Das Drama Zeit des Erwachens basiert auf wahren Begebenheiten und wurde im Jahre 1990 von Regisseurin Penny Marshall (Big) inszeniert. Ihr Werk beschäftigt sich mit dem Werdegang von Menschen, die unter der Europäischen Schlafkrankheit leiden. Mit Robin Williams und Robert De Niro in den Hauptrollen kann der ansonsten ohnehin gut gelungene Spielfilm das Prädikat "Sehr Gut" erlangen.
Der Panther
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.
Um dieses berühmte Gedicht des Lyrikers Rainer Maria Rilke dreht sich Penny Marshalls Drama Zeit des Erwachens. Der auf dem Buch des Neurologen Dr. Oliver Sacks basierende Spielfilm, der mit Weltstars wie Robert De Niro (Heat) und Robin Williams (Good Will Hunting) besetzt ist, konnte mehrere Filmpreise gewinnen und erhielt im Jahre 1991 drei Oscarnominierungen in den Kategorien "Bester Hauptdarsteller", "Bestes adaptiertes Drehbuch" und sogar "Bester Film".
Dr. Malcolm Sayer (Robin Williams) ist Arzt und bewirbt sich in einer Nervenklinik. Die ersten Arbeitstage kosten dem schüchternen und zurückhaltenden Sayer viele Nerven, doch es gibt Patienten, die ihn faszinieren: Es handelt sich um regungslose, sich teils bereits seit Jahrzehnten im komatösen Zustand befindende Personen. Darunter ist auch Leonard Lowe (Robert De Niro), der seit seiner Jugend erkrankt ist und von seiner Mutter (Ruth Nelson) gepflegt wird. Sayer, der wie entfesselt versucht, das Gegenmittel für die als unheilbar geltende Krankheit zu finden, stößt schließlich auf die Lösung. Er verabreicht Leonard die Droge Levodopa, welche ihn aus dem Koma erwachen lässt...
Die wesentliche Stärke von Marshalls Werk liegt in der insgesamt spannenden und zugleich sehr berührenden Umsetzung der Vorlage. Szenen, wie zum Beispiel das Erwachen der Komapatienten oder auch Lowes Tanz mit seiner Freundin am Ende des Spielfilms, bleiben als traurig-schöne Erinnerungen an das Drama im Gedächtnis. Hierbei muss insbesondere erwähnt werden, dass es der Regisseurin gelingt, ihren Film glaubwürdig zu inszenieren und nur selten der Fehler gemacht wird, in Kitsch und Klischees sowie übertriebener Emotionalität zu ersticken.
Dass Zeit des Erwachens so gut funktioniert, liegt auch an dem hervorragenden Cast. Robert De Niro spielt den an der Europäischen Schlafkrankheit leidenden Leonard Lowe schlicht superb und sorgt für brillant funktionierende emotionale Momente, ohne die Marshalls Spielfilm wesentlich an Klasse verlieren würde. Auch Robin Williams, dem zwar - bedingt durch das Drehbuch - nicht sein ganzes schauspielerisches Können abverlangt wird, spielt die Rolle des Malcolm Sayer insgesamt sehr zufrieden stellend. Das Zusammenspiel von De Niro und Williams kann durchweg überzeugen und den Anforderungen des Plots mühelos gerecht werden.
Lowes Leben ist gewissermaßen das des Panthers. Er ist gefangen in einer Welt, aus der er nicht entfliehen kann. Es ist Sayer, der ihn aus seiner Trance holt, der es ihm ermöglicht die Gitter des Käfigs zu durchbrechen. Die Tatsache, dass Lowe nur kurzzeitig in das Leben zurückgeholt werden kann und letztendlich immer ein Gefangener seiner Krankheit bleiben wird, wurde tragisch, keinesfalls aber überzogen inszeniert - Ein insgesamt sehenswertes Filmdrama mit beachtlichen Darstellerleistungen!