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Erzähl mir was vom Regen

(Parlez-moi de la pluie, 2008)

Dt.Start: 30. Juli 2009 Premiere: 17. September 2008 (Frankreich)
FSK: o.A. Genre: Komödie
Länge: 99 min Land: Frankreich
Darsteller: Jean-Pierre Bacri (Michel Ronsard), Jamel Debbouze (Karim), Agnès Jaoui (Agathe Villanova), Pascale Arbillot (Florence), Guillaume De Tonquedec (Stéphane), Frédéric Pierrot (Antoine), Mimouna Hadji (Mimouna), Florence Loiret (Aurélie), Laurent Jarroir (Guillaume), Anne Werner (Séverine)
Regie: Agnès Jaoui
Drehbuch: Jean-Pierre Bacri, Agnès Jaoui


Inhalt

Die Politikerin Agathe muss auf Grund der Frauenquote ausgerechnet in ihrer Heimatstadt im Süden Frankreichs zum Wahlkampf antreten. Die Reise dorthin verbindet sie mit einem Besuch bei ihrer Schwester Florence, deren Liebhaber einen Dokumentarfilm über die feministische Politikerin drehen will. Agathe sagt zu, doch mit einem solch chaotischen Dreh hat sie ganz sicher nicht gerechnet.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Erzähl mir was vom Regen hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 70%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Harald Witz
Erzähl mir was vom Regen hat eine Wertung von 70%
In ihrem dritten Spielfilm betrachtet die französische Schauspielerin und Autorin Agnès Jaoui einmal mehr die Sehnsüchte von Menschen, die mitten im Leben stehen: Eine Feministin und Politikerin, die mit ihrer Schwester das Haus der verstorbenen Mutter in Südfrankreich entrümpeln soll, trifft auf den großspurigen Filmemacher Michel Ronsard und dessen Kumpel Karim, dem Sohn ihrer alten Haushälterin. Die beiden wollen sie für eine von Michel ersonnene Porträtreihe über erfolgreiche Frauen interviewen, um ins TV-Geschäft einzusteigen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Menschen, die den Schlamassel ihres Lebens satt haben und sich nach ihrer Verwirklichung sehnen, stehen im Mittelpunkt dieser melancholisch-heiteren Tragikomödie.

Bild aus Erzähl mir was vom Regen Zunächst wurde Agnès Jaoui als Schauspielerin bekannt, bevor sie eine Passion fürs Schreiben entwickelte. Vor allem für den Schauspieler Jean-Pierre Bacri schrieb sie und später auch mit ihm gemeinsam. Auf den Regiestuhl traute sie sich 1999 mit Lust auf Anderes und 2004 mit Schau mich an - mit überragendem Erfolg (in Cannes gab es die Goldene Palme fürs Drehbuch). Nun legt sie mit Erzähl mir was vom Regen ihren dritten Spielfilm vor. Erneut nimmt ihr Partner Bacri großen Anteil an der sensiblen Tragikomödie, denn neben einer der Hauptrolle war er auch am Drehbuch beteiligt.

Einmal mehr erzählt Jaoui eine Alltagsgeschichte aus der Provinz, weit ab vom mondänen Paris. Im Mittelpunkt steht die erfolgreiche Feministin Agathe Villanova (Agnès Jaoui), die sich dank Quotenregelung gerade einen Parlamentsplatz ergattert hat. Ein ganz profaner Anlass verschlägt Agathe in die südfranzösische Provinz. Gemeinsam mit ihrer Schwester Florence (Pascale Arbillot) entrümpelt sie das Haus der verstorbenen Mutter. Dort wohnt auch noch die alte Haushälterin Mimouna (Mimouna Hadji), deren Sohn Karim (Jamel Debbouze) sich als Portier in einem Hotel durchschlägt, aber von einer Karriere als Filmemacher träumt.

So erklärt sich auch seine Freundschaft zu dem Journalisten und ehemaligen Filmemacher Michel Ronsard (Jean-Pierre Bacri). Der sucht verzweifelt nach einem Format, das er einem Fernsehsender verkaufen kann, denn seit Jahren liegen seine Karriere und sein Privatleben in Scherben. Agathes Ankunft gibt ihm den entscheidenden Wink für eine TV-Reihe über "Erfolgreiche Frauen". Ein Sender ist schnell gefunden und ein Interview mit der Villanova arrangiert.

