Drei verkaterte Freunde mit Filmriss suchen nach einem offenbar rauschenden Junggesellenabschied nach dem Bräutigam, den sie wohl irgendwo in Las Vegas verloren haben. Wirklich geniale, spritzige Komödie mit Kultpotential von Old School - Wir lassen absolut nichts anbrennen Regisseur Todd Philipps, die mit einem endlosen, aber nie eintönig werdenden Gagfeuerwerk aufwartet.
Dass es bei einem Junggesellenabschied, also wenn die Kerle einen der ihren in den Stand der Ehe verabschieden, mitunter recht rau zugeht, ist ja bekannt. Hunderte von verschiedenen Ausprägungen begegnen einem in allen Städten der Welt, und nicht selten schwingt beim Betrachter auch ein wenig Mitleid für den Bräutigam mit. Als Teilnehmer so eines Abschieds vergisst man den Abend wohl selten, und grinst noch Jahre später versonnen vor sich hin, wenn man an diese wilde Nacht denkt.
Nun ist also Doug an der Reihe: In nur zwei Tagen wird er seine große Liebe heiraten. Also entführen ihn seine Kumpels Phil und Stu zusammen mit seinem zukünftigen Schwager Alan ins Mekka der Junggesellenabschiede Amerikas: Las Vegas. Der Trip steht nicht unter idealen Bedingungen: Zahnarzt Stu muss seiner zugeknöpften Freundin vorlügen, die vier würden einen kultivierten Weinverkostungstrip nach Napa Valley unternehmen. Phil lässt Frau und Kind alleine, um Doug würdig in den Stand der Ehe zu verabschieden. Alan, den keiner der drei alten Freunde so richtig kennt, ist das fünfte Rad am Wagen, aber durchwegs und aus voller Seele bemüht, die Feierlichkeiten so unvergesslich wie möglich zu gestalten. Außerdem hat er das Auto, einen schönen alten Mercedes, von Papa gestellt bekommen für diese Fahrt.
Nach dem Einchecken ins Hotel folgt ein gnädiger Schnitt auf den nächsten Morgen: Stu fehlt ein Zahn, Phil hat offenbar eine Krankenhausbehandlung hinter sich, Alan ist unverändert eigenbrötlerisch und Doug fehlt. Keiner der drei hat eine Ahnung, was am Abend zuvor passiert ist, absoluter Filmriss. Es muss ziemlich genial gewesen sein, denn die Suite sieht aus wie der letzte Schweinestall, und Doug taucht auch nach einer intensiven Suche nicht auf. Also machen sich die drei verkaterten Gesellen daran, den Verlauf des letzten Abends zu rekonstruieren und den Bräutigam zu finden - tot oder lebendig.
Selten schafft es eine amerikanische Mainstreamkomödie wirklich zu begeistern. Im Fall von Hangover ist dies jedoch durch und durch gelungen: Eine nicht enden wollende Reihe von kreativen und allesamt sinnfälligen Gags führt die verstrahlten Gesellen durch das Trümmerfeld ihrer offenbar traumatisch gelungenen Party, an die sich nur keiner mehr erinnern kann.
Interpunktiert ist die Geschichte mit weiteren Personen, die größtenteils noch ein, zwei Hühnchen mit den Partylöwen zu rupfen haben - für die natürlich jeglicher Groll völlig fremder Menschen aus absolut heiterem Himmel kommt. Eine Komödie mit den Zügen einer Monty Python-Dramaturgie. Nicht ganz so mutig, spontan und sprunghaft, aber durchaus mit garantiert massivem Lachpotential.
Regie führte Todd Philipps, dem bereits Road Trip, Old School - Wir lassen absolut nichts anbrennen sowie Starsky & Hutch zu verdanken sind, und der einen Cameo-Auftritt im Hotelfahrstuhl hat. Seine Umsetzung des spritzigen Drehbuchs von Scott Moore und Jon Lucas zeichnet sich am ehesten durch perfektes Timing aus.
Leider werden einige Gags schon in Teaser und Trailern verheizt und ziehen dann auf der Leinwand nicht mehr so gut. Die englische Version ist durchweg vorzuziehen, schon allein aufgrund der leichten Verplantheit von Alan. Seine Sprüche dürften nur schwer zu übersetzen sein. Auch sollte unbedingt der Nachspann angesehen werden.