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The Man Who Wasn't There

(The Man Who Wasn't There, 2001)

Dt.Start: 08. November 2001 Premiere: 13. Mai 2001 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 12 Genre: Komödie, Krimi
Länge: 116 min Land: USA
Darsteller: Billy Bob Thornton (Ed Crane), Frances McDormand (Doris Crane), Michael Badalucco (Frank Raffo), Adam Alexi-Malle (Jacques Carcanogues), James Gandolfini (Big Dave Brewster), Katherine Borowitz (Ann Nirdlinger), Jon Polito (Creighton Tolliver), Scarlett Johansson (Birdy Abundas), Peter Schrum (William Von Svenson), Richard Jenkins (Walter Abundas), Tony Shalhoub (Freddy Riedenschneider), Ted Raimi (Nickolai Boven), Christopher Kriesa (Persky), Brian Haley (Krebs), Jack McGee (Burns)
Regie: Joel Coen
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen


Inhalt

Ed Crane, ein schweigsamer Barbier fristet ein monotones und höhepunktsloses Dasein in einer kalifornischen Kleinstadt Ende der 40er Jahre. Eines Tages bietet sich ihm die Möglichkeit als Geschäftspartner in ein erfolgversprechendes Unternehmen einzusteigen. Um an das nötige Startkapital zu kommen, beschließt er den Kaufhausbesitzer Big Dave zu erpressen, der seit einiger Zeit ein Verhältnis mit Ed's Frau Doris unterhält.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

The Man Who Wasn't There hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 82%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Thomas Brendel
The Man Who Wasn't There hat eine Wertung von 82%

Oftmals gehen die Meinungen in Sachen Film ja weit auseinander, doch alle ein, zwei Jahre herrscht für einen kurzen Moment Harmonie unter den Cineasten in aller Welt, wenn sich wieder einmal der Satz bewahrheitet, den einst ein weiser Philosoph bei einem Erdbeershake in einem gemütlichen Diner an einem verregneten Sonntag Nachmittag kund tat: Die Coen Brothers machen keine schlechten Filme. Ethan und Joel Coen sind wahrscheinlich das kreativste Brüderpaar Hollywoods, das im Laufe der Jahre nicht nur seinen ganz eigenen Stil entwickelt hat, sondern vor allem mit jedem Film neue Wege beschreitet. Keines ihrer Werke läßt sich mit einem seiner Vorgänger vergleichen und trotzdem wohnt jedem einzelnen Film diese gewisse, nicht wirklich greifbare, coenisch-skuril-schräge Komik inne. Auch im Jahr 2001 lassen es sich die Gebrüder Coen nicht nehmen, die Filmwelt mit einem neuen Geniestreich zu überraschen.

Die Idee zu The Man Who Wasn't There hatten die beiden bereits vor sieben Jahren beim Dreh einer Friseursalon-Szene für The Hudsucker Proxy. Damals schmückte ein Poster mit diversen Haarschnitten der 40er Jahre das Set, welches die Coens zum kreativen Gedankenaustausch inspirierte: Was mußte das wohl für ein Typ sein, der all diese Haarschnitte ausführte? Eine Überlegung wie sie sich wahrscheinlich nur im Gehirn eines gebürtigen Coen manifestieren kann. Kurz darauf nahm die Story bereits konkrete Formen an. Ethan und Joel wollten eine Geschichte erzählen, wie sie vielleicht James M.Cain geschrieben hätte. Cains Krimigeschichten werden auch heute noch wegen der Genauigkeit ihrer Dialoge und Figurenzeichnung bewundert. Drei bedeutende Klassiker der Filmgeschichte basieren auf Romanen die seiner Feder entsprangen: Billy Wilders Frau ohne Gewissen, Michael Curtiz' Mildred Pierce und Tay Garnetts The Postman always rings twice. Genau diese Werke standen Pate bei der Ausarbeitung der Story die anschließend im Stil der alten Film-Noir Streifen inszeniert werden sollte. Obwohl das Drehbuch binnen kürzester Zeit fertig gestellt wurde, legten die Coen Brothers das Projekt für eine Weile auf Eis, um sich mit anderen Ideen auseinander zu setzen (George Clooney's plötzliches Interesse an O Brother, Where Art Thou? war sicherlich einer der Gründe warum dieser Film beispielsweise vorgezogen wurde), griffen es jedoch Anfang 2000 wieder auf und verpaßten dem Untiteled Barber Project einen Namen: The Man Who Wasn't There.

