Schon 1979 proklamierte Ridley Scott mit seinem Meisterwerk Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, dass einen im Weltall niemand Schreien hört. Der Weltraum als New Frontier ist seitdem ein Hort von Bösartigkeiten und Horror. Mit seinem 1997 erschienenen Event Horizon - Am Rande des Universums setzt Paul W.S. Anderson diese Tradition fort, indem er eine Vielzahl an direkten wie indirekten Genrekollegen referiert.
Es war John F. Kennedy, der in den sechziger Jahren das New Frontier vom Westen der USA in das Weltall verlegte. Nur dort könnten und würden noch unentdeckte Länder auf die Menschheit warten und Überraschungen, sowie neue Reichtümer bereit halten. Doch was der Mensch nicht kennt, das macht ihm Angst. So war es schon immer. Insofern kann das Weltall - welches ohnehin über eine menschenfeindliche Umgebung verfügt - nur als potentielle Gefahr gesehen werden. Sei es eine tödliche außerirdische Rasse oder einfach nur der blanke Wahnsinn. Innerhalb dieses Kanons ist Paul W.S. Andersons Event Horizon - Am Rande des Universums eher ein Schwarzes Schaf. Von den Kritikern gebrandmarkt, von den Fans geliebt.
Der gesamte Film ist gespickt mit Referenzen, angefangen mit der bildlichen Überleitung vom Paramount Logo in die eigentliche Handlung. Dies setzt sich im Laufe des Filmes fort, wenn Querverweise zu 2001 - Odyssee im Weltraum, Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt oder Vertigo - Aus dem Reich der Toten eingebaut werden. Am offensichtlichsten ist Andersons zweiter Kinofilm jedoch eine Weltraumvariante von Stanley Kubricks Shining - etwas das der Film jedoch auch zu keinem Punkt bestreitet. Neben einer Blutwelle finden sich auch Elemente wie die tote Frau im Bad oder der Wahnsinn eines Mannes durch seine besessene Umgebung in Event Horizon - Am Rande des Universums.
Aber auch außerhalb der Filmreferenzen spielt Anderson sehr viel mit seiner Symbolik. Man nehme allein die Form der "Event Horizon", welche der eines Kreuzes entspricht. Oder die Szene, in welcher Kathleen Quinlans Figur ihrem kranken Sohn in einen Gang folgt, der bezeichnenderweise die Kontur eines Sargs hat. Grandios auch Andersons mehrfach angewendete Pupilleneinstellung, in welcher Pupille und der Antrieb der "Event Horizon" miteinander eins werden. Die Effekte des Filmes überzeugen, selbst wenn ihre Künstlichkeit gerade bei der Blu-Ray-Version ziemlich deutlich wird. Hinsichtlich eines Budgets von um die siebzig Millionen Dollar ist dies doch etwas erstaunlich, bedenkt man, dass ein Film wie X-Men, der drei Jahre später erschien, bei einem ähnlichen Budget sehr viel überzeugender aussieht.
Um seine Handlung macht Event Horizon - Am Rande des Universums keinen Hehl, bereits zu Beginn wird eine Verbindung zwischen dem Schiff und seinem Konstrukteur, Dr. Weir, hergestellt. Dies setzt sich anschließend besonders in der Figur von Miller fort, wenn dessen Äußerungen wie "Das ist ein Grab" ähnlich wie Justins "Sieht wie ein Fleischwolf aus" die bevorstehende Entwicklung der Figuren vorwegnimmt. Was es genau mit der "Event Horizon" auf sich hat, wird nicht geklärt.
Man mag es dem Film verzeihen, wenn er hin und wieder etwas aus der Bahn gerät. Sei es die "liberate me/liberate tuteme"-Szene oder der Aspekt, dass das Schiff seiner Crew ihre Sünden vorhält, nachdem es in einer Welt des Chaos abgetaucht war. Die Atmosphäre stimmt dennoch, die "Event Horizon" ist düster, kalt und mit Blut und Eingeweiden besudelt. Ein dämonisches Schiff, hinterlegt von den unentwegt tobenden Stürmen des Saturns. Die Spannung steigt mit der Öffnung des Antriebes und Justins Unfall. Zwar ist der Wandel von Weir nicht wirklich überraschend, aber sieht man sich Danny Boyles Sunshine an, doch nachdrücklich. Gegen Ende geht der Handlung etwas die Luft aus, das große Finale wirkt etwas abgekupfert und die finale Einstellung orientiert sich dann wieder am stilbildenden Horrorkino.
Mit seinen großen Vorbildern von Kubrick und Scott kann sich Anderson mit Event Horizon - Am Rande des Universums zwar nicht messen, aber ein Meistwerk wollte sein Film sicherlich auch nie sein. Dem Kultstatus, welchen der Film nach seiner DVD-Veröffentlichung erfuhr, wurde er da schon eher gerecht. Zwar sind die Effekte teilweise stark künstlich, doch ordnen sie sich der Handlung unter. Von dem Schauspielerensemble stechen wenig überraschend speziell Fishburne und Neill hervor, die beide sehr engagiert bei der Sache sind. Insgesamt ist Event Horizon - Am Rande des Universums ein liebenswerter kleiner Horrorfilm, den man in sein Herz schließt, auch wenn er seine Fehler hat.