan und Delpy vermag ihrer Figur hier die ersten und einzigen positiven emotionalen Regungen zu entlocken.
Nachdem Erzebet von Istvan verlassen wurde, erfährt der Film einen Genresprung, weg von der Romantik, hin zum Thriller mit Splattercharakter. Um an das Jungfrauenblut zu kommen, ist der Gräfin jedes Mittel recht. Es wird gefoltert, geschnitten, zweigeteilt, den Frauen das Blut ausgepresst und Wölfe vergehen sich an den Leichen. Kein schöner Anblick, aber den historischen Fakten angepasst. Das Mittelalter war wirklich grausam.
Die Gräfin bietet dem Zuschauer einen perfekt ausgestatteten Kostümfilm, bis ins kleinste Detail rekonstruiert. In dieser Hinsicht ist er mit der jüngst im Kino laufenden Verfilmung Die Herzogin zu vergleichen, auch wenn die Ausstattung hier wesentlich fröhlicher ausfiel. Die Verfilmung der Herzogin von Devonshire zeichnete sich dadurch aus, dass der Zuschauer eine Bindung zu der Figur aufbauen konnte, mit ihr fühlen und leiden konnte.
Diese Bindung kann trotz der guten schauspielerischen Leistungen zur Gräfin Bathory nicht aufkommen. Vielleicht liegt es an der Steifheit der Sprache und der extremen Kühle, die die Hauptfigur ausstrahlt, vielleicht auch daran, dass die Story genau betrachtet recht dünn ist und ein zu starkes Gewicht auf die Liebesgeschichte gelegt wird. Warum Erzebet solch einem extremen Blutrausch verfallen ist und ob die Ursache in ihrer freudlosen Kindheit zu finden ist, bleibt offen und muss durch den Zuschauer hinterfragt werden.
Alles in allem wird eine interessante Geschichte über eine recht unbekannte historische Figur geboten, opulent ausgestattet und toll gespielt. Julie Delpy zeigt sich sowohl vor als auch hinter der Kamera von ihrer besten Seite und hat sich tolle Darsteller ins Boot geholt. Trotzdem hinkt das Historien-Drama an einigen Längen und ungeklärten Wendungen in der Handlung. Liebhaber des Genres werden trotzdem zufrieden sein.