Fighting überrascht den Zuschauer damit, dass er sich nicht als reiner Prügelfilm entpuppt, sondern vielmehr Wert auf seine Charaktere legt. Dies ist löblich und vor allen Dingen auch notwendig, sind doch die Kampfszenen eher schlecht als recht geraten und so lebt der Film vor allen Dingen von seinen glaubwürdigen Figuren und deren Entwicklung.
Es scheint das Jahr des Channing Tatum zu werden. Innerhalb von nur eineinhalb Monaten ist der Jungstar gleich in drei Filmen in den Kinos zu sehen. Nach dem enttäuschenden Public Enemies und dem Blockbuster G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra ist er nun in einer Variation der Rocky-Thematik in den Kinos zu sehen.
Mit Mühe und Not schlägt sich der junge New Yorker Shawn MacArthur durch den Tag. Als er bei einem seiner Straßenverkäufe einen Dieb mit seinem beeindruckenden Kampftalent stellt, gerät er in das Blickfeld des Promoters Harvey Boarden. Dieser ist beeindruckt von seinen Fähigkeiten, nimmt ihn unter seine Fittiche und lässt ihn in illegalen Straßenkämpfen ohne Regeln antreten.
Filme dieser Art laufen meist Gefahr als sinnlose Prügelfilme deklariert zu werden. Oftmals ist das auch gar nicht mal so verkehrt, jedoch gibt es auch einige Ausnahmen, die diese Regel bestätigen, allen voran natürlich Stallones Meisterwerk Rocky. Dessen Titel ist auch als indirektes Vorbild für Fighting zu sehen, denn auch hier stehen eher die Charaktere im Vordergrund und sind sogar ähnlich angelegt. Seine Figuren hat Regisseur und Drehbuchautor Montiel ohne wirkliche Klischees gestaltet und ist ihnen gegenüber im Verlauf auch immer ehrlich. Zugegeben wirkt das Ganze durchaus wie eine Lightkopie von Stallones Oscargewinner, doch auf eine so sympathische Weise, dass man dem Film dafür nie wirklich böse sein kann.
Inszenatorisch gesehen jedoch kann Montiel weniger überzeugen. Gerade bei den titelgebenden Kampfszenen enttäuscht er auf ganzer Linie. Sein Versuch, die Kämpfe möglichst realistisch und nah am Geschehen einzufangen, ist durchaus lobenswert, wirkt jedoch aufgrund der viel zu schnellen Schnitte, sowie der hektischen Kameraführung so unübersichtlich, dass man vielen Choreografien nur schwer folgen kann.
Darstellerrisch sind die Schauspieler nicht sonderlich gefordert, was am ehesten bei Terrence Howard auffällt, der leider nur wenig Gelegenheit bekommt, sein ohne Frage großes Talent zu zeigen. Der Mann der Stunde, Channing Tatum, gibt sich sehr bemüht und legt seinen Charakter folgerichtig sehr sympathisch an, wodurch er teilweise sogar eine Art Rocky-Sympathie beim Publikum erzeugen kann. Fürs männliche Auge gibt's mit Zulay Henao noch einen wahren Blickfang geboten, die zudem auch ihre Rolle überzeugend verkörpert.
Fighting ist sicherlich alles andere als eine Neubelebung des Genres und wer aufgrund des Titels einen Prügelfilm in Reinkultur erwartet wird sicherlich enttäuscht werden. Dino Montiels Film legt viel mehr Wert auf seine Charaktere im Stile von Stallones Rocky oder Mamets Redbelt und dürfte damit sicherlich nicht nur etwas für den Genrefan sein.