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Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau

(Easy Virtue, 2008)

Dt.Start: 24. Juni 2010 Premiere: 08. September 2008 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: ab 6 Genre: Komödie, Romanze
Länge: 97 min Land: UK
Darsteller: Jessica Biel (Larita Whittaker), Ben Barnes (John Whittaker), Kristin Scott Thomas (Mrs. Whittaker), Colin Firth (Mr. Whittaker), Kimberley Nixon (Hilda Whittaker), Katherine Parkinson (Marion Whittaker), Kris Marshall (Furber), Christian Brassington (Phillip Hurst), Charlotte Riley (Sarah Hurst), Jim McManus (Jackson), Pip Torrens (Lord Hurst), Jeremy Hooton (Davis), Joanna Bacon (Cook), John Warburton (Mr. Gribble)
Regie: Stephan Elliott
Drehbuch: Stephan Elliott, Sheridan Jobbins


Inhalt

Im Amerika der beginnenden 30er Jahre heiratet der junge Engländer John Whittaker die glamouröse Amerikanerin Larita. Als er mit ihr in seine Heimat fährt, um seine Eltern zu sehen, prallen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite jene britische, konservative Haltung und auf der anderen die amerikanische, coole Art, das Leben zu genießen. Auch zwischen Mutter und Schwiegertochter entsteht ein Konkurrenzkampf, bei dem nur eine der beiden Frauen als Siegerin hervorgehen kann.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 77%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Carmen Porschen
Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau hat eine Wertung von 77%
Es ist schon ein Gräuel mit den garstigen Schwiegermüttern, die ihren braven Sohnemann lieber an der Seite einer anderen Frau sehen würden. Wie schwer es Schwiegertöchter haben können, demonstriert Regisseur Stephan Elliott mithilfe von Jessica Biel und Kristin Scott Thomas, die in ihrer von Antipathie getragenen Beziehung zueinander kaum eine Intrige auslassen. Das ist unterhaltsam und trotz einem ernsten Kern mit viel Wortwitz und Augenzwinkern angereichert. Die Figuren haben Tiefe, werden aber dennoch nicht zu ernst genommen. Dieser Balanceakt gelingt fast durchgängig, aber als Zuschauer muss man sich schon ein wenig daran gewöhnen.

Bild aus Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau Der junge Engländer John Whittaker verliebt sich Hals über Kopf in die erfolgreiche Rennfahrerin Larita, schon kurze Zeit später heiraten die Beiden. Ihr Glück ist perfekt, bis sie zu seiner Familie auf das große Landgut reisen. Die glamouröse und verführerische Amerikanerin, die sich gerne in Männersportarten betätigt, wird bei der britischen Familie mit Argwohn betrachtet. Vor allem die konservative Mutter hält Larita nicht für die Richtige an der Seite ihres einzigen Sohnes. Johns wohlbehütete Schwestern sind der neuen Schwägerin gegenüber skeptisch aber auch fasziniert von der erfahrenen, selbstbewussten Frau. Lediglich Mr. Whittaker begegnet Larita ohne Abwertungen und Herablassungen. Zunächst glaubt die taffe Amerikanerin an einen wenige Tage andauernden Besuch und schlägt sich so gut es geht durch. Doch dann verlängert sich der Aufenthalt immer mehr. John findet sich immer stärker in seine alte Rolle in der Familie ein und Larita fühlt sich zunehmend allein gelassen.

Dennoch bemüht sie sich - ihrem Mann zuliebe - Tag für Tag im Kreis der eingeschworenen Familie durchzustehen, inklusive aller Bräuche und Feierlichkeiten, die regelmäßig anstehen. Doch dabei warten auf Larita immer wieder Fettnäpfchen, in die sie sich prompt setzt, oder Missgeschicke, die ihr Ansehen zusätzlich schädigen. Den kleinen Intrigen der Mutter begegnet sie selbstbewusst und geht zielstrebig zum Gegenangriff über. In all diesem Wirrwarr geraten John und Larita jedoch immer mal wieder aneinander, vor allem aber als er erfährt, dass die Eltern vor dem Bankrott stehen und das Landgut bald aus ihren Händen verschwinden könnte. Sein sorgenfreies, aufregendes Leben mit Larita steht im krassen Gegensatz zu seiner Verantwortung für den Fortbestand der familiären Besitztümer. Die Liebe der Beiden wird auf eine harte Probe gestellt, erst recht als ans Licht kommt, dass Larita eine bewegte Vergangenheit hat.