Das es sich hierbei wieder um einen sehr guten Film handelt brauch ich glaub ich gar nicht sagen. Das er durch und durch das gewohnte Coen Brothers Markenzeichen trägt wohl auch nicht und das sich dieser Film nicht mit Miller's Crossing oder Barton Fink vergleichen läßt versteht sich quasi von selbst. The Man Who Wasn't There erzählt vom Leben eines einfachen Mannes, dem sich plötzlich die Gelegenheit bietet etwas ganz neues, aufregendes und letztendlich auch finanziell lohneneswertes anzugehen. Dabei stoplert er jedoch in eine Sache hinein, die einmal in Bewegung gebracht unvorhersehbare Ereignisse auslöst, die sich völlig seiner Kontrolle entziehen. The Man Who Wasn't There ist zu einem nicht unwesentlichen Teil ein Crime Thriller, der jedoch nicht von skrupellosen Gangstern sondern von ganz normalen Menschen erzählt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der schweigsame Barbier Ed Crane, ein sehr passiver Typ der im Grunde nur reagiert anstatt zu agieren und nach eigener Aussage eher ein ruhiger Typ ist, was ihn jedoch nicht daran hindert den Zuschauer im Voice-Over mit seiner hypnotischen Stimme halb schwindelig zu quasseln.

Gespielt wird Crane von Billy Bob Thornton, dem wandlungsfähigen Camäleon und Multitalent, das sich von Rolle zu Rolle immer wieder drastisch verändert und hier einen äußerst lässigen Charakter mimt, der allein durch seine ganz persönliche (Eigen)art immer wieder zum Schmunzeln anregt. Auch Joel's Gattin Frances McDormand gibt sich nach fünf Jahren Coen-Pause wieder einmal die Ehre und überzeugt als unsympathische Doris Crane. Es gelingt McDormand zwar nicht ihre brillante Leistung aus Fargo - Blutiger Schnee zu wiederholen, doch auf Blood Simple-Niveau ist ihre Darstellung auf jeden Fall. Der Rest der Besetung rekrutiert sich zum Teil aus Coen-erfahrenen Schauspielern wie Michael Badalucco, John Polito und Tony Shalhoub der diesmal den selbstverliebten Staranwalt Freddy Riedenschneider zum Besten gibt. Doch es gibt auch Neuzugänge im Coen Universum, wie James "Tony Soprano" Gandolfini und Scarlett Johansson die dieses Jahr bereits in Ghost World überzeugen konnte.

Den größten Genuß bereitet jedoch die umwerfende Optik dieses Filmes. The Man Who Wasn't There ist der erste Streifen den die Coen Brothers in Schwarzweiß drehten. Nun ja, eigentlich wurde er auf einem farbigen Negativfilm gedreht, aber in Schwarzweiß geprinted. Für das geniale Brüderpaar war dies jedenfalls nicht nur eine ganz neue Herausforderung, sondern auch die Möglichkeit mit Licht und Schatten zu spielen wie nie zuvor und einige der Einstellung die die beiden da auf Zelluloid zauberten sind wirklich atemberaubend. Meine persönliche Lieblingsszene ist die in der Riedenschneider seine "The closer you look"-Ansprache durch die magischen Gitterstäbe hält. Ihr werdet dann schon sehen was ich meine. Im großen und ganzen ist The Man Who Wasn't There ein weiters Kapitel aus dem Buch der Coen-Meisterwerke, das aufgrund seiner ruhigen und gemächlichen Erzählweise zwar nicht ganz so massentauglich ist wie Raising Arizona oder The Big Lebowski, für jeden Filmliebhaber jedoch zum absoluten Pflichtprogramm gehört.



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