Doch als es ernst wird, laufen die Dinge aus dem Ruder. Michel erweist sich als Trottel und Amateur, Karim als unerfahren, Agathe als genervt. Erst sind es technische Details, Terminschwierigkeiten, bald kommen private Probleme hinzu und dann spielt auch noch das Wetter verrückt...

Zügig entfaltet die Filmemacherin das illustre Panoptikum ihrer Figuren, erforscht ihre Verhältnisse, in denen sie sich unwohl fühlen. Agathe zum Beispiel traut ihrem Mandat nicht, das sie ja nicht erkämpft sondern eher gewonnen hat. Außerdem ist da noch ihre unbefriedigende Beziehung zu ihrem Lebenspartner sowie zur Familie ihrer Schwester. Karim hängt sein Job zum Halse raus und hat allenfalls ein Ohr (respektive die Augen) für seine ebenso ziellose Kollegin. Michel ist unter der Oberfläche völlig verzweifelt und ruiniert mittlerweile dank seines jahrelang angestauten Frustes selbst die einfachsten Dinge. Von schwierigeren wie die Beziehung zu seiner Ex und zu seinem Sohn ganz zu schweigen, das Interview und der Dokumentarfilm werden gar zum Ding der Unmöglichkeit.

Einmal mehr darf Jean-Pierre Bacri stottern und stolpern, was das Zeug hergibt, doch anders als sein Fabrikant Castella kann er zu keinem Zeitpunkt den Eindruck der Lächerlichkeit überwinden. Selbst als er sich aufrafft und zu seinem Sohn fährt, hat man nicht den Eindruck, dass die Veränderung von Dauer ist.

Da hat es sein Partner vor der Kamera, Jamel Debbouze, ungleich leichter. Sein Karim ist ein Energiebündel, das grollend und schmollend seine persönliche wie die Menschheitsgeschichte als ungerecht empfindet. So schiebt er auch gegen Agathe einen heimlichen Groll, denn immerhin war seine Mutter die langjährige Hausangestellte, die nun von den "feinen Herrschaften" vor die Türe gesetzt wird. Aber auch bei seiner Hotelarbeit kann er seine Unzufriedenheit nicht verstecken. Seine Zuneigung zur Kollegin und sein erwachsendes Selbstbewusstsein sorgen aber dafür, dass er seine Energie schließlich kanalisieren kann.

Die umtriebige Agathe wird von den beiden unfähigen Filmemachern so lange in Beschlag genommen und in die Frustration getrieben, bis sie sich endlich mit ihrer eigen Situation, mit ihrem eigenen Leben und ihrem Partner auseinandersetzt.

In seinen besten Momenten reicht Erzähl mir was vom Regen an die Eleganz von Lust auf Anderes heran. Doch in weiten Teilen der Inszenierung gelingt es Agnès Jaoui nicht, die einzelnen Elemente und Handlungsstränge zu einem kompakten Ganzen zusammen zu schweißen. Immer wieder treibt der Humor in sinnlosen Slapstick und Albernheiten ab, zerreden die Figuren die Situation, wiederholen sich die Gesten und Dialoge, bis man sie nicht mehr ernst nehmen kann. Die beiden "Filmemacher" und das Objekt ihrer Begierde bleiben bei allem rationalen Interesse emotional fremd.

Der Spaß an den Wirrungen des Alltags stellt sich ebenso wenig ein, wie das Mitgefühl für die Verlierer. So reift der Konflikt zwischen den Schwestern fast unbemerkt heran und kulminiert, ohne dass man wirklich daran mitleidet. Das liegt vielleicht auch an der grundsätzlichen Konstruktion der Geschichte, die ihren Widerhall im regnerischen Wetter hat. Landschaft und Wetter besitzen ihren eigenen Charakter, der mit den Geschehnissen korrespondiert. Doch trotz witziger Einlagen wie die verregnete Bergtour und amourösen Einlagen bleibt der Gesamteindruck von Erzähl mir was vom Regen unrund.



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