Manche Dinge ändern sich nie, zumindest nicht grundsätzlich, egal in welcher Zeit sie sich abspielen. Um so eine Thematik geht es auch in Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau, der Verfilmung des Theaterstücks von Noel Cowards: Ein frisch vermähltes Paar könnte glücklicher nicht sein, alles ist perfekt. Doch dann ist der Anstandsbesuch bei seiner Familie an der Reihe und damit beginnen die Probleme. Die Schwiegertochter wird nicht akzeptiert, denn der liebe Junge hat natürlich etwas Besseres verdient. Die Kränkung, dass die Eltern vor vollendete Tatsachen gestellt werden, spielt hier deutlich mit. Angespannte Tischgespräche, spitze Bemerkungen und bohrende Fragen dämpfen die Stimmung und der heimgekehrte Sohnemann fällt im Kreise seiner Lieben schnell wieder in die gewohnte Rolle des mustergültigen Stammhalters und verantwortungsbewussten Bruders zurück. Wie sich zeigt, werden Menschen, eingebettet in ihre Vergangenheit und ihre alte Umgebung, zu anderen Personen. Eine unbelastete Liebe kann dadurch auf den Prüfstand kommen. In Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau kommt noch hinzu, dass Larita als Frau ihrer Zeit voraus ist und am liebsten bei Männerthemen mitmischt. Das macht sie natürlich erst recht zur Angriffsfläche für eine strenge Mutter nur eines Sohnes, in den sie all ihre Hoffnungen gesetzt hat.

Der Film spielt Ende der Zwanziger Jahre, die Nachwirkungen des Ersten Weltkrieges hängen noch ein wenig nach und die Menschen leben so unterschiedlich wie es nur geht. Während für eine junge Amerikanerin wie Larita das Leben als respektierte Rennfahrerin besser nicht laufen könnte, lebt Johns Familie etwas eingestaubt auf dem abgelegenen Land von Großbritannien. Regisseur Stephan Elliott lässt die Handlung in toller Kulisse spielen und gibt den Figuren einen authentischen Look. Jessica Biel glänzt in der Rolle der Powerfrau Larita und fügt sich ungeahnt gut in das Gesamtbild ein. Blonde Locken, rote Lippen und schwarzer Hosenanzug stehen ihr richtig gut. Aber nach Rollen in Blade: Trinity und Chuck und Larry - Wie Feuer und Flamme konnte sie ja bereits in The Illusionist in eine edlere Rolle schlüpfen. Weitere Highlights sind Kristin Scott Thomas und Colin Firth, die in ihren Rollen als Ehepartner, deren Blütezeit bereits vorbei ist, voll und ganz aufgehen. Nicht nur dass sie sich ziemlich amüsante Wortgefechte liefern, sie hauchen ihren Figuren genau die richtige Menge Leben ein. Was auf den ersten Blick vielleicht klischeehaft klingt: Die strenge Frau Mama, die sowieso keine Frau an der Seite ihres geliebten Sohnes akzeptiert und der wortkarge Vater, der sich lieber aus allem Ärger heraushält, ist in Wirklichkeit viel mehr. Beide verbergen Gründe dafür, warum sie so sind, wie sie sind und so bestätigt sich auch hier die Theorie, dass ein Mensch durch seine Vergangenheit zu dem gemacht wird, was er gegenwärtig darstellt und ohne sie könnte er jemand ganz anderes sein. Ohne Sorgen, Nöten und Lasten, die aus dem bisherigen Leben resultieren, könnten sie alle unbeschwerter und lebensfroher sein. Und so bröckelt die Fassade der glücklichen Familie immer mehr: Die eine Schwester wartet vergebens auf einen Mann, der nicht kommen wird, die andere hat mit ihrer Naivität keine Chance beim anderen Geschlecht, der Vater sieht seit den traumatischen Kriegserlebnissen keinen Sinn mehr im Leben und die Mutter versucht alle zusammen zu halten und kämpft nebenbei noch mit den schwerwiegenden finanziellen Problemen.

Trotz dieser bedrückenden Konstellation und Probleme verfällt Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau aber nie zu sehr in ein schnulziges Drama. Immer wieder lockern Wortwitz und Situationskomik die Handlung auf und geben den Geschehnissen insgesamt eine gewisse Leichtigkeit. Gegen Ende stößt diese Mischung aus Drama und Komödie zwar an seine Grenzen, da der Wechsel vom einen zum anderen dort doch etwas zu hart erfolgt, aber insgesamt gelingt der Balanceakt ziemlich gut. Herausgekommen ist ein unterhaltsamer Film mit ernüchternder Moral. Die sei an dieser Stelle noch nicht verraten, aber es handelt sich nicht gerade um ein Ende, das man in die Kategorie "schon viel zu oft gesehen" packen würde. Die Figuren des Films werden auch dadurch noch einmal augenzwinkernd betrachtet und auch insgesamt nicht so ernst genommen, wie es stellenweise den Anschein hat. Manchen könnte diese Sichtweise vielleicht etwas zu banal sein, aber alle die oft ein Problem mit Filmen haben, die sich zu ernst nehmen, werden bei Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau viel Spaß haben. Denn die Entscheidung sich mit bewegenden und emotionalen Themen wie Liebe, Familie, Zusammenhalt und Identität so schwungvoll und humoristisch zu beschäftigen, ist eine pfiffige Idee, die durchaus heraus sticht und gute Unterhaltung ohne Längen bietet.



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