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Hannah Montana - Der Film

(Hannah Montana: The Movie, 2009)

Dt.Start: 04. Juni 2009
DVD: 08. Oktober 2009
Premiere: 10. April 2009 (USA)
FSK: o.A. Genre: Musical, Familie
Länge: 102 min Land: USA
Darsteller: Miley Cyrus (Hannah Montana / Miley Stewart), Moises Arias (Rico), Frances Callier (Roxy), Billy Ray Cyrus (Robby Stewart), Natalia Dyer (Clarissa Granger), Jason Earles (Jackson Stewart), Adam Gregory (Drew), Peter Gunn (Mr. Granger), Vicki Lawrence (Mamaw Stewert), Margo Martindale (Ruby), Mitchel Musso (Oliver Oken / Mike Standley III), Emily Osment (Lilly Truscott / Lola Luftnagle), Emily Reaves (Cindy-Lou), Rachel Woods (Phoebe Granger)
Regie: Peter Chelsom
Drehbuch: Daniel Berendsen, Michael Poryes


Inhalt

Miley Stewart lebt ein ganz normales Teenager-Leben mit Schule, Freunden und den typischen Problemen. In ihrer geheimen Identität als Hannah Montana allerdings gibt sie Konzerte und ist ein absoluter Star. Als jedoch die Grenzen immer mehr verschwimmen und ihr Ruhm droht das Leben abseits der Bühne zu stark zu beeinflussen, wird sie von ihrem Vater dazu gedrängt, eine Reise in ihre Heimatstadt Crowley Corners zu machen. Hier soll sie sich vor Augen führen, was im Leben wirklich zählt. Auf der Suche nach der Realität, stößt Miley auf Abenteuer, die Hannah Montana niemals erleben könnte.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Hannah Montana - Der Film hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 70%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Julian Reischl
Hannah Montana - Der Film hat eine Wertung von 70%
Die Sängerin Hannah Montana will ihr Privatleben, das sie unter ihrem richtigen Namen Miley Stewart führt, vor der Öffentlichkeit abschirmen. Dies fällt ihr bei steigendem Ruhm und steigendem Presse-Interesse immer schwerer. Als sich eine ernste Krise zwischen Miley und ihrer Freundin Lilly entwickelt, ist Miley gezwungen, nach Hause aufs Land zu fahren und über die Frage, wie sie ihr Leben führen will, nachzudenken. Der Kinofilm zum Hannah Montana-Imperium ist für sich alleine amüsant und empfehlenswert, die Marktmacht des zugrundeliegenden Disney-Konstrukts dahingegen ist erschreckend.

Bild aus Hannah Montana - Der Film Miley Stewart, das nette Mädel von nebenan, hat ein Geheimnis: Sie führt ein Doppelleben, ist auch der Superstar Hannah Montana, ein Teenie-Idol, dem die kreischenden Massen sowie die Paparazzi immer auf der Spur sind. Das Wichtigste im Leben von Miley Stewart ist, ihre eigentliche Identität geheim zu halten. Solange das funktioniert, vereint Miley Stewart das Beste aus zwei Welten in ihrer Person, denn als Miley kann der junge Star in die Öffentlichkeit gehen und ein normales, bürgerliches Leben ohne hysterische Fans führen; und als Hannah verkleidet kann Miley ihre treuen Fans mit immer neuen Hits verzücken.

Die Story des Films zur Fernsehserie beginnt mit dem Ende eines Drehtages, und einem Reporter, der sich, als Fan verkleidet (aber eher wie ein Pädophiler wirkend), in Mileys Umkleidekabine schleicht. Er will herausbekommen, wie Hannahs Privatleben so aussieht, wird von Hannahs Managerin, die das Geheimnis ihres Schützlings natürlich kennt, hinausgeworfen. Der Mann folgt dem jungen Star unbeirrbar zum nächsten Termin. Dieser besteht jedoch in der Geburtstagsfeier von Mileys bester Freundin Lilly, wo Miley eigentlich nicht als Hannah auftauchen wollte. Doch wegen des Reporters hinter ihrer Limousine wagt Hannah nicht, sich im Auto umzuziehen, und so stiehlt plötzlich Hannah Montana Lilly auf ihrer eigenen Geburtstagsparty die Show.

Lilly, die natürlich auch das Geheimnis von Miley kennt, ist verständlicherweise gewaltig sauer auf ihre beste Freundin, und auch Mileys Vater Robby Ray Stewart versucht, Miley klarzumachen, dass die Kunstfigur der Hannah Montana einen zu starken Einfluss auf das Leben seiner Tochter zu nehmen beginnt. Also schleppt er sie in den Heimatort der Familie nach Tennessee, eine Kleinstadt auf dem Land, wo jeder natürlich die kesse Miley kennt und liebt, und wo niemand denkt, dass sie etwas mit der so berühmten Hannah Montana aus Los Angeles zu tun hat.

Doch auch auf dem Land gibt es Konflikte: Die heile Welt wird bedroht, weil ein Investor den schönen Ort durch ein hässliches Einkaufszentrum verschandeln will. Nur, wenn genug Geld bis zu einem gewissen Termin zusammenkommt, muss er von seinem Vorhaben ablassen. Es dauert nicht lang, und Hannah Montana hat Miley Stewart in ihrem Heimatort eingeholt und mit ihr kommt der ganze Rattenschwanz von Presse, Business, Fan-Hysterie und genereller Aufregung in Mileys bisher unberührtes Heimatnest.

Das Disney-Kunstprodukt Hannah Montana alias Miley Stewart, die von Miley Cyrus gespielt wird, ist an PR-Raffinesse kaum zu überbieten. Mit dem Aufkommen der Castingshows vor einigen Jahren begann die Branche, sich zu kannibalisieren, indem sie Vorgänge, die bisher hinter den Kulissen stattgefunden hatten, selbst zur Show machte. Plötzlich wurde der Weg zum Ziel, das Endprodukt war nicht mehr so wichtig. Wo gewachsene, aber auch gecastete Bands sich gegenüber der Öffentlichkeit früher durch gute Musik behaupten mussten, werden sie heute in Castingshows durch Zuschauerbeteiligung zusammengestellt, spielen dann Musik von irgendwelchen Hitschreibern, und versinken meist schnell wieder in der verdienten Vergessenheit.

Mit Hannah Montana erschuf Disney (übrigens nicht zum ersten Mal) einen Multimediastar, dessen Musik-Alben, Konzerte und TV-Serie sich gut verkaufen, und lieferte das nette Kleinmädchen-Image gleich mit. Wo früher PR-Profis hinter den Kulissen rotierten, um positive Gerüchte zu lancieren oder schlimme Gerüchte zu stoppen, wird in diesem Fall einfach in aller Offenheit eine zweite Scheinwelt aufgebaut, um diese gleich mitliefern zu können. So gab es jüngst die Möglichkeit, Interviews sowohl mit Miley Cyrus bzw. Stewart als auch Hannah Montana selbst zu führen. Das Rezept ist erfolgreich, und sowohl Miley Cyrus als auch Hannah Montana haben sich als Kultfigur für (vornehmlich weibliche) Teenies und Pre-Teens etabliert.

Der Film selbst ist eine klassische Disneykomödie für Kinder und junge Erwachsene; eine schier endlose Reihe von harmlosen Gags und Verwechslungen amüsieren auch den Nicht-Kenner. Moralische Werte wie Freundschaft, Familie, Ehrlichkeit und Vertrauen werden hochgehalten und auch jüngeren Zuschauern gekonnt vermittelt. An vorderster Stelle findet sich eine ordentliche Portion Humor auf solidem TV-Niveau, gut durchmischt mit Musik und einer Parade von klassisch-trotteligen Disney-Sidekicks, die sich natürlich allesamt als im Innersten doch gutmütig und liebenswert herausstellen.

Mit seiner ausgewählten Ausstattung und den kräftigen Farben wirkt Hannah Montana - Der Film von der Ästhetik her streckenweise wie eine Marlboro-Werbung. Natürlich rauchen weder Miley Stewart noch Hannah Montana, von der echten Miley Cyrus kann das weder bewiesen noch widerlegt werden. Auch hat die junge Schauspielerin, wie so viele vor ihr, ein Keuschheitsgelübde bis zur Ehe abgelegt und twittert munter über ihr Privatleben, wobei sie mitunter auch ihre Liebe zum Christentum einfließen lässt. Die PR-Maschinerie läuft reibungslos und effektiv, die Fans schlucken Miley, Miley und Hannah in allen dargebotenen Formen und über alle verfügbaren Medien.

Diese in diesen Dimensionen völlig neuartige Verknüpfung von echtem sowie konstruiertem Privatleben und Star spiegelt sich auch auf der Leinwand wieder: Tatsächlich stimmt die Filmbiografie der Miley Stewart über weite Strecken mit dem wahren Leben der Miley Cyrus überein, ebenso die ihres Vater, der im Film wie im wirklichen Leben derselbe Mann ist. Da ist die Filmdramaturgie drumherum, nämlich die Geschichte mit dem Reporter und der zu rettenden Kleinstadt, nur noch Beiwerk, um dem Star ein Vehikel zu geben.

Es ist nicht einfach, Realität und Fiktion auseinanderzuhalten im Falle dieser Disney-Unternehmung. Am ehesten ähnelt die Konstellation der Identitäten und der Menschen dahinter dem Web 2.0, weswegen man das Konstrukt Miley Stewart / Hannah Montana in all ihren Ausprägungen auch getrost als den aufwendigsten Blog der Welt bezeichnen kann - oder als die perfekte Castingshow, kombiniert mit dem Leben im Big Brother-Container. Denn der einzig unwägbare Faktor, das Publikum, wurde einfach seiner Wahlmöglichkeiten beraubt und durch PR-Profis ersetzt. So erhält das öffentliche Image der Miley und der Hannah tatsächlich das Beste aus zwei Welten - der eigentlich der Dramaturgie entlehnte Fachausdruck für eine unerreichbare, utopische Sehnsucht wird hier einfach als Motto einer Konzerttournee ausgeschlachtet.

Beißt sich nun die Katze selbst in den Schwanz? Einerseits ist das Publikum auf das Betrachten einer komplizierten, vielschichtigen Story, die über den Film hinausgeht, reduziert. Ganz so wie früher, also ohne Möglichkeit der Mitbestimmung. Andererseits kann sich jeder Fan seinen Lieblings-Miley-Avatar aussuchen und sich so dann doch (im Rahmen der von Disney gegebenen Möglichkeiten) einen eigenen, scheinbar individuellen Blickwinkel gestalten. Ob diese Art von Leben in der Öffentlichkeit das Berühmt sein von morgen ist oder die Verwurstung einer menschlichen Existenz zu Marketingzwecken, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden.

Zu hoffen bleibt, dass das Publikum mündig bleibt und auch hinter das Konstrukt zu schauen bereit ist. Für sich als Film ist Hannah Montana - Der Film ein völlig harmloser, amüsanter und empfehlenswerter Streifen für Kinder und Jugendliche.